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Hypo Börsenblick

27.09.2022
Deutschland wächst

Der ifo-Geschäftsklimaindex sackte im September von 88,6 auf 84,3 Punkte ab und enttäuschte die ohnehin schon niedrigen Erwartungen. Erneut gab die Erwartungskomponente des Index besonders stark nach und notiert inzwischen tiefer als zu den schlimmsten Zeiten der Finanzkrise. Man kann hier aus unserer Sicht ohne Übertreibung von Anzeichen von Panik sprechen, die nicht zuletzt auf die hohe Unsicherheit bzgl. der Preisentwicklung und sogar auf die Verfügbarkeit von Gas und Strom zurückzuführen sein dürfte. Dazu kommt nach Angabe des ifo-Instituts, dass die Lieferengpässe ungeachtet einer leichten Verbesserung in den letzten Monaten den Unternehmen weiter zusetzten. Der Lage-Index schrumpfte um volle drei Punkte auf 94,5. Der letzte Hoffnungsschimmer für einen glimpflichen Verlauf der Konjunktur durch den bevorstehenden Winter hindurch ist der Arbeitsmarkt. Nach Angaben des ifo-Instituts versuchen die Unternehmen, ihre Belegschaft durch die Krise hindurch soweit wie möglich zu halten. Die Finanzmärkte vernahmen die düstere Nachricht gelassen. Für sie spielt die Konjunktur für den Moment nur die zweite Geige. Inflation und Notenbankpolitik stehen im Vordergrund. Die Anleiherenditen kletterten weiter empor. Befeuert wurde dies durch eine schwache Auktion einer zweijährigen US-Staatsanleihe. In Großbritannien schürt die expansive Fiskalpolitik und das schwache Pfund Zinserhöhungssorgen.

EZB-Chefin Christine Lagarde erklärte bei ihrer Anhörung vor dem EU-Parlament, die Wirtschaftsaktivität werde sich in den nächsten Quartalen substanziell abschwächen. Zudem werde die Inflation für einen längeren Zeitraum über dem Inflationsziel der Währungshüter verharren. Sie stellte weitere Zinserhöhungen in Aussicht. Die Fiskalhilfen zur Abfederung der Energiekrise nannte Frau Lagarde als häufig zu breit gefasst und zu wenig maßgeschneidert. Sie betonte, die Maßnahmen müssten vorübergehend und zielgerichtet sein. Andernfalls sieht sie das Risiko, dass die Inflation hierdurch weiter angeheizt werde. In Deutschland verdichten sich unterdessen die Anzeichen dafür, dass die beschlossene und ab 1. Oktober geltende Gasumlage möglichst bald wieder einkassiert wird. Sie könnte durch einen Gaspreisdeckel ersetzt werden. Wenig mediale Aufmerksamkeit erhielt die gestern vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Schätzung der Einwohnerzahl Deutschlands zum 30.06.2022 von knapp 84,1 Millionen. Vor allem aufgrund des Zuzugs von Schutzsuchenden aus der Ukraine kletterte die Einwohnerzahl seit Jahresbeginn um knapp 850 Tsd. Menschen - der stärkste Anstieg innerhalb von zwei Quartalen seit der Wiedervereinigung. Dies bedeutet nicht zuletzt einen immensen Nachfrageschub für den Wohnungsmarkt, insbesondere in den unteren Segmenten. Die Neuvertragsmieten dürften weiter rasant steigen. Für den Euroraum wird heute das Geldmengenwachstum im August veröffentlicht. Aus den USA steht das Konsumentenvertrauen sowie die Neubauverkäufe und Hauspreisdaten auf der Agenda. Letztere waren lange recht robust, zeigten zuletzt aber Schwächetendenzen.

26.09.2022
Italien rückt nach rechts

Bis zu Wochenschluss war der Zinskurs der Notenbanken das beherrschende Thema an den Börsen. Aktienmärkte gingen weltweit auf Tauchstation, nachdem die großen westlichen Notenbanken unter der Führung der Fed im Kampf gegen die Inflation die geldpolitischen Zügel weiter gestrafft hatten. Am Mittwoch ließ Fed-Chef Powell keinen Zweifel daran, dass die Inflationsbekämpfung oberste Priorität hat: "I wish there were a painless way to do that. There isn´t", so Powell. Auch an den Rentenmärkten setzte sich der Ausverkauf fort: Die Renditen für 10-jährige-Treasuries stiegen am Freitag in der Spitze auf über 3,8 % an. Und zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitag zum ersten Mal seit über zehn Jahren wieder oberhalb von 2 %.

Nach nur wenigen Wochen im Amt schickt sich die neue britische Premierministerin Liz Truss an, Spuren in den Geschichtsbüchern zu hinterlassen. Vermutlich wird man bald vom "Trusslizm" sprechen, wenn man die Wirtschafts- und Finanzpolitik ihrer Ägide benennt. Am Freitag kündigte ihr Schatzkanzler Kwasi Kwarteng die größten Steuersenkungen seit den 70er Jahren an, die umgerechnet rund 50 Mrd. Euro schwer sein sollen. Die Anleger fällten ein harsches Urteil. Ihre Bedenken über die Höhe der Ausweitung der Staatsverschuldung ließen die Renditen für 10-jährige britische Staatsanleihen auf 3,8 % ansteigen, ein Tagesplus von 30 Basispunkten. Und das britische Pfund fiel unter die Marke von 1,09 USD, den niedrigsten Stand seit 1985. Es kam wie erwartet: Die laut Umfragen hoch favorisierte Allianz der drei Mitte/Rechts-Parteien Fratelli d'Italia (FdI), Lega und Forza Italia vereinte Hochrechnungen zufolge bis zu 47 % der Stimmen. Dies bedeutet dem italienischen Wahlrecht zufolge die absolute Mehrheit. Stärkste Partei sind die "Brüder Italiens" unter der Führung von Giorgia Meloni, der designierten künftigen Regierungschefin. Im Vorfeld der Wahl war sie bemüht, sanftere Töne gegenüber der EU anzuschlagen, was die Risikoprämien italienischer Staatsanleihen stabil hielt. Nun besteht jedoch das Risiko einer spürbaren Ausweitung, falls sich herausstellen sollte, dass Frau Meloni nun gewissermaßen ihr wahres Gesicht zeigen wird, nachdem sie im Vorfeld der Wahl aus taktischem Kalkül auch gemäßigte Wähler für sich gewinnen wollte. Das politische Italien bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Heute um 16:00 Uhr dürfte EZB-Chefin Lagarde im Rahmen ihres Rechenschaftsberichts vor dem EU-Parlament vermutlich ihre Entschlossenheit zur Inflationsbekämpfung bekräftigen, auch um den Preis einer Rezession. Dass jene hierzulande bereits vor der Tür steht, dürfte das um 10:00 Uhr avisierte ifo-Geschäftsklima für den September zeigen.

23.09.2022
Europa fürchtet den Rechtsruck in Rom

Am kommenden Sonntag stehen in Italien, der drittgrößten Wirtschaftsmacht in der Europäischen Union, erneut Parlamentswahlen an, nachdem Mario Draghi als Premier vor zwei Monaten zurückgetreten ist. Nach jüngsten Umfragen deutet sich ein Sieg der Mitte-Rechts-Koalition unter Führung von Giorgia Meloni und ihrer rechtsgerichteten Partei Fratelli d'Italia an. Die Koalition setzt sich des Weiteren aus der ebenfalls rechtsgerichteten Lega von Matteo Salvini und der Mitte-Rechts-Partei Forza Italia von Silvio Berlusconi zusammen. Auf der Agenda der Wahlkampfthemen sind neben der Änderung der Verfassung - womit die Direktwahl des Präsidenten ermöglicht werden soll - auch die Senkung der Steuerlast und die Eindämmung der Inflation weitere wichtige Themenpunkte. Eine Konfrontation einer rechtsgerichteten Regierung mit der Europäischen Union, wie in den Jahren 2011 und 2018, scheint in naher Zukunft aber unwahrscheinlich, denn die Parteien planen den Konjunktur- und Abwicklungsfonds (RRF) sowie den NextGenerationEU-Fonds voll auszuschöpfen. Die strukturellen Schwächen Italiens und die hohe Staatsverschuldung halten Italien im Fokus der Anleger. Aktuell rentieren 10-jährige italienische Staatsanleihen gut 2,3 Prozentpunkte über dem deutschen Pendant bei 4,16%.
 

Die Erdgas- und Strompreise legten im Wochenverlauf aus Verbrauchersicht leicht zu. Der Ein-Monats-Kontrakt für Erdgas an der niederländischen Börse (TTF) stieg von 174 Euro/MWh am Montagfrüh auf 187,50 Euro/MWh. Der an der Energiebörse EEX gehandelte Kontrakt zur Lieferung von Strom in Deutschland mit Fälligkeit im Januar rückte im gleichen Zeitraum von 475 Euro/MWh auf 515 Euro/MWh vor, während der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent von 91,19 USD auf 88,87 USD sank. Trotz trüber Konjunkturperspektiven, sprechen nach Einschätzung der LBBW einige Faktoren dafür, dass es mit den Preisen am Ölmarkt nicht allzu schnell nach unten geht. So könnte der russische Output im Zuge des EU-Embargos um rund 2 mbpd sinken. Daneben hinkt die OPEC den geplanten Outputsteigerungen um rund 1,2 mbpd hinterher. Zudem signalisiert die Backwardation am Ölmarkt weiterhin eine physische Knappheit. Die US-Produktion bleibt weiter hinter den Erwartungen zurück. Im laufenden Jahr stieg der US-Output bislang nur um magere 0,3 mbpd. Und auch bei den Atom-Gesprächen mit dem Iran zeichnet sich keine Einigung ab, so dass mit einem Comeback von iranischem Öl zunächst weiter nicht gerechnet werden kann. Auf dem makroökonomischen Kalenderblatt stehen heute rund um den Globus die Einkaufsmanagerdaten für den Monat September auf der Agenda. Für den deutschen Wirtschaftsraum werden diese um 9:30 Uhr, für die Eurozone um 10:00 Uhr publiziert. Für das Vereinigte Königreich folgen die Daten um 10:30 Uhr. Sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor erwarten wir einen stärkeren Rückgang der Aktivität als im Vormonat. Rückläufige Unternehmensgewinne könnten in den kommenden Wochen die Folge sein. Für die USA erwarten wir die S&P-Einkaufsmanagerdaten um 15:45 Uhr. Während das Verarbeitende Gewerbe weiter leicht expandiert sein sollte, wird beim Dienstleistungssektor ein ausgeprägter Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten erwartet. 

22.09.2022
Eskalation im Russland-/Ukraine-Krieg, Märkte reagieren gelassen

Durch die jüngste Ankündigung einer Teilmobilmachung hat der russische Präsident Putin eine neue Eskalationsstufe im Russland-/Ukraine-Krieg eingeläutet. Die Mobilmachung und eine erneute Drohung mit atomaren Waffen dürften Russland in der aktuellen schwierigen Situation an den aktuellen Frontlinien jedoch zumindest auf kurze Sicht wenig weiterhelfen. Das Momentum am Frontverlauf liegt klar auf ukrainischer Seite. Die Kapitalmärkte reagierten gestern Vormittag vergleichsweise gelassen auf die neuen Entwicklungen im Russland-/Ukraine-Krieg. Die Aktienmärkte legten im Vorfeld der Fed-Sitzung sogar leicht zu. 
 

Die US-Notenbank hat gestern Abend wie erwartet beschlossen, das Zielband für den Tagesgeldsatz um 75 Basispunkte auf 3,00% - 3,25% anzuheben. Es ist die insgesamt fünfte Leitzinsanhebung in Folge und der dritte "Jumbo"-Schritt seit Juni. Per Jahresende 2022 avisiert die Notenbank ein Leitzinsniveau von 4,4%, per Ende 2023 könnte der Leitzins laut "Dot Plot" bei 4,6% seinen Gipfel erreichen. Auf dieser Basis avisiert der neue geldpolitische Ausblick der Fed ein weiteres substanzielles Vordringen der Leitzinsen in den restriktiven Bereich - die Fed-Schätzung für den neutralen Leitzins liegt unverändert bei 2,5%. Die US-Notenbank hat damit eindrucksvoll ihre Rolle als Vorreiterin unter den großen Notenbanken im Kampf gegen die hohe Inflation untermauert. Die jüngst veröffentlichten US-Inflationsdaten, insbesondere die unerwartet hohe Kernrate, ließen ihr kaum eine andere Wahl. Die Aussichten für ein schnelles Abebben des Inflationsdrucks sind nicht gut. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war der gestrige Schritt daher nicht das letzte Wort, was durch die neuen Leitzinsprojektionen untermauert wird. Implizit signalisieren die neuen Projektionen zwar, dass die Zinsschritte gegen Jahresende etwas kleiner werden könnten. Zudem könnte recht bald im kommenden Jahr ein Plateau ausgebildet werden. Aber beides ist nicht in Stein gemeißelt, weil die Neigung in den vergangenen Monaten stets zu Überraschungen auf der Oberseite ging. Sowohl der US-Rentenmarkt als auch der US-Aktienmarkt reagierten angesichts der ausgeprägt "hawkishen" Leitzinsprojektionen mit Verlusten. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen schnellte kurzzeitig auf ein Elfjahreshoch von 3,62% empor, im Saldo bewegte sie sich aktuell zum Vortag leicht niedriger bei 3,53%. Der Kurs des Euro sackte zum US-Dollar auf ein 20-Jahrestief von 0,9815 ab. Nachdem die US-Notenbank gestern aktiv wurde, erwartet die LBBW für heute eine Zinserhöhung um 50 Bp. der schweizerischen und eine um 75 Bp. der britischen Notenbank. Die Aktienmärkte werden wohl weitere Verluste hinnehmen müssen. Die Aktienfutures auf beiden Seiten des Atlantiks liegen aktuell deutlich im negativen Bereich.

21.09.2022
Und wieder: All eyes on Fed

Es ist dieser Tage äußerst risikoreich, auf den Inflations-Peak und damit auf den Zinspfad der Notenbanken zu wetten. Zwar gibt es Entlastung auf der Energieseite, aber die Zweitrundeneffekte bei Dienstleistungen und Nahrungsmitteln beginnen gerade erst zu wirken. Entsprechend erwarten die Marktteilnehmer einen weiteren großen Zinsschritt um mindestens 0,75 Basispunkte auf 3,25%. Auch in der Kommunikation dürften sich die US-Notenbanker entschlossen zeigen, die Inflation mit aller Vehemenz einzudämmen. Die Anleger setzen genau auf diese Fähigkeit, was sich anhand zunehmender Inversion der US-Zinskurve zeigt. Kurzläufer werden schneller abverkauft als Langläufer. Die Rendite für zweijährige US-Bonds stieg in der Spitze auf ein 15-Jahreshoch von 3,992%, während die Verzinsung für zehnjährige Staatstitel sogar etwas nachgab auf 3,551%. Die dahinterstehende Furcht vor einer Rezession der US-Wirtschaft schickte Öl der Sorte WTI zwischenzeitlich um 2% auf Talfahrt. Investoren am Aktienmarkt gingen ebenfalls in Deckung. Nasdaq und S&P 500 verloren jeweils gut 1%. Um 20.00 Uhr unserer Zeit wird der Entscheid des Federal Open Market Committee erwartet. Im Vorfeld der Fed-Sitzung werden um 16.00 Uhr die Daten zu den bestehenden Hausverkäufen für den Monat August bekannt gegeben. Diese könnten im August zum siebten Monat in Folge gefallen sein. Die Analysten der LBBW erwarten 4,70 Mio. nach 4,81 Mio. Einheiten im Juli. 

Der deutsche Bundeskanzler Scholz attackierte gestern vor der UN-Vollversammlung die russische Regierung scharf für den Angriffskrieg und stellte die fortwährende Unterstützung Deutschlands für die Ukraine klar. Derweil sollen die von Russland besetzten Gebiete in der Ostukraine in den kommenden Tagen Referenden über den Anschluss an die russische Föderation abhalten. Damit könnte Moskau die bisher scheinbar erfolgreich verlaufende Gegenoffensive der Ukraine als Angriff auf russisches Staatsgebiet werten. Allerdings dürfte der Kreml angesichts der offensichtlichen operativen Defizite seiner Armee sowie hoher Verluste an Mensch und Material ohnehin zu einer Entscheidung gezwungen sein. Eine Teilmobilmachung wurde heute in einer Rede von Präsident Putin zur Lage in der Ukraine verkündet.

20.09.2022
Auch die Deutsche Bundesbank rechnet mit Rezession

Laut dem gestern veröffentlichten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland im laufenden Quartal etwas zurückgehen und in den folgenden Quartalen (Q4/2022 und Q1/2023) sogar deutlich schrumpfen. Als Grund dafür wird vor allem die äußerst angespannte Lage bei der Energieversorgung aufgrund des russischen Krieges gegen die Ukraine angeführt: "Die hohe Inflation und die Unsicherheit in Bezug auf die Energieversorgung und ihre Kosten beeinträchtigen dabei nicht nur die gas- und stromintensive Industrie sowie deren Exportgeschäfte und Investitionen, sondern auch den privaten Konsum und die davon abhängigen Dienstleister." Damit schwenkt nun auch die Bundesbank in Richtung Rezession, was die LBBW in ihren Prognosen bereits seit geraumer Zeit als Hauptszenario berücksichtigt haben. Bei der Inflation rechnet die Bundesbank mit einem Anstieg in den kommenden Monaten auf über 10%.

Der durch die hohe Inflation getriebene Anstieg der Bund-Renditen auf neue Jahreshochs (für 2 Jahre auf 1,48% und für 10 Jahre auf 1,79%) hat auch die Renditen von Corporate Bonds in die Höhe geschraubt. Im Investmentgrade-Index für EUR-Unternehmensanleihen überschritt die Rendite die Marke von 3,5% und stieg damit auf ein neues Jahreshoch. Auf diesem Niveau hatten sich die Investmentgrade-Renditen zuletzt im Jahr 2011 bewegt. Trotz der deutlich gestiegenen Refinanzierungskosten kehrten die Unternehmen nach der Sommerpause wieder mit großem Elan an den Primärmarkt für Corporate Bonds zurück. In der vergangenen Woche begaben sie ein Volumen von rund 14 Mrd. Euro an neuen EUR-Anleihen. Dies war das vierthöchste Wochenvolumen in diesem Jahr. Die Investoren griffen auf dem erhöhten Rendite-Niveau bereitwillig zu und zeichneten bei den Neuemissionen im Schnitt mehr als das Vierfache des später platzierten Volumens. Der heutige Datenkalender begann bereits um 8 Uhr mit der Veröffentlichung des Erzeugerpreisindex für Deutschland. Nach dem Sprung vom Juli um 5,3% gegenüber dem Vormonat fiel der Anstieg für den August sogar noch größer aus und lag mit +7,9% auch deutlich über den Erwartungen (Bloomberg Konsens-Schätzung lag bei +2,4%). Am Nachmittag folgen aus den USA die August-Zahlen zu den Baugenehmigungen sowie den Neubaubeginnen.
 

19.09.2022
Sorge vor zu harschen Notenbanken

Die von den US-August-Inflationsdaten am vergangenen Dienstag ausgelöste Verunsicherung wirkte an den Aktienmärkten auch zum Wochenschluss am Freitag weiter nach. Auf den ersten Blick scheint dies irritierend, schließlich war die Headline-Inflation doch bereits zum zweiten Mal in Folge gesunken, was per se eigentlich eine gute Nachricht ist. Parallel hierzu stieg jedoch die Kerninflation. Aus Sicht der Anleger bedeutet dies, dass die Teuerung nun nicht mehr primär nur auf die bisherigen Hauptfeinde, nämlich die Entwicklung der Energiepreise sowie der Kosten für Nahrungsmittel, zurückzuführen ist. Vielmehr wurde hiervon inzwischen die ganze Palette an Preisen oder Kosten erfasst: So steigen die Lohnkosten genauso wie die Preise für Industrieprodukte oder Dienstleistungen. Und weil manche dieser Entwicklungen erst mit gewisser zeitlicher Verzögerung in Gang kamen, bedeutet dies, dass sich das Inflationsgespenst wohl nicht so schnell wieder verscheuchen lässt. Damit scheint es erstens klar, dass die US-Notenbank auf ihrer Sitzung übermorgen zu einem weiteren markanten Leitzinserhöhungsschritt - vermutlich der dritte um gleich 75 Bp. in direkter Folge - gezwungen ist. Zudem ist zu befürchten, dass es länger als von den Anlegern bislang erhofft dauern könnte, bis die Inflation soweit abgeflaut ist, dass die Währungshüter auch mal wieder über eine geldpolitische Lockerung nachdenken können.
 

Schließlich erklärten Fed und EZB auf dem Notenbankforum in Jackson Hole vor wenigen Wochen unisono, dass es aktuell notwendig sei, den Kampf gegen die Inflation über den Schutz der Konjunktur zu stellen. Seither befürchten die Anleger, dass die Notenbanker mit ihren Leitzinsanhebungen den berühmten Schritt zu weit gehen könnten, und hierdurch eine Rezession wahrscheinlicher werden lassen. Die im Rahmen eines Interviews am Freitag veröffentlichte Aussage von EZB-Vize Luis de Guindos schürte diese Befürchtung erneut: Gemäß ihm werde die Abkühlung der Konjunktur nämlich alleine nicht dazu ausreichen, die Inflation wieder auf das gewünschte Niveau zurückzubringen. Parallel hierzu seien zusätzliche weitere Leitzinserhöhungsschritte der Notenbanken nötig. Sinkende Preise an den Tankstellen scheinen dafür zu genügen, dass die US-Verbraucher trotz der immanenten Konjunkturrisiken nach wie vor nicht allzu schlecht gestimmt sind. Das von der Uni Michigan erhobene Konsumentenvertrauen legte jedenfalls leicht von 58,2 auf 59,5 Punkte zu. Der für heute Nachmittag terminierte NAHB-Index macht den Auftakt für eine ganze Reihe an Daten zur Verfassung des US-Immobilienmarktes. So stehen morgen die Zahlen zu den Baugenehmigungen sowie den Neubaubeginnen im August auf der Agenda. Und am Mittwoch werden die Verkaufszahlen zu bereits bestehenden Häusern berichtet. Keine Impulse kommen heute indes aus Großbritannien: Wegen der Beisetzung von Queen Elizabeth II ruht dort das Leben.
 

16.09.2022
Gegengewicht zum Westen formiert sich

It’s alive! Gestern erfolgte mit einem umfassenden Software-Update der lang erwartete Umstieg („The Merge“) der populären Blockchain Ethereum von dem sehr energieintensiven Proof-of-Work-Konsensmechanismus (PoW) auf einen sehr energiesparsamen Mechanismus (Proof-of-Stake, PoS). Ethereum hat damit eine Zeitenwende eingeläutet. Die Verbesserungen sollen den Entwicklern zufolge Transaktionen beschleunigen und den Energiebedarf hierfür drastisch reduzieren. Demnach verbraucht Ethereum nicht mehr so viel Strom im Jahr wie ein kleines Land, sondern nur noch wie eine Kleinstadt. Dadurch könnte Ethereum an Akzeptanz gewinnen und bei der Marktkapitalisierung den bisherigen Primus Bitcoin übertreffen. Bitcoin ist derzeit die einzig verbleibende relevante Blockchain, die noch den strom- und ressourcenintensiven PoW-Mechanismus verwendet. Merkliche Kursbewegungen bei den Cyber-Devisen BTC und ETH gab es infolge von „The Merge“ anfänglich nicht. Der ausbleibende Rückenwind dürfte Krypto-Fans allerdings verschreckt haben, wodurch sich ETH sowohl gestern als auch heute verbilligte – aktuell bis auf 1.475 USD je Ether.

Heute Nacht wurden bereits die Zahlen zur Industrieproduktion sowie zu den Einzelhandelsumsätzen in China gemeldet. Trotz der chinesischen Corona-Einschränkungen und einer nachlassenden Wachstumsdynamik stiegen im August beide Indikatoren überraschend mit jeweils 4,2% bzw. 5,4% gegenüber dem Vorjahresmonat (erwartet wurden lediglich 3,8% und 3,5%). Aus dem Vereinigten Königreich werden heute ebenfalls Einzelhandelsumsätze veröffentlicht. Angesichts der hohen Inflation von zuletzt 9,9% im August dürften die Briten ihren Konsum aufgrund der stark gestiegenen Lebenshaltungskosten erheblich reduziert haben. Auch wenn es in den kommenden Monaten staatliche Impulse geben soll, dürften die Einzelhandelsumsätze im August um 4,2% eingebrochen sein. Heute Nachmittag steht das Verbrauchervertrauen der University of Michigan für September im Fokus. Seit dem historischen Stimmungstief im Juni (50 Punkte) hat sich das Verbrauchervertrauen peu à peu aufgerafft. Jedoch dürfte das Vertrauen in Hinblick auf den Cocktail aus hoher Inflation und abkühlender Konjunktur weiterhin stark angeschlagen bleiben und für September 60 Punkte erreichen.

15.09.2022
US-Inflationsdaten wirken nach

Die Inflationsangst greift um sich und treibt die Renditen kurzlaufender Anleihen in die Höhe. Anleger bereiten sich auf eine Straffung der Geldpolitik vor. Um die Signifikanz zu verdeutlichen: 2-jährige Bundesanleihen rentieren auf einem Stand, den wir zuletzt im Juli 2011 gesehen haben und vergleichbare US-Anleihen auf einem Niveau welches zuletzt 2007 erreicht wurde. Die Angst vor langanhaltenden hohen Zinsen drückt auch auf das Stimmungsbild an den Aktienmärkten. Der DAX kam nicht wirklich von der Stelle und ging bei etwa 13.000 Punkten aus dem Handel. Ein Hoffnungsschimmer gab es dann doch noch. Die Produzentenpreise in den USA nicht weiter gestiegen, was vorerst als kleines Entspannungssignal interpretiert werden kann.

Die Industrieproduktion in Europa schwächelt merklich. Anders als von Analysten erwartet ist die Industrieproduktion im Vergleich zum Vormonat um 2,3% zurückgegangen. Besonders stark betroffen ist die Produktion von Investitionsgütern. Bei genauerer Betrachtung der Euro-Länder fallen insbesondere Irland (-18,9%), Estland (-7,4%) und Österreich (-3,2%) sehr negativ auf. Nur wenigen Ländern gelangen Zuwächse. Darunter gehören Litauen, Malta und Belgien.  

14.09.2022
Hohe US-Kerninflation trübt Marktstimmung

Gestern ist das Worst-Case-Szenario im Hinblick auf die US-Inflation eingetreten. Anders als erwartet ist der Kernrate der US-Inflation erneut gestiegen. Grund dafür sind vor allem Preisanstiege im Dienstleistungssektor. Hier werden höhere Herstellungskosten sehr zielstrebig von Unternehmen an den Endverbraucher weitergegeben. Der breit gefasste US-Konsumentenpreisindex ist zumindest leicht von 8,5% auf 8,3% für August 2022 zurückgegangen. Dennoch bleibt der Druck auf die US-Notenbank hoch, denn die US-Kernrate sollte bestenfalls nicht weiter ansteigen. Für die US-Notenbanksitzung am 21. September 2022 erwarten wir eine Erhöhung der US-Leitzinsen um 75 Basispunkte auf ein Zielband von 3,0% bis 3,25%. Für die US-Konjunktur sieht die Lage nach jüngsten Gehaltserhöhungen etwas positiver aus. Zwar ist das Konsumverhalten nicht mehr so dynamisch, aber die steigenden Löhne bei den US-Amerikanern gleicht die hohe Inflation in Teilen aus.  

 

 

 

 

In Europa hingegen gibt es wenig positive Zeichen. Zwar zeichnet sich eine Veränderung der Kriegssituation in der Ukraine ab, aber volkswirtschaftlich betrachtet spiegelt der ZEW-Konjunkturindikator ein eher pessimistischeres Bild wider. Im September ist der Wert auf -61,9 Punkte abgesackt, was insbesondere auf eine schlechtere Lagebeurteilung zurückzuführen ist. Die Lagebeurteilung ist mittlerweile so schlecht wie im Januar 2009, also zu Zeiten der Finanzkrise. Entsprechend dürften der Herbst und Winter hier in Europa eine Herausforderung für Unternehmen und Investoren werden. 

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Disclaimer: Hierbei handelt es lediglich um allgemeine Marktinformationen. Diese wurden von der Hypo Vorarlberg erstellt und beruhen auf allgemein zugänglichen öffentlichen Informationen, welche die Hypo Vorarlberg als zuverlässig erachtet. Die in dieser Publikation enthaltenen Empfehlungen sind nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt worden und unterliegen auch nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

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