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Green Bond: Grüne Anleihen für ein besseres Klima

Das laufende Jahr ist noch keine fünf Monate alt. Doch aus „klimatischer“ Sicht ist es für Deutschland schon seit dem 4. Mai – und für Österreich sogar schon seit dem 6. April – beendet. An diesen Tagen – den sogenannten Overshoot Days (Erdüberlastungstagen) – haben wir die ökologischen Ressourcen für 2022 bereits aufgebraucht.

Die Folgen davon werden durch den Klimawandel auch für uns in Europa immer spürbarer. Längst ist klar: Wir müssen gegensteuern! Bei der Hypo Vorarlberg ist es dementsprechend schon lange fixer Bestandteil der Unternehmenskultur nachhaltige Vorhaben zu finanzieren und zu fördern. Für Anlegerinnen und Anleger besteht darüber hinaus die Möglichkeit, in sogenannte Green Bonds und damit in Anleihen mit nachhaltigem Verwendungszweck zu investieren.

Doch: Was ist eine „grüne Anleihe“ eigentlich? Und: Wie können wir uns sicher sein, dass diese auch wirklich grün ist?

Definition und Prozessleitlinien

  • GREEN BOND
    Ein „Green Bond“ ist eine Anleihe, bei der sich der Emittent verpflichtet, das Emissionsvolumen für die Finanzierung bzw. Refinanzierung von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen.


Die Herausforderung bei Green Bonds ist, dass es keine einheitliche Festlegung gibt, was „grün“ ist. Um hier mehr Vertrauen zu schaffen, bemühen sich verschiedene Organisationen, Leitlinien für ein Green Bond Framework (Rahmenwerk) zu definieren und somit eine Standardisierung zu ermöglichen. Diese Principles beinhalten freiwillige Prozessleitlinien, die Emittenten zu Transparenz und Offenlegung anhalten, um die Integrität der grünen Finanzaktivitäten zu fördern. Die Green Bond Principles (GBP) der International Capital Market Association (ICMA) stellen einen solchen freiwilligen Standard für grüne Anleihen zur Verfügung und umfassen insgesamt fünf Kernkomponenten, an denen sich auch die Hypo Vorarlberg orientiert.

1. Mittelverwendung

Das Herzstück eines jeden Green Bonds ist die Festlegung der Mittelverwendung. Das aktuelle Rahmenwerk inkludiert Projekte, Kreditforderungen sowie Investitionen in den Bereichen „Energieeffizienz“ und „Grüne Gebäude“. Ausdrücklich ausgeschlossen werden in der Hypo Vorarlberg Kreditforderungen, mit Bezug zu moralisch und ethisch nicht vertretbaren Branchen wie beispielsweise der Waffenindustrie. Auch Kredite, die in irgendeiner Weise in Verbindung mit Kinderarbeit gebracht werden könnten, werden vermieden. Die Hypo Vorarlberg beabsichtigt zudem, ihr Green Asset Portfolio in den nächsten Jahren sukzessive an die Kriterien der EU-Taxonomie anzupassen. In der Übergangsphase gelten die Energieeffizienz des Gebäudes – festgelegt über den jeweiligen Grenzwert Heizwärmebedarf (HWB) – und/oder die Einhaltung der Kriterien der EU-Taxonomie – als Richtwert für geeignete energieeffiziente Gebäude in Österreich.

  • HEIZWÄRMEBEDARF (HWB)
    Beschreibt jene Wärmemenge, die in einem Raum bereitgestellt werden muss, um diesen auf einer normativ geforderten Raumtemperatur (bei Wohngebäuden 20 Grad Celsius) halten zu können.


Gemäß dem Hypo Vorarlberg Green Bond Framework beträgt der Grenzwert für den HWB 2022 32 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (KWh/m2a) – Tendenz sinkend. Die Einhaltung dieser Kriterien wird auf Basis des Energieausweises nachgewiesen, der in Österreich jeder neuen Hypothekarforderung zugewiesen wird.

Betrachtet man die Gebäudekriterien der EU-Taxonomie zum Ziel „Klimaschutz“, unterscheidet die Taxonomie in Neubauten, Renovierungen von Bestandsgebäuden und Erwerb von Gebäuden des Baujahres 2020 oder älter. Bei Neubauten ist der sogenannte Primärenergiebedarf nicht erneuerbar (PEB) der wesentliche Faktor. Im Laufe des Jahres soll dieser in den Vorarlberger Energieausweis aufgenommen werden. Aktuell würde er bei einem Grenzwert von 36,9 KWh/m2a liegen.

Für Gebäuderenovierungen müssen laut EU-Taxonomie die geltenden Anforderungen an größere Renovierungen erfüllt werden oder die Renovierung zu einer Verringerung des PEBs um mindestens 30 Prozent führen. Aktuell müssen alle erworbenen Gebäude, die vor dem 31.12.2020 gebaut wurden, mindestens einen Energieausweis der Klasse A besitzen oder zu den Top 15 Prozent des regionalen Gebäudebestandes gehören.

2. Investitionsentscheidungsprozess

Auf regelmäßiger Basis wird zur Gewährleistung der Transparenz dem Nachhaltigkeitskomitee ein Bericht vorgelegt. Dieser Bericht inkludiert die Verteilung der nachhaltigen Kredite. Es ist Aufgabe des Nachhaltigkeitskomitees, bei der Festlegung der Auswahlkriterien mitzuentscheiden und davon ausgehend wird vom Treasury geprüft, welche neuen Finanzierungen in den Green Pool der HypoV aufgenommen werden können und ob diese auch wirklich den Auswahlkriterien entsprechen.

3. Management der Mittel

Während der gesamten Laufzeit versucht die Hypo Vorarlberg, ein Volumen mindestens gleich der Emissionsgröße des ausgegebenen Green Bonds in auswählbare, nachhaltige Finanzierungen investiert zu haben. Darüber hinaus sollen auch fortlaufend energieeffiziente Wohnbauten und Gewerbeimmobilien finanziert und gefördert werden. Um die Verwaltung des Bestandes jederzeit abrufbar zu haben, wurde ein Green-Bond-Managementsystem entwickelt. Darin sind alle geeigneten Kreditforderungen inkl. der Energiekennzahlen ersichtlich.

4. Impact Reporting

Um den Anlegern einen Einblick zu gewähren und die Entwicklung der Emissionserlöse des Green Bonds transparent darzustellen, wird jedes Jahr ein sogenanntes Impact Reporting von der Hypo Vorarlberg veröffentlicht. Neben einer Übersicht über die finanzierten Assets und deren Volumen wird unter anderem auch die CO2-Einsparung bei den finanzierten Projekten ausgewiesen. Die vermiedenen CO2-Emissionen werden von Drees & Sommer, einem international tätigen Beratungsunternehmen für den Bau- und Immobiliensektor, kalkuliert.

5. Externer Bericht

Eine zweite, objektive Meinung ist wichtig. Auch beim Thema Nachhaltigkeit. Daher wird in den Green Bond Frameworks auch eine Second Party Opinion verankert. Bei den Green Bonds der Hypo Vorarlberg fungiert die renommierte Nachhaltigkeitsratingagentur „rating“ ISS ESG als Zweitmeinung. Diese erstellt einen Report, der den Nachhaltigkeitswert des Green Bonds verifiziert und bestätigt. Zudem wird die Übereinstimmung des Green Bond Framework mit den ICMA Green Bond Principles geprüft. Darüber hinaus enthält der Report von ISS ESG ein Nachhaltigkeitsrating. Zuletzt erhielt die Hypo Vorarlberg die Gesamtnote C und darf somit den Prime- Status führen.

Welche Möglichkeiten bieten sich für Privatanleger?

In den letzten Jahren war die Investitionsmöglichkeit Green Bond professionellen und institutionellen Anlegerinnen und Anlegern vorbehalten. Durch die kontinuierlich gestiegene Nachfrage nach regionalen und nachhaltigen Anlagelösungen hat sich die Hypo Vorarlberg jedoch entschlossen, zukünftig auch ein Green Bond Angebot für private Anlegerinnen und Anleger zu schaffen. Voraussichtlicher Start wird am 23. Mai 2022 sein. Sie sind interessiert? Die Beraterinnen und Berater der Hypo Vorarlberg stehen Ihnen für eine Beratung gerne zur Verfügung und erläutern Ihnen ausführlich die Chancen und Risiken.