Börsen & Märkte

Hypo Börsenblick

04.08.2021
China zündelt

Um 10,2% sind die europäischen gewerblichen Erzeugerpreise gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Ein solcher Preisanstieg war zuletzt 1999, bedingt durch den Start der Währungsunion zu verzeichnen. In der Statistik werden jene Preise ab Fabrik geführt – also noch bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen, weshalb sie als viel beachteter Inflationsvorbote gelten. Dabei ist allerdings offen, wie stark die höheren Preise schlussendlich tatsächlich an die Konsumenten weitergegeben werden können.

Auf der anderen Seite des Globus nehmen die Spannungen weiter zu. Im südchinesischen Meer versucht China seinen Machtbereich zu Lasten der Anrainerstaaten immer weiter auszudehnen. Dabei geht es um Fischgründe, Öl- und Gasreserven sowie um die Kontrolle einer der weltweit bedeutendsten Schifffahrtsrouten. Auf manchen – eigentlich zu anderen Staaten gehörenden Inseln – ließ China einfach Landebahnen oder Bohrplattformen bauen. Mit verstärkter Präsenz versuchen die USA und ihre Verbündeten in der Region dem chinesischen Imperialismus nun Einhalt zu gebieten. Schließlich hatte die Volksrepublik erst am vergangenen Wochenende Öl ins Feuer gegossen und auf dem Staatssender CCTV ein Video ausgestrahlt, in welchem zu sehen war, wie die Volksbefreiungsarmee trainiert, Taiwan einzunehmen. Seit Jahresbeginn gab es schon 20 solcher Übungen. Die Volksrepublik sieht den Inselstaat als Teil ihres eigenen Staatsgebiets und daher als abtrünnige Provinz an, welchen es zurückzuerobern gilt. Der chinesischen Führung könnte es dabei jedoch zusätzlich auch um einen Zugriff auf Taiwan Semiconductor (TSMC) gehen. Jenes Unternehmen ist nach Intel und Samsung nicht nur der drittgrößte Halbleiterhersteller, sondern vor allem die weltweite Nummer 1 in Sachen unabhängige Auftragsfertigung für Halbleiterprodukte. Das Geschäftsmodell ist darauf ausgerichtet, für Fabless-Unternehmen, also für Firmen, welche über keine eigenen Fertigungsstätten verfügen, wie z.B. AMD, Apple, Nvidia oder Qualcomm, die Produktion von Halbleiterchips zu übernehmen. Mittels eines Zugriffs auf TSMC hätte China auf einen Schlag nicht nur die US-High-Tech-Industrie sondern die ganze Welt im Würgegriff.

03.08.2021
Konsumturbo im Euroraum?

Der vermeintliche Nachholeffekt des privaten Konsums, von dem immer wieder die Rede war, scheint einer Studie der EZB zufolge nicht in jenem Ausmaß zum Tragen zu kommen wie zunächst erwartet. Der Theorie nach sollte die Auflösung von Zwangsersparnissen zu einem zusätzlichen Konjunkturschub durch die Verbraucher führen. Nun hat die EZB fünf Länder (USA, Japan, Kanada, Australien und Großbritannien) in Punkto pandemiebedingter Sparmaßnahmen beobachtet. Während der Pandemie wurden in diesen Ländern von Anfang 2020 bis Ende 2021 Ersparnisse i.H.v. 6,7% des BIP oder 9,5% des verfügbaren Einkommens angehäuft, hauptsächlich mangels Konsummöglichkeiten. Vier Gründe sprechen der EZB-Studie nach gegen einen schnellen Abbau dieser „Überersparnisse“: Die Überschüsse fallen zumeist bei den wohlhaben Haushalten an, die wiederum eine geringere Konsumquote haben. Zweitens könnten die Ersparnisse aus Vorsichtsgründen gehalten werden. Drittens erwarten Haushalte Steuererhöhungen, wogegen die Überersparnis als Puffer fungiert. Viertens könnte es keine Gelegenheit geben, das Versäumte (z.B. Reisen und Restaurantbesuche) nachzuholen. Interessant ist zudem, dass nach EZB-Modellrechnungen für den Fall eines Konsumbooms die Inflation weltweit um 0,9%-Punkte gegenüber dem Basisszenario ohne Konsumboom steigen könnte. Welchen Wert diese Modellrechnungen haben, wird man aber erst noch sehen müssen.

Die amerikanischen Aktienindizes schlossen am Montag nach einer schwankenden Sitzung überwiegend im Minus, was daran liegt, dass die Anleger die Besorgnis über die Coronavirus-Varianten gegen die Aussicht auf eine robuste Konjunkturerholung und gute Gewinnzahlen abwägten. An der Datenfront blieb die neue PCE-Kerninflation hinter den Erwartungen zurück, während die ISM-Umfrage zum Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes zeigte, dass der Preisdruck im vergangenen Monat leicht nachließ. In der Zwischenzeit haben Senatoren am Wochenende einen überparteilichen Gesetzentwurf für die Infrastruktur vorgestellt. Der Gesetzentwurf sieht neue Ausgaben in Höhe von 550 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren vor. Der Dow verlor,3 % auf 34.838 Punkte. Der S&P 500 fiel um 0,2 % auf 4.387 Punkte. Der technologielastige Nasdaq Composite stieg dagegen um 0,1 % auf 14.681 Punkte.

02.08.2021
China-Einkaufsmanagerindex enttäuscht

Die Lockerungsmaßnahmen machen sich durch das BIP-Wachstum diesseits und jenseits des Atlantiks bemerkbar. Allerdings liegen die BIP-Daten hinter den Erwartungen zurück. So fielen bereits am Donnerstag die Zahlen des US-BIP schwächer als erwartet aus, gefolgt von den BIP-Daten aus Deutschland – mit 1,5% im Vergleich zum Vorquartal ebenfalls hinter den Erwartungen. In Österreich wuchs das Bruttoinlandsprodukt in den drei Monaten bis Juni 2021 um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Damit erholte es sich von zwei aufeinanderfolgenden Schrumpfungsphasen und übertraf die Markterwartungen von 3,5 Prozent Wachstum deutlich, wie eine vorläufige Schätzung ergab.

Von den nachlaufenden Indikatoren weg, richten wir den Blick hin zu den vorausschauenden Indikatoren, wo der staatliche Einkaufsmanagerindex mit 50,4 Punkten zwar noch über der Expansionsschwelle notiert, aber dennoch hinter den Erwartungen liegt. Der Index für neue Exportaufträge fiel auf 47,7 Punkte zurück und unterstreicht die jüngst aufgekommenen Befürchtungen um eine Wachstumsverlangsamung im Reich der Mitte. Zwischenzeitlich wirkt die jüngste Regulierungs-Offensive der chinesischen Regierung an den Börsenplätzen in Asien weiter nach. Der chinesische CSI 300-Index startete schwach in den Tag, erholte sich im Handelsverlauf aber wieder.

30.07.2021
BIP und Inflation im Blick

Die Inflationsrate ist diese Tage wieder in aller Munde. In Deutschland steigt die Rate von 2,3% im Juni auf 3,8% im Juli, während sie in Österreich bei ihrem Juniwert von 2,8% verharrt. In Deutschland sieht man die Effekte aus der Wiederanhebung der Mehrwertsteuer und Basiseffekte aus den Energiepreisen in der Verantwortung für den rasanten Anstieg. Den Analysten der LBBW zufolge haben wir allerdings noch nicht den Höchstwert erreicht. Andererseits sehen sie aufgrund der Pandemie kein wirkliches Inflationsklima, hierfür wären kräftige Lohnerhöhungen notwendig. Viele Argumente sprechen daher weiterhin dafür, dass mit Beginn des kommenden Jahres die Inflationsraten wieder rasch fallen dürften.

In den USA zieht die Wirtschaft zwar weiter kräftig an, allerdings nicht mehr mit ganz so viel Elan wie zuletzt erwartet. Gestern Nachmittag wurden die Zahlen des US-BIP für Q2 veröffentlicht, wonach das BIP der größten Volkswirtschaft im zweiten Quartal 2021 mit einer Rate von annualisiert von 6,5% wuchs. Gleichwohl blieb das Expansionstempo deutlich hinter den Erwartungen zurück. Grund hierfür dürfte in erster Linie der Rückgang der Investitionen in Immobilien sein. Angesichts der zahlreichen Meldungen über Knappheit an Baustoffen sollte dies nicht als Zeichen einer Konjunkturschwäche fehlgedeutet werden. Ein Hinweis für einen großen Nachfrageüberhang stellt auch die Entwicklung der Inflation dar. Der sogenannte BIP-Deflator schnellte im zweiten Quartal mit einer Jahresrate von 6,0% empor. Das Research der LBBW prognostizierte bislang für das Gesamtjahr 2021 ein Wirtschaftswachstum in Höhe von 7,5%. Im Lichte der jüngsten Zahlen konstatieren die LBBW-Analysten nun jedoch auch, dass die Abwärtsrisiken nun deutlich überwiegen.

29.07.2021
Das Wording der Fed geht Richtung Tapering

Die Fed in den USA lässt nach ihrer zweitägigen Sitzung die Marktteilnehmer vor allem eines Wissen: dass man Geduld hat. Das Zielband des Leitzinssatzes notiert weiterhin bei 0,00% bis 0,25%. Der Einlagensatz notiert bei 0,15%. Aber mit Blick auf die Straffung der Geldpolitik (Tapering) wurde nun der Wortlaut angepasst. Die Fed stellt nun fest, dass bereits Fortschritte hinsichtlich der „Tapering“-Bedingung erzielt wurden, während weitere Fortschritte im Rahmen der kommenden Notenbanker-Treffen beurteilt werden sollen. Laut Fed-Chef Powell ist der Arbeitsmarkt noch etwas von den Vorstellungen der Fed entfernt. Der US-Konjunkturaufschwung habe sich weiter gefestigt. Der starke Anstieg der Inflation wird weiterhin als eher temporäres Phänomen eingestuft.

Während die Fed eine Art Wortakrobatik übt indem sie Märkte auf Geldpolitische Änderungen einstimmt steigt die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries um zwei Basispunkte auf 1,27%. Die US-Aktienindizes schlossen uneinheitlich. Der Dow ging um 0,4% runter, die Nasdaq 0,7% hoch und der S&P 500 blieb unverändert. Die durch eine Regulatorikwelle ausgelösten Turbulenzen am chinesischen Aktienmarkt pausierten zuletzt, wobei hier der Boden noch nicht gefunden sein dürfte. Der Bitcoin ist wieder gefragt und sucht erstmal sicheren Stand bei 40 000 US-Dollar je Coin. Der DAX schleicht im Rahmen des Sommer-Blues weiterhin um die 15.500-Punkte-Marke herum.

28.07.2021
Was macht die FED?

Die Berichtssaison läuft. Der französische Luxuskonzern LVMH übertraf die Analystenerwartungen mit überraschend guten Ergebnissen. Seit Juli 2020 ist der Kurs des Unternehmens um mehr als 70% gestiegen. Der Konzern vereint so renommierte Namen wie Louis Vuitton, Christian Dior oder Hennessy unter sich. Insgesamt setzte sich im Vorfeld der heutigen Fed-Entscheidung aber eine eher angespannte Stimmung an den Aktienmärkten durch. Die Ausbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus belastet. Zudem sorgte der verschärfte staatliche Regulierungsdruck in China für Beunruhigung. Der DAX unterschritt gestern zeitweise die Marke von 15.000 Zählern und beendete den Handel mit einem Minus von 0,64% bei 15.519 Punkten.

Dafür zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer, dass deutsche Arbeitsagenturen eine deutliche Erholung des Arbeitsmarktes erwarten. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verlor im Juli gegenüber dem Vormonat nur minimal um 0,1 auf 107,1 Punkte. Das Arbeitsmarktbarometer bleibt damit weiter auf sehr hohem Niveau. Der Optimismus im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit nahm noch einmal zu, während er im Hinblick auf die Beschäftigung etwas zurückging.

27.07.2021
Ist es das bereits gewesen?

Der Dämpfer auf die Wirtschaft, ausgehend von Lieferkettenengpässen und der sich ausbreitenden Delta-Variante, ist im Juli spürbar zum Ausdruck gekommen. Dies zeigt sich insbesondere in der Erwartungskomponente des ifo-Geschäftsklimaindex, die im Juli auf 101,2 Zähler gesunken ist. Die Unternehmen können vor allem in den industrienahen Sektoren zwar mit gut gefüllten Auftragsbüchern glänzen, allerdings fehlen wichtige Vorprodukte im Chip- und Halbleiterbereich. Daher stockt die Fertigung und die Lieferzeiten erhöhen sich. Dazu gesellt sich ein anspruchsvolles Preismanagement entlang der ganzen Wertschöpfungskette vom Rohstoffeinkauf bis hin zum Endprodukt. Bekannt war dieser Umstand seit einigen Monaten aus Industrie und Bau, doch nun sind auch Teile des Handels erfasst.

So stellt sich die Frage, ob es dies bereits gewesen ist mit dem Aufschwung. Gemäß den Analysen des LBBW-Research scheint dies einfach die Verschnaufpause zu sein. Dennoch sehen auch die LBBW-Analysten die Abnahme der Dynamik. Die Unwägbarkeiten einer vierten Welle mit etwaigen Einschränkungen dürften auch in den kommenden Monaten die Erwartungen dämpfen. Zudem sollten die weltweiten Cargo-Staus in den Häfen von Shanghai bis New York noch bis in Q4 anhalten und sich nur langsam auflösen. Daher sollten die ausufernden Bestellungen von Unternehmen und Verbrauchern angesichts der Lieferzeiten und Preiserhöhungen langsam ihren Peak gesehen haben. Unterm Strich: Aufschwung ja, Euphorie nein.

23.07.2021
Die neue Kommunikation der EZB

Beim gestrigen Treffen des EZB-Rats bzw. bei dessen Sitzung gab es erwartungsgemäß keine Veränderungen. Im Fokus stand die überarbeitete Forward Guidance für die europäischen Leitzinsen, die bereits im Vorfeld von EZB-Chefin Lagarde angekündigt wurde. Es wurde betont, dass die Notwendigkeit einer akkommodierenden Geldpolitik noch stärker ins Zentrum gerückt wird. Überdies erhält die Forward Guidance für die Leitzinsen eine konkretere zeitliche Koppelung als bisher, und zwar an das Ende des jeweils aktuellen geldpolitischen Prognosehorizonts (derzeit: Ende 2023). Demnach sollen die Leitzinsen nunmehr so lange auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben, bis die Notenbank in ihren aktuellen Projektionen das Erreichen des neuen 2 %-Inflationsziels bereits deutlich vor Ende des Prognosehorizonts absehen kann. Es wird dabei besonders betont, dass das Erreichen des Inflationsziels absehbar nachhaltig sein und sich auch im unterliegenden Inflationstrend – sprich der Kerninflation – deutlich abzeichnen soll.

 

Auf dem Makrokalender stehen heute die Einkaufsmanagerindizes des Markit Instituts. Angesichts von Materialknappheit und wieder steigenden Corona-Infektionszahlen überwiegt hier aus unserer Sicht das Enttäuschungspotenzial. Für das Verarbeitende Gewerbe erwarten wir sowohl für Deutschland als auch den Euroraum einen Rückgang. Für den Dienstleistungssektor gehen wir zwar von einem Anstieg aus, der aber schwächer ausfallen dürfte, als es die von Bloomberg befragten Analysten im Mittel erwarten. Und für alle, die sich für Sport interessieren: Um 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit startet heute die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele – zwar ohne Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort, aber sicher auch dieses Mal mit vielen vor den Bildschirmen.

22.07.2021
Die Buy-the-Dip Mentalität ist unerschütterlich

Es ist eine Berg- und Talfahrt, mit der die Aktienmärkte die Woche begonnen haben. Am Montag sank der US-Leitindex S&P 500 auf ein Tagesminus von 1,60%. Am Dienstag ging es dann wieder soweit nach oben, dass die Verluste des Vortages fast vollständig aufgeholt wurden. Am Rentenmarkt haben 10-jährige Anleihen ein Renditeniveau erreicht wie zuletzt im Frühjahr. Bundesanleihen bewegen sich derzeit um die Marke von -0,4 % - dem Niveau von Mitte Februar, nachdem zwischenzeitlich die Nulllinie in Sicht geriet. Zum Vergleich: Mitte Februar notierte der DAX noch über 1.000 Punkte niedriger als derzeit. Dies könnte u.a. daran liegen, dass das Thema „Inflation“ nicht mehr so heiß gegessen wird und die Notenbanken derweil zuverlässig ihre Kaufprogramme abspulen, was naturgemäß Anleihekurse stützt und Renditen drückt. Gleichzeitig bleibt die „Alternativlosigkeit“ von Sachwerten weiterhin das schlagende Argument gegen größere Einbußen an den Aktienmärkten, wenngleich nach dem starken Anstieg im bisherigen Jahresverlauf eine sommerliche Verschnaufpause wahrscheinlich ist.

Die EZB bzw. Christine Lagarde wird heute Nachmittag die Beschlüsse der Ratskonferenz erläutern. Diesmal im Zeichen der neuen „Forward Guidance“. Derzeit kauft die EZB monatlich Anleihen für rund 80 Mrd. Euro unter dem PEPP, zudem für ca. 20 Mrd. Euro unter dem APP. Geplant ist, dieses Tempo noch das dritte Quartal über beizubehalten. Das gesamte PEPP ist bis mindestens Ende März 2022 vorgesehen. LBBW-Analysten gehen davon aus, dass die EZB diese Eckpunkte bestätigen wird. Indes dürfte eine größere Änderung der Forward Guidance eine explizite Absichtserklärung der EZB beinhalten, anhaltend günstige Finanzierungsbedingungen sicherzustellen und eine vorzeitige Straffung der Geldpolitik auszuschließen. Die Konferenz wird heute um 14:30 Uhr stattfinden.

21.07.2021
Fürchten sie nicht das Inflationsgespenst?

Es geht weiterhin umher – das Inflationsgespenst. Dennoch scheinen die Märkte, insbesondere der Rentenmarkt dieses nicht zu fürchten. Dabei sind die Preisanstiege weltweit erkennbar. In Deutschland sind die Produktionspreise gewerblicher Produkte im Juni um 8,5% gegenüber dem Vorjahr Juni gestiegen und verzeichneten damit ihre höchste Änderungsrate seit 1982. In Japan stieg der Verbraucherpreisindex (ex-Frischprodukte) um 0,2% gegenüber dem Vorjahresmonat zu. Allerdings ist das Land von der Deflation geplagt und erlebt daher ebenfalls den höchsten Preisanstieg seit 15 Monaten.

Angesichts dieser Nachrichten mag nun der eine oder andere vermuten, dass die Notenbanken zumindest erste Anzeichen verlauten lassen, der Geldpolitik eine gewisse Contenance zu verleihen. Jedoch warnt die ehemalige OECD-Chefvolkswirtin Catherine Mann davor, den Fuß zu früh vom Gaspedal zu nehmen. Nach ihrer Ansicht werden die jüngsten Preissprünge nicht den Auftakt einer sich aufwärts drehenden Preisspirale sein. Im fernen Australien haben die Währungshüter indes bereits ihren Fuß vom Gaspedal genommen. Die Reserve Bank of Australia (RBA) beschloss auf ihrer Sitzung Anfang Juli, ihr Anleihekaufprogramm per September von 5 Mrd. AUD auf 4 Mrd. AUD herunterzufahren. In der Zwischenzeit hat jedoch ein Emporschnellen der Corona-Neuinfektion dazu geführt, dass einige Landesteile einen „Lockdown“ verfügt haben. Infolgedessen gehen einige Marktteilnehmer davon aus, dass die mit dem „Lockdown“ einhergehenden Wachstumseinbußen die australischen Währungshüter zu einer Rücknahme ihrer Entscheidung bewegen werden. In der VR China ergibt sich ein ähnliches Bild. Die People‘s Bank of China (PBOC) beließ ihren Referenzzins für einjährige Ausreichungen gestern zwar bei 3,85 %, kurz zuvor senkte die Währungsbehörde jedoch in Reaktion auf ein Abflauen der Konjunkturdynamik ihren Mindestreservesatz um 0,50 Prozentpunkte. Angesichts dieser globalen Gemengelage passt es ins Bild, dass die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen gestern auf -0,41 % fielen und damit ein mehrmonatiges Tief markierten.

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Hierbei handelt es lediglich um allgemeine Marktinformationen. Diese wurden von der Hypo Vorarlberg erstellt und beruhen auf allgemein zugänglichen öffentlichen Informationen, welche die Hypo Vorarlberg als zuverlässig erachtet. Die in dieser Publikation enthaltenen Empfehlungen sind nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt worden und unterliegen auch nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

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