Börsen & Märkte

Hypo Börsenblick

15.10.2021
Quartalsbilanzen bringen Kauflaune zurück

Die Bilanzsaison schreitet voran: Mit den gestern veröffentlichten Quartalszahlen großer US-Finanzhäuser zeigen Bank of America, Wells Fargo, Citigroup und Morgan Stanley solide Ergebnisse, über die sich die Anleger freuen können. Die Indizes diesseits und jenseits des Atlantiks beendeten den Handel gestern im Plus. Das macht Stimmung und ermuntert die Anleger heute Morgen dazu, sich an asiatischen Aktienmärkten zu beteiligen. Der Rückgang der Benzin-Lagervorräte in den USA schob indes den Ölpreis wieder an. Das Fass Öl der Marke Brent stieg um rund 1 % auf 84 USD. Von der Internationalen Energieagentur (IEA) kam gleichzeitig die Warnung zu einer möglichen globalen Energiekriese, die die Inflation noch weiter anheizen könnte. Kohle und Gas erleben derzeit ebenfalls Rekordpreise, die dazu führen könnten, dass energieintensive Industrien auf Öl umschwenken. So zeigte sich gerade bei den US-Produzentenpreisen vorgelagerter Stufen der Aufwärtsdruck der Preise, da diese ggü. dem Vorjahresmonat um 8,6 % anstiegen und damit erneut ein Hoch markierten.

Makroseitig bleiben wir in den USA, wo uns heute die Daten zu den US-Importpreisen erwarten. Heute Mittag wird der Empire Manufacturing Index für den Monat Oktober veröffentlicht. Erwartet wird der Konsens bei 27 Zähler. Damit fiele das Barometer um satte um 7.3 Punkte. Hinzu kommen die US-Einzelhandelsumsätze im September, die womöglich aufgrund der hohen Inflationsraten in Mitleidenschaft gezogen wurden und laut Konsensprognose um 0,2% ggü. dem Vormonat fallen könnten. Abschließend könnte der von der University of Michigan erhobene Index des Konsumentenvertrauens für Oktober leicht gestiegen sein, jedoch notiert er mit prognostizierten 73 Punkten weiterhin auf einem niedrigen Niveau.

14.10.2021
Druck auf die Notenbanken steigt

Die Wirtschaftsleistung unseres ex-EU Mitglieds Großbritannien legte im Bereich des Verarbeitenden Gewerbes im August 2021 zu. Zuletzt sank dort der Output um 0,6 % ggü. dem Vormonat. Gesamtwirtschaftlich betrachtet legte die Leistung im August um 0,4 % (M/M) zu. Unterm Strich wird damit absehbar, dass die britische Wirtschaft in Q3 an Dynamik verloren hat. Dennoch ist der Aufwärtstrend des Königreichs in Takt. So sieht sich die LBBW in ihrer Prognose bestätigt und sieht das Wachstum des Landes bei 6,4 % (auf Gesamtjahresbasis 2021). Damit läge Großbritannien unter den Spitzenreitern unter den Industriestaaten. Erstaunlich ist dabei umso mehr, dass trotz leerer Regale in britischen Supermärkten (abgesehen von leeren Tankstellen) sich keine bislang nicht erkennen lässt, dass die britische Wirtschaft durch die globale Lieferkettenproblematik stärker in Mitleidenschaft gezogen wurde. Zum Vergleich: In Deutschland ist die Industrieproduktion im August um 4,7 % gegenüber dem Vormonat eingebrochen. Vor diesem Hintergrund gehen die Teilnehmer am Geldmarkt mittlerweile davon aus, dass die Bank of England (BoE) bereits Ende Dezember dieses Jahres die Leitzinswende einläuten wird!

Wenden wir den Blick nun über den Atlantik. In den Vereinigten Staaten stieg die Veränderungsrate des Konsumentenpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat leicht an, und zwar von 5,3 % im August auf 5,4 % im September. Die Aufholbewegung der Preise nach dem Ende der Corona-Restriktionen läuft bei einigen Ausgabenkategorien zwar, wie allgemein erwartet, aus, so sind z. B. die Gebrauchtwagenpreise den zweiten Monat in Folge gesunken. Dem steht nun aber entgegen, dass die gestiegenen Börsennotierungen für Energieprodukte auf die Endverbraucherebene durchschlagen. Angesichts der auch im Oktober weiter anziehenden Notierungen für Energie könnte sich die Vorhersage mancher Ökonomen, dass der Höhepunkt der US-Inflation schon hinter uns liegt, als voreilig herausstellen. Demzufolge wird die Federal Reserve, nach Ansicht der LBBW, auf ihrer November-Sitzung beschließen, das Volumen ihres Anleihe-Ankaufsprogramms in Höhe von derzeit 120 Mrd. US-Dollar pro Monat zu verringern.

12.10.2021
Stagflationsängste am Aktienmarkt

Im Rahmen ihres immer harscheren Eingriffs in die heimische Wirtschaft erschwerte die chinesische Politik den Unternehmen des Immobiliensektors u.a. die Möglichkeit zur Refinanzierung. Weil jene oftmals jahrelang „auf Pump“ lebten gingen bei ihnen daher zuletzt bereits reihenweise „die Lichter aus“. Da es sich hierbei jedoch zumeist um kleinere Firmen handelte, wurde dies international zunächst kaum registriert. Erst das Drama um den wankenden Immobilienriesen Evergrande lenkte den Fokus der Weltöffentlichkeit auf die Verfassung jenes Sektors. Dabei wurde schnell offenkundig, dass Evergrande lediglich die Spitze des Eisbergs darstellte. Schließlich kamen zuletzt im Wochenrhythmus immer neue Pleitekandidaten hinzu. Zu Wochenbeginn galt die Sorge der Anleger dabei vor allem den Immobilien-Entwicklern Fantasia Holdings und Modern Land. Während der Handel mit Fantasia-Anleihen in Shanghai nach einer Bonitätsherabstufung gestern eingeschränkt wurde, bat Modern Land seine Gläubiger um einen dreimonatigen Aufschub zur Rückzahlung einer Dollar-Anleihe. Da Chinas Immobiliensektor für rund ein Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung im Reich der Mitte steht, fürchten sich die Anleger inzwischen vor einem möglicherweise nicht mehr zu beherrschenden Dominoeffekt. Schließlich sind von den gut 300 Milliarden US-Dollar Schulden, welche alleine Evergrande anhäufte, in Kürze rund die Hälfte fällig.

Im Vorfeld der US-Berichtssaison zum 3. Quartal 2021 sind die Anleger nervös. Im Laufe dieser Woche stehen zunächst die großen Bankhäuser Amerikas im Fokus. Ab kommender Woche berichten dann mehr und mehr auch die Unternehmen des produzierenden Gewerbes. In der letzten Oktoberwoche findet der Zahlenreigen dabei bereits seinen Höhepunkt. Die Sorge der Anleger gilt neben den bereits seit einigen Monaten andauernden Versorgungsengpässen mit Vorprodukten und Teilen – insbesondere aus China – und den zuletzt immer weiter steigenden Lohnkosten, vor allem den explodierenden Energiepreisen. So verteuerte sich Rohöl um 92% YoY und die Preise von Kohle bzw. Gas explodierten sogar um 319% bzw. 505% YoY. Schließlich würde eine anhaltende Energiekrise die Konjunktur abbremsen und die ohnehin schon sehr hohe Inflation weiter befeuern. Aktienanleger gingen daher rund um den Globus weiter in Deckung.

11.10.2021
Uneinheitliche Signale vom US-Arbeitsmarkt

Der am Freitag erwartete US-Arbeitsmarktbericht für den Monat September gibt ein inkonsistentes Bild, will man ihn als Indikator für eine klare Konjunkturrichtung verwenden. Erwartet wurde von den Ökonomen im Median ein Anstieg der Beschäftigungszahlen von 500.000. Tatsächlich neu geschaffen wurden allerdings nur 194.000. Dennoch verzeichnet die Arbeitslosenquote einen deutlichen Rückgang von 0,4 % von September auf August. Die Stundenlöhne stiegen gleichzeitig um 0,6 % in der gleichen Zeit. US-Notenbankchef, Jerome Paul, könnte diesen Rückgang der Arbeitslosenquote dennoch als das Zeichen der Zeit sehen, um mit dem Tapering noch im November zu beginnen.

Eine revidierte Meinung gibt Georges Soros, der ungarische Hedgefondmanager, hinsichtlich Kryptowährungen ab. Noch im Januar 2018 bezeichnete er Bitcoin als eine klassische Blasenerscheinung. Nun möchte er sich mit einer Investition in Bitcoin im Bereich eben dieser Währung positionieren. Neben Bitcoin plant er weitere Investitionen in Blockchainbasierte Unternehmen. Auch JP Morgan bezeichnet Bitcoin als das neue Gold und sieht die Währung bald wieder in neuen Höhen. Der Preis für einen Bitcoin schnellte nach oben und wurde am vergangenen Freitag im Tageshoch mit 56.143 US-Dollar gehandelt. Dies entspricht in den ersten Oktobertagen einer Wertsteigerung von 29 %. Aus Sicht der Saisonalität sprechen die Monate Oktober und November für eine Fortsetzung dieses Preistrends. Aktuell notiert Bitcoin bei 56.518 US-Dollar.

08.10.2021
Achterbahnfahrt geht weiter

Nach der verbalen Intervention durch Russlands Präsident Putin am Mittwoch suchen die Gas- und Strommärkte nach Orientierung. Putins Aussage, Russland werde seine Gaslieferungen nach Europa erhöhen und sei bereit, zur Stabilisierung der globalen Gasmärkte beizutragen, beendete einen vorangegangenen massiven Preisanstieg – zumindest vorerst. Notierte der aktuelle Gas-Future an der Amsterdamer Börse Ende vergangener Woche noch bei 92, beendete er bereits am Dienstag mit einem Kurs von 118 den Handelstag und erreichte im Verlauf des Mittwochs ein Niveau von 160. Die Aussagen des russischen Präsidenten verfehlten ihre Wirkung auf diese explosionsartige Entwicklung nicht. Der Future ging am Mittwoch mit einem Kurs von 105 aus dem Handel und beendete den gestrigen Tag bei 101 – freilich unter weiterhin kräftigen Schwankungen. Von einer wirklichen Beruhigung kann daher noch nicht die Rede sein, zumal die Preisnotierungen weiterhin alles andere als entspannt sind: Im Jahr 2019 lagen die Futures-Preise im Durchschnitt bei etwa 15 und 2020 bei etwa 10. Die Finanzmärkte hat es trotzdem gefreut. Der Euro Stoxx 50 beendete den Handelstag mit einem Plus von 2,1%. Allerdings bekamen die Aktienmärkte gestern auch noch Rückenwind durch die Übereinkunft der US-Senatoren, die Schuldenobergrenze bis Anfang Dezember zu erhöhen.

Inoffiziellen Meldungen zufolge erwägt die Europäische Zentralbank, nach Ende des Pandemie-Notfallkaufprogramms PEPP im März 2022 ein neues Anleiheankaufinstrument aufzusetzen, bei dem Ankäufe selektiv, d.h. nicht mehr im Verhältnis des jeweiligen Kapitalschlüssels der Länder vorgenommen werden könnten. Die Währungshüter könnten somit auf Renditebewegungen einzelner Länder individuell reagieren. Bislang war ein solches Vorgehen vermieden worden, um nicht dem Vorwurf einer verbotenen monetären Staatsfinanzierung Vorschub zu leisten. Ob die kolportierten derzeitigen Überlegungen Wirklichkeit werden, ist mithin alles andere als sicher. Italienische und griechische Staatsanleihen 10-jähriger Laufzeit verzeichneten gleichwohl gestern eine Spread-Einengung gegenüber deutschen Staatsanleihen von drei bis vier Basispunkten.

07.10.2021
Weniger Aufträge für die deutsche Industrie

Die deutsche Industrie beginnt zu schwächeln. So verzeichnet das Verarbeitende Gewerbe einen Rückgang der Auftragseingänge im August um 7,7% im Vergleich zum Vormonat. Verantwortlich für den Rückgang sind unter anderem schwächere Auftragszahlen für die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen sowie ein Rückgang in der Metallerzeugung. Trotzdem muss berücksichtigt werden, dass die Auftragsbücher der meisten Unternehmen gut gefüllt sind. Wie in den letzten Wochen oft beschrieben liegt das eigentliche Problem in der Lieferkette.  

Überraschend positiv gestaltet sich der US-Arbeitsmarkt. So konnte der Personaldienstleister ADP für den Monat September einen Stellenzuwachs in der Privatwirtschaft von 568.000 Stellen melden. Die Prognosen lagen bei einer Zahl von 420.000 Stellen. Der offizielle Arbeitsmarktbericht erwartet uns am Freitag und wird von der US-Regierung veröffentlicht. Schon jetzt ist ein Anstieg der Stellen außerhalb der Landwirtschat zu erwarten.  

06.10.2021
Es geht weiter: Preis im Öl steigt

Anfang der Woche erklärte die OPEC+, dass die Förderquoten ab November wie geplant um 400.000 Barrel pro Tag angehoben werden. Zu wenig in den Augen der Marktteilnehmer, die angesichts der weltweiten Energieknappheit auf eine stärkere Ausweitung gehofft hatten. In der Folge legte der Preis für Brent-Öl gestern in der Spitze um 2,3% zu und markierte ein Drei-Jahres-Hoch von 83,13 US-Dollar je Barrel. Zudem verteuerte sich der Terminkontrakt auf europäisches Erdgas um rund 26% und manifestierte mit 121,46 Euro je Megawattstunde ein Allzeithoch. Aktuell liegen die russischen Erdgaslieferungen mit 120 Gigawattstunden täglich bei nur knapp einem Viertel der Ausfuhrwerte von Ende September. In der Gesamtschau dürfte den Exporteuren fossiler Energieträger nach Jahren niedriger Preisnotierungen daran gelegen sein, den aktuellen Nachfrageboom der Weltwirtschaft aus dem (Post-)Corona-Aufschwung zu nutzen, um strukturell höhere Preisniveaus zu etablieren. Die Anleger hievten gestern den europäischen Branchenindex für Oil and Gas auf ein 20-Jahreshoch!

Die Storyline der Marktteilnehmer, wonach die energiegetriebene Inflation ausreiche, um den Tapering-Druck auf Fed und EZB zu forcieren, trieb gestern die Rendite für 10-jährige US-Treasuries um 7 bp und die ihrer deutschen. Pendants um 3 bp nach oben. Davon profitierten sowohl amerikanische als auch europäische Finanzwerte, deren Branchenindizes neue Rekordhochs vermeldeten. Einen Kontrapunkt im bis dahin schlüssigen Value-Menü aus Energie und Banken setzte allerdings das Dessert im Tech-Sektor. Die zuletzt arg geprügelten Aktien von Apple, Microsoft, Amazon und Alphabet gewannen in klassischer Buy-the-Dip-Manier jeweils über 3%. Unterm Strich schloss der S&P 500 1,1% fester auf 4.345 Punkten, während der Euro Stoxx 50 sogar um 1,7% auf  4.064 Zähler zulegte.

05.10.2021
EZB-Ton: Gefahr eines Zweirundeneffekts

Die Auftragseingänge in den USA legen zu. Neuaufträge legten um 1,2% auf Monatsbasis zu, der Juli-Wert wurde von +0,4% auf +0,7% hochrevidiert. Auch für die um den Transportsektor (+0,5%) oder die Rüstungsindustrie (+0,6%) bereinigte Abgrenzung wurden Zuwächse verzeichnet. Erwartet worden war für die Neuaufträge ein Plus um 1,0%. Alles in allem also gute Zahlen aus den USA. Eine zunehmend vorsichtigere Tonart scheint die EZB in Sachen Inflationsrisiken einzuschlagen. Galt bislang der Grundsatz, nach dem die Inflation im kommenden Jahr bedingt durch Basiseffekte wieder deutlich fallen dürfte, hat z.B. gestern der EZB-Vize Luis de Guindos diese Aussage dadurch relativiert, dass er auf die Gefahr von Zweitrundeneffekten hinwies. Es ist eine noch nicht hinreichend geklärte Frage, wie sich infolge des bisherigen Inflationsanstiegs die weitere Lohnentwicklung gestaltet. Die EZB müsse hier vorsichtig sein, so de Guindos. Er stellte sogar in den Raum, dass Lieferengpässe einen „strukturellen Einfluss“ auf die Inflation haben könnten. Bisher war aus Kreisen der EZB-Spitze stets von temporären Einflüssen auf die Inflation die Rede, so dass die Aussagen des EZB-Vizes eine gewisse Verschärfung der Tonlage darstellen.

Das Thema der Inflation wirkt indes auch auf die Erzeugerpreise. Diese werden für den Euroraum heute gemeldet (für August). Vieles spricht dort nämlich für eine weitere Beschleunigung des Preisauftriebs. Im Juli lag der Anstieg zum Vorjahresmonat bei +12,1%, laut Konsens-Schätzung dürfte im August die Marke von 13% überschritten werden. Daneben werden heute finale Zahlen für die Markit-Einkaufsmanagerindizes publiziert, die möglicherweise neue Aufschlüsse über das Ausmaß der Lieferengpässe geben könnten. In den USA wird der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor im September gemeldet. Konsenserwartung ist ein Rückgang von 61,7 im August auf 60,0.

04.10.2021
China schürt Ängste um eine Energiekrise

Beim Rückblick in die vergangene Woche lässt sich festhalten, dass die Finanzmärkte die zurückliegende Woche positiv beendeten und begannen den neuen Monat in positiver Stimmung. Der S&P-500-Index schloss mit einem Plus von 1,1% auf Tagesschlusskursbasis. Auch der Rentenmarkt tendierte freundlich; zehnjährige US-Treasuries rentierten zu Handelsschluss bei 1,47%, zwei Basispunkte tiefer als 24 Stunden zuvor. Rohöl wollte hier nicht abseitsstehen; der Preis für ein Fass der Sorte Brent machte am Freitag einen Satz aufwärts um rund zwei US-Dollar auf Niveaus wieder oberhalb von 79 US-Dollar. Mag auch die Corona-Pandemie Schritt für Schritt an Schrecken verlieren: Die Welt hält weiterhin ein hinreichendes Maß an Sandvorräten bereit, die das Getriebe der Weltwirtschaft stören können. So hat zwar das politische Washington jüngst einen Haushalt beschlossen, aber das Problem „Schuldenobergrenze“ drückt weiterhin. Und vor dem Hintergrund anhaltender Versorgungsengpässe in den verschiedensten Branchen setzt Peking auf das Bunkern von Rohstoffen, während die Vereinigten Staaten Schiffscontainer horten.

Auf dem Makrokalender heißt es für kommenden Freitag „safe the date“, denn der Arbeitsbericht der USA steht an. Der Aufschwung nach Überwindung der Corona-Rezession läuft erheblich anders ab als viele andere vergleichbare Episoden seit dem Zweiten Weltkrieg. Während sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage rund um den Globus zuletzt schnell und markant zurückgemeldet hat, schwächelt dieser Tage das Angebot, bei Computerchips nicht anders als bei Baumaterialien. Das Ergebnis: eine anziehende Teuerung allerorten. Die Frage lautet: Wie interpretiert die US-Notenbank vor diesem Hintergrund einen US-Arbeitsmarktbericht, wie er zum Ende dieser Woche einmal mehr ansteht? Die LBBW-Prognose für die Netto-Veränderung der US-Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft per September liegt um 100 Tsd. unter dem Konsens aller Experten: Würde ein solches Ergebnis die US-Währungshüter beeindrucken? Schwer zu sagen. Lassen wir uns überraschen!

01.10.2021
China schürt Ängste um Energiekrise

Kein Benzin mehr an britischen Tankstellen, rekordhohe Preise für Erdgas in Europa, und Stromengpässe in China wegen fehlender Kohle. An vielen Orten hakt es in puncto Energie, und es werden Knappheitspreise für fossile Energieträger bezahlt. Nun ist dieses Thema ganz oben auf der politischen Agenda in China angelangt: Dort berichteten Staatsmedien gestern, Ministerpräsident Li Keqiang wolle die Energie- und Stromversorgung sichern. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete später, die Zentralregierung habe die staatlichen Energiekonzerne angewiesen, die notwendigen Vorräte an Kohle und Gas um jeden Preis aufzubauen. Wenn man so will, markiert dies einen „whatever it takes“ Moment für die Energieversorgung in China, der Ängste um eine globale Energiekrise schürt. Aus europäischer Perspektive kommen die Probleme im Reich der Mitte zur Unzeit, da die hiesigen Gasvorräte nach einem kalten Winterhalbjahr unzureichend aufgefüllt wurden, auch weil die Versorgung aus Russland ins Stocken geriet.

Diese Gemengelage geht an den Rohölmärkten nicht spurlos vorüber, auch wenn Rohöl für die globale Stromproduktion nur eine untergeordnete Bedeutung hat; knapp 3 % stammte 2018 noch aus Ölkraftwerken (Quelle: IEA). So hat der Preis für ein Barrel Brent in dieser Woche erstmals seit knapp drei Jahren die Marke von 80 US-Dollar wieder überschritten. Allerdings kann hier von Knappheitspreisen keine Rede sein: Die OPEC+ produziert derzeit täglich mehrere Millionen Barrel Rohöl weniger als es möglich wäre, um Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten. Am Montag trifft sich das Kartell, um über die künftigen Fördermengen zu sprechen. Normalerweise ein Routine-Treffen, bei dem die bisherige Marschroute, das Angebot jeden Monat um 400.000 Barrel täglich auszuweiten, bestätigt würde. Vor dem Hintergrund der skizzierten Lage ist jedoch auch eine Überraschung denkbar, um präventiv drohende Preisanstiege zu verhindern. An einer Krise mit Mondpreisen auch für Rohöl ist die OPEC nämlich auch nicht interessiert.

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Hierbei handelt es lediglich um allgemeine Marktinformationen. Diese wurden von der Hypo Vorarlberg erstellt und beruhen auf allgemein zugänglichen öffentlichen Informationen, welche die Hypo Vorarlberg als zuverlässig erachtet. Die in dieser Publikation enthaltenen Empfehlungen sind nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt worden und unterliegen auch nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

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