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Nachholbedarf der Anleger bei realen Anlagen

Sparen statt investieren, so lautet noch immer das Credo vieler Österreicher, wenn es um die Geldanlage geht. Dabei ist mit zinstragenden Anlagen nominal kaum mehr etwas zu verdienen und real – also nach Abzug der Inflation – erst recht nicht. Immerhin: Das Thema Kaufkraftverlust durch steigende Preise wird wahrgenommen und reale Anlagen gewannen im vergangenen Jahr an Attraktivität. Allerdings wird die Sicherheit von Gold und Immobilien gegenüberAktien oft überschätzt. Hier erfahren Sie, warum reale Anlagen im aktuellen Niedrigzinsumfeld Nachholbedarf haben.

Reale Anlagen sind Trumpf


Angesichts aufgeblähter Geldmengen und der Gefahr steigender Inflation kann eine Investition in reale Anlagen erwogen werden. Hierfür spricht auch, dass es quasi angesichts der Mikro- und Negativzinsen, wie es auch das Akronym TINA („there is no alternative“) besagt, keine Alternative zu realen Anlagen gibt. Das sehen auch die Anleger so. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der LBBW, wonach reale Anlagen bereits im vergangenen Jahr an Attraktivität gewonnen haben. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Immobilien und Gold. Möglichst breit aufgestellt zu sein, lautet die gültige Devise. Das Interesse an realen Sachwerten scheint ein langfristiger Trend zu sein. Allerdings gibt es hier durchaus noch einen gewissen Nachholbedarf an Vermögensveranlagungen in realen Anlagen.

Fehleinschätzung, was die Sicherheit der realen Anlagen anbelangt

Verantwortlich für die insgesamt doch noch recht hohe Zurückhaltung, was Engagements in realen Sachwerten anbelangt, könnte möglicherweise die Fehleinschätzung bezüglich ihrer Sicherheit sein. So gelten vor allem Aktien als besonders riskant, weil sie kurzfristig größeren Schwankungen unterworfen sein können. Immobilien und Gold werden dagegen von vielen Anlegern als sichere Anlagen eingestuft. Eine empirische Untersuchungen anhand des Rendite-Risiko-Diagramms (linke Grafik Folgeseite) zeigt, das Gold weit höheren Schwankungen unterworfen ist als gemeinhin gedacht. Die Grafik bildet die historisch durschnittlichen Renditen verschiedener Anlageklassen über den Zeitraum von 1988 bis 2020 ab. Tatsächlich fällt das Risiko, das mit einer Gold-Anlage verbunden ist, nämlich nur unwesentlich geringer aus als dasjenige eines Aktieninvestments. Trotzdem liegt die Rendite einer Goldanlage langfristig weit niedriger als bei Aktien, denn Gold wirft im Unterschied zu Sparanlagen, Geldmarktpapieren oder Anleihen (Zinsen – in „normalen“ Zeiten dann auch wieder mit positivem Vorzeichen), Immobilien (Mieteinnahmen) oder Aktien (Dividenden) keinen laufenden Ertrag ab.

In Kürze

  • Auf dem Konto halten statt investieren, so lautet noch immer das Credo vieler Österreicher, wenn es um die Geldanlage geht.

  • Viele Leute schätzen die Sicherheit realer Wertanlagen falsch ein.

  • Mittel- bis langfristig sind Aktien attraktiv

Bei Aktien kommt es auf die Anlagedauer an


Bei Aktien hingegen steht das kurzfristig höhere Risiko in der längerfristigen Betrachtung als Chance. Schließlich ließ sich mit keiner Assetklasse mehr verdienen als mit Dividendenpapieren. Zwar wurde bspw. der deutsche Aktienindex DAX seit seinem Start im Jahr 1988 in unregelmäßigen Abständen von Krisen wie der Finanzoder der Corona-Krise in die Knie gezwungen, nachfolgend erholte sich der Markt jedoch immer wieder. Historisch gesehen werden größere Marktschwankungen also zum Problem, wenn man als Investor auf eine kurzfristige Liquidation der angelegten Beträge angewiesen ist. Je länger hingegen der Atem des Anlegers bei der Aktienanlage ist, umso eher kann er einen vergleichsweise sicheren, kalkulierbaren und in seiner Höhe sehr attraktiven Ertrag einfahren.


Mittel- bis langfristig können also Aktien attraktiv sein


Da die Aktienmärkte allerdings schon sehr gut gelaufen sind und die Kurse damit inzwischen jede Menge Positives reflektieren, besteht die Möglichkeit, dass die Anleger natürlich temporär auch immer wieder mal Gewinne mitnehmen. Der daraus resultierende Rücksetzer könnte dabei besonders akzentuiert ausfallen, wenn sich die in der Tendenz zuletzt wieder etwas steigenden Zinsen weiter nach oben bewegen, weil die Anleger das TINA-Argument hierdurch in Frage stellen könnten. Ähnlich wäre es, wenn die Investoren erwarten, dass die Überschussliquidität massiv schrumpfen und sich sogar ins Gegenteil umdrehen könnte.