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Zwischen Lockdown und Lockerungen

Karl-Heinz Strube, Leiter Asset Management bei der Hypo Vorarlberg, erklärt die Auswirkungen der Corona-Krise.

Zwischen Lockdown und Lockerungen 

Stichwort Covid-19-Krise: Haben wir das Schlimmste hinter uns?
Blickt man auf die globalen Infektionszahlen, kommt man zum Schluss: Wir stecken noch mittendrin. Es scheint aber, als habe sich die Welt an die Umstände rund um Covid-19 gewöhnt.  Der Weg zur Normalität ist immer noch weit, wir reden hier nicht von einem Kurzstreckenlauf, sondern eher von einem Marathon. Der akute Stillstand der Wirtschaft im Euroraum im zweiten Quartal ist ausgestanden. Den Aufschwung rund um den Globus werfen indes, wie es den Anschein hat, vielerorts neuerliche Infektionsherde und deren Bekämpfung zurück. Blickt man auf die kommenden Herbst- und Wintermonate, käme ein wirkungsvoller Impfstoff gegen Covid-19 gerade zur rechten Zeit!

Wie geht es mit der Wirtschaft weiter?

Mittlerweile blicken die Unternehmen wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft. So haben sich die Einkaufsmanagerindizes über den Globus nach Art eines „V“ schwungvoll und wie erwartet erholt. Üppige fiskalpolitische Spritzen tun ein Übriges. Regierungen jonglieren mit gigantischen Rettungspaketen, um die Unternehmen im Land, die Privathaushalte, Bundesländer und Kommunen zu unterstützen. Auf europäischer Ebene ist ein Finanzrahmen von EUR 1,8 Bio für die kommenden sieben Jahre verabschiedet worden, einschließlich eines Hilfspakets von EUR 750 Mrd für die am stärksten von der Pandemie gebeutelten Länder. 
Somit ist davon auszugehen, dass das Wirtschaftswachstum über die nächsten zwölf Monate wieder stark anziehen wird. 

Was passiert gerade an den Aktienbörsen?

Die großen globalen Aktienmärkte bewegen sich größtenteils wieder auf ihren Niveaus vor der Krise. Jedoch sticht der amerikanische Aktienmarkt besonders hervor. Als wäre nichts gewesen, eilen dort die Indizes von Allzeithoch zu Allzeithoch. Allen voran der Technologiesektor, der am stärksten abschloss. Dies liegt vor allem an den besonders hoch gewichteten großen Technologietiteln, die seit Ende 2019 teilweise noch beeindruckendere Rallyes hinlegten. Spätestens dann, wenn sich abzeichnet, dass der Durchbruch bei der Entwicklung eines flächendeckend einsetzbaren Impfstoffs gegen das Coronavirus geschafft ist, dürfte es zum Favoritenwechsel kommen. Die in der Tendenz noch zurückgebliebenen Zykliker (z.B. Industrieunternehmen oder Rohstofferzeuger) sollten dann wieder stärker gefragt sein.

Welche Rolle spielen die Zentralbanken?

Die führenden Notenbanken der Welt wollen solange monetär stützen, bis der Aufschwung „in trockenen Tüchern“ ist. Die US-Notenbank hat jüngst einmal mehr ihre Zusage bekräftigt, „alles zu tun, was nötig ist, und so lange es nötig ist“, um der Wirtschaft des Landes über die Folgen der Coronakrise hinwegzuhelfen. Die Marktteilnehmer sind gespalten darüber, wie weit die Währungshüter in diesem Zusammenhang gehen werden. Im Raum steht nicht weniger als eine explizite Adressierung auch der Langläuferrenditen. Damit würde die Geldpolitik die Hoheit über den Geldmarkt und den Rentenmarkt im US-Dollar-Raum reklamieren. Auch die EZB-Verantwortlichen heizen die Spekulation auf weiter niedrige Renditen an. Chefvolkswirt Philip Lane hat aktuell versichert, den „notwendigen geldpolitischen Stimulus zu liefern“, um den Aufschwung in Nach-Corona-Zeiten abzusichern, niedrige Leitzinssätze und anhaltende Anleihekäufe in beträchtlicher Größenordnung inklusive. Vor diesem Hintergrund sehen wir, zumindest auf eine mittlere Frist, nur minimales Potenzial für nennenswert höhere Renditeniveaus. 

Goldinvestments: Kommt der goldene Herbst?

Im Jahr 2020 ist Gold auf US-Dollar-Basis bereits um mehr als 25 % angestiegen und erreichte mit einem Stand von über USD 2.000 je Feinunze zwischenzeitlich sogar ein neues Allzeithoch. Getrieben wurde der Goldpreis zuletzt von den anhaltenden Corona-Ängsten, der gestiegenen Nachfrage nach Münzen und Barren und vor allem von den Käufen der physisch hinterlegten ETCs (Exchange Traded Commodities). Deren Goldbestände stiegen im laufenden Jahr bereits um ca. 28 % oder mehr als 700 Tonnen. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2019 nahmen die Gold-Bestände der ETCs lediglich um 360 Tonnen zu. Sofern die ETCs das Tempo ihrer Käufe aufrechterhalten können, dürfte sich der Höhenflug des Edelmetalls fortsetzen. Andernfalls ist mit Korrekturen zu rechnen.