Börsen & Märkte

Hypo Börsenblick

01.12.2020
Überraschend goldener November

Auf den schwachen Oktober 2020 folgte ein umso stärkerer November. Dies gilt nicht nur für das Wetter, bei dem das Herbstlaub statt im normalerweise Goldenen Oktober vielmehr in der überraschend intensiven November-Sonne leuchtete. Auch an den Aktienmärkten wurde die schwache Oktober-Performance durch die überraschend hohen Kurssteigerungen im November mehr als wettgemacht. Während der S&P 500 um 8,0% stieg, erzielte der DAX im November ein beeindruckendes Plus von 15,0%.

Tag der Einkaufsmanager-Indizes Seitens der Makrodaten steht heute mehrfach der Einkaufsmanager-Index für das Verarbeitende Gewerbe (PMI Manufacturing) für November auf dem Programm: Während für Deutschland und den Euroraum die vorläufigen Werte von 57,9 bzw. 53,6 bestätigt werden sollten, kommt dem neuen Wert für die USA eine größere Bedeutung zu: Hier rechnen wir mit einem Rückgang gegenüber dem guten Vormonat von 59,3 auf 56,9. Für China wurde bereits heute Nacht der Caixin PMI Manufacturing für kleinere und mittlere Betriebe verkündet, der positiv überraschte und von 53,6 auf 54,9 kletterte und damit den höchsten Stand seit fast zehn Jahren erreichte.

30.11.2020
Amerika in Sorge

Letzten Donnerstag feierten die US-Amerikaner das traditionelle Thanksgiving. Zu diesem Anlass kommen in der Regel alle Familienmitglieder in einer großen Runde zusammen, um gemeinsam zu feiern. Aufgrund der herrschenden Pandemie geht die Sorge um, dass dieses Jahr Thanksgiving als Verstärker für die augenblicklichen Situation wirkt. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in den USA bei dem 2,25-fachen des deutschen Niveaus. Diese Sorge trieb den baldigen US-Präsidenten Joe Biden um, der bereits im Vorfeld an die Nation eine anrührende Rede hielt, um schlimmeres zu verhindern und die Leute zum Feiern im kleinen Kreis zu bewegen.

In der Regel werden schwache Verkaufszahlen am „Black Friday“ von den Aktienmärkten als schlechtes Omen aufgefasst, da viele Amerikaner über diesen Anlass bereits erste Festtagseinkäufe tätigen und die Märkte hieraus einen Stimmungsindikator ableiten. Wegen Corona drohten den großen Einkaufs-Malls sowie den Shops in den Innenstädten dieses Jahr tatsächlich geringe Verkäufe. Viel entscheidender als die Umsätze vor Ort am vergangenen Freitag dürften jedoch die Online-Umsätze der kompletten „Cyber Week“ sein. Angesichts der unzähligen Menschen, welche in den USA Corona-bedingt ihren Arbeitsplatz verloren haben, ist hierfür noch kaum eine Vorhersage möglich.

27.11.2020
Ruhige Entwicklung an den Aktienmärkten nach starker Rally zuvor

Am Donnerstag entwickelten sich die Aktienmärkte in Europa deutlich ruhiger als in den Tagen und Wochen zuvor. Der Dax schwankte in überschaubarem Ausmaß um den Vortagsschluss und schloss wenige Punkte im Minus. Ein wesentlicher Grund für das Luftholen war, dass die amerikanischen Märkte wegen des Thanksgiving-Feiertags komplett geschlossen hatten. Ruhig war es jedoch nicht in allen Märkten. Nachdem die Kryptowährung Bitcoin zuletzt neue Höchststände erreichte, kam es am Donnerstag zu einer starken Korrektur. Der Bitcoin-Kurs fiel von 19.500 am Mittwoch zwischenzeitlich am Donnerstag auf unter 16.500. Erneut zeigt sich, dass Bitcoin ein hochspekulatives Anlageobjekt ist.

Vor einigen Tagen gab mit AstraZeneca ein weiterer Konzern Ergebnisse seiner Impfstoffstudie bekannt. Hierbei lag die Wirksamkeit bei Verabreichung von zunächst einer halben Dosis, gefolgt von einer ganzen Dosis bei 90%, während bei Gabe zweier ganzer Dosen nur eine Wirksamkeit von 62% erreicht wurde. Für Irritationen sorgte dann allerdings die Meldung, dass die höhere Wirksamkeit bei Tests mit einer im Schnitt jüngeren Population erzielt wurden. Gestern kamen dann Befürchtungen auf, dass sich aufgrund der Irritationen eine Zulassung des Impfstoffes verzögern könnte. Der CEO des Unternehmens kündigte am Donnerstagnachmittag an, eine weitere internationale Studie mit der geänderten Medikation erstellen zu lassen. Diese sollte zwar schnell erfolgen, würde aber die Zulassung verzögern. Die Aktien von AstraZeneca gaben am Donnerstag 0,8% nach.

26.11.2020
Neue Maßnahmen nach zähem Ringen

Die Finanzmärkte verbrachten gestern einen relativ ruhigen Handelstag.  Die europäischen Aktienmärkte drehten zum Handelsschluss noch leicht ins Plus. Die Renditen langlaufender Staatsanleihen tendierten leicht niedriger. Der Ölpreis stieg nach seinen kräftigen Gewinnen vom Vortag abermals leicht an. Der Euro legte gegenüber dem US-Dollar etwas zu. Dabei gab es eine Reihe an US-Konjunkturdaten zu verarbeiten, allerdings nur Daten „aus der zweiten Reihe“. Die wöchentlich erhobene Zahl an Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe stieg zum zweiten Mal in Folge an und spricht dafür, dass sich die Entscheidungsträger im amerikanischen Kongress in ihrem Gezerre um ein neues Konjunkturpaket nicht darauf verlassen sollten, dass die Wirtschaft auch ohnedies in der Spur bleibt.

Prächtig entwickelt sich allerdings – auch ohne neues Konjunkturpaket – der US-Immobilienmarkt. Die Zahl der Neubauverkäufe lag im Oktober zum vierten Mal in Folge bei (auf ein Jahr hochgerechnet) rund einer Million. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lagen die Verkäufe im Durchschnitt nur bei 685.000, und nur während der Boom-Phase 2003 bis 2006 lagen die Neubauverkäufe noch höher als derzeit. Bereits am Dienstag wurde vermeldet, dass der Preisauftrieb bei Wohnimmobilien in den USA stärker ausfiel als erwartet. Gemäß offizieller Statistik kosteten die Häuser im September rund 9 % mehr als vor einem Jahr. Die deutlich gesunkenen Zinsen dürften hierzu beigetragen haben. Allerdings wurde im Nachgang der Subprime-Krise auch für einige Jahre deutlich weniger gebaut. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt würden Analysten die Entwicklung nicht als besorgniserregend einstufen. Die Analysten erachten - im Unterschied zu 2008 - den Markt diesmal nicht als fehlbewertet. Es gilt gleichwohl, das Geschehen weiter im Auge zu behalten.

25.11.2020
Corona: Deutschland schärft erneut nach

In Frankreich werden erste, der aktuell strengen Regelungen zur Eindämmung der Pandemie wieder aufgehoben. In Deutschland werden die Maßnahmen hingegen noch verlängert. Vieles, das aktuell in Deutschland gilt, soll bis kurz vor Weihnachten fortgesetzt werden. Die Einschränkungen für Gastronomie und Hotelgewerbe könnten möglicherweise bis Ende Januar fortgesetzt werden. Bis Ende diesen Jahres stehen in Deutschland finanzielle Hilfen durch Bund und Länder bereit. Über die Zeit danach soll im Anschluss neu verhandelt werden.

Eine Neuigkeit abseits von Corona: Unser deutscher Nachbar erweitert seinen Leitindex um zehn Titel. Ab September 2021 wird die Deutsche Börse den DAX mit 40 Titeln weiterführen. Der MDAX wird im Gegenzug um 10 Titel verkleinert und enthält damit noch 50 Werte. Für die Listung im Leitindex DAX müssen ab Dezember dieses Jahres die Kandidaten in den letzten zwei Geschäftsergebnissen einen positives EBITDA ausweisen. Zusätzlich erfolgt eine Anpassung der Indexmethodologie. Demzufolge müssen ab dem kommenden März alle Unternehmen, die in die Indexauswahl kommen, auditierte Geschäftsberichte sowie Quartalmitteilungen veröffentlichen.

24.11.2020
USA sortieren sich langsam

Ganze drei Wochen hat Donald Trump gebraucht, um sich zur Einleitung der Machtübergabe durchzuringen. Nun erhalten Joe Biden und sein Team endlich die vorgesehenen Ressourcen, um den Machtwechsel zum 20. Januar vorzubereiten. Dazu zählen neben Millionenbudgets für den Übergang auch Büroräume und Briefings der Sicherheitsdienste und anderer Behörden. Eine Wahlniederlage räumte Trump indes weiterhin nicht ein. In seinem Tweet kündigte er vielmehr an, weiterkämpfen zu wollen. Allerdings hatten zuletzt immer mehr Wirtschaftsvertreter und Parteikollegen Trump nahegelegt, die Übergabe einzuleiten. Die Aktienmärkte im frühen asiatischen Handel reagierten bereits erleichtert. Der japanische Leitindex Nikkei legte in der Spitze 2,6% zu, pendelte sich aber nachbörslich bei 0,9% ein.

Offenbar will Joe Biden die ehemalige US-Notenbank-Chefin Janet Yellen zur ersten Finanzministerin in der Geschichte der USA machen. Die 74-Jährige hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen der US-Wirtschaft mit exzessiv höheren Staatsausgaben aus der Corona-Rezession zu helfen und zugleich die wachsende Ungleichheit als Bedrohung für amerikanische Werte betont. Yellen würde also gut in Bidens Priorität des Wiederaufbaus der US-Wirtschaft nach der Pandemie passen. Grundsätzlich setzt Biden auf erfahrene Weggefährten und international vernetzte Experten aus der Obama-Regierungszeit. Der designierte US-Präsident plant eine Abkehr von Trumps „America First-Politik“ und will einige Entscheidungen revidieren. Internationale Beziehungen sollen wieder gestärkt werden. Die USA sollen sowohl wieder dem Atomabkommen mit dem Iran als auch dem Pariser Klimaabkommen beitreten und der Austritt aus der WHO soll aufgegeben werden.

23.11.2020
Impfhoffnung gegen Lockdown-Angst

In der Frage, was schwerer wiegt – Hoffnung auf baldige Impfungen oder weitere Lockdowns – könnte heute eine Aussage durch die PMI-Einkaufmanagerindizes der größten Volkswirtschaften in der EU folgen. In Deutschland rechnen allerdings bereits jetzt mehr als zwei Drittel der Unternehmen mit einem weiteren Umsatzrückgang und streichen oder verschieben daher Investitionen. Vier von zehn Firmen müssen Kosten sparen, fast ein Viertel ihr Personal abbauen. Im weiteren Verlauf der Woche folgen auch die Zahlen des ifo-Geschäftsklimaindex sowie das Economic Sentiment für den Euroraum.

Der EZB-Chefökonom Philip Lane erwartet indes aufgrund des Lockdowns und geändertem Konsumverhalten einen weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Eurozone. Konkrete Angaben machte er keine. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass sich diese Aussage auf das laufende Quartal bezieht. In Bezug auf das Ankaufprogramm der EZB sagte er, dass dieses fortgesetzt werde, solange die Wirtschaft in Europa beeinträchtigt ist.

20.11.2020
Gezerre um Finanzhilfen in USA und EU

Die türkische Notenbank unter der neuen Führung von Naci Agbal erhöhte gestern ihren Leitzins um 475 Basispunkte, von 10,25% auf 15%. Eine gewisse Überraschung stellte dieser Schritt zweifelsohne dar. Immerhin war Staatspräsident Erdogan in der Vergangenheit wiederholt Forderungen nach höheren Zinsen entgegengetreten. Dass sich der Präsident zukünftig aus der Geldpolitik heraushält, muss sich erst noch erweisen. Die türkische Landeswährung hat seit ihrem zyklischen Tief bei 10 Lira je Euro mittlerweile mehr als zehn Prozent aufgewertet. Bereits nach dem jüngsten Wechsel an der Notenbankspitze hatte sie sich etwas stabilisiert. Der Zinsschritt dürfte das Wirtschaftswachstum dämpfen. Damit einhergehend dürfte auch die galoppierende Teuerung abgebremst werden. Abnehmender Preisdruck im Inland sowie durch die Aufwertung der Lira günstigere Importpreise sollten die Inflationsrate wieder zurück in den einstelligen Bereich bringen.

An einem anderen Ort geht der Haushaltsstreit in der EU weiter. Auf dem Video-Gipfel ist es den Staats- und Regierungschefs gestern Abend nicht gelungen, die Blockade des 1,8 Mrd. Euro schweren Finanzpaketes durch Polen und Ungarn zu lösen. Nun richten sich die Blicke auf den nächsten EU-Gipfel am 10. Dezember – sonst droht ab Januar ein Nothaushalt.

19.11.2020
Brexit: Die Uhr tickt!

Das Dauerthema Brexit beschäftigt weiter die Gemüter des Marktes. Derweil läuft die Zeit für die Übergangsphase am 31. Dezember 2020 aus. Stand heute, gibt es allerdings noch immer kein Ergebnis zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Nach wie vor sind Themen wie Fischereirechte, uniforme Wettbewerbsbedingungen, die Stellung des EU-Gerichtshof bei Handelsstreitigkeiten und das Binnenmarktgesetz nicht geklärt. Premierminister Johnson hat derzeit zusätzlich mit weiteren Unwägbarkeiten zu kämpfen. Solange das Binnenmarktgesetz, das den Warenverkehr durch Großbritannien nach Nordirland regelt, nicht geklärt ist, könnte das Freihandelsabkommen zwischen den USA und Großbritannien verzögert werden. Hinzu kommt, dass Johnson aufgrund eines positiven COVID-19 Tests derzeit unter Quarantäne steht, die Brexit-Verhandlungen aber dennoch weiterlaufen. Ob eine Einigung zwischen EU und GB tatsächlich zustande kommt, bleibt nach wie vor ungewiss. Die Wahrscheinlichkeit hierfür sinkt von Tag zu Tag.

 

Ein anderes Thema sind wie immer die Aktienmärkte, an denen gestern verhalten optimistische Stimmung herrschte. Gegenüber den Beschränkungen, bedingt durch die heikle Pandemiesituation , stehen Hoffnungen auf die baldige Verfügbarkeit eines Impfpräparats. BioNTech und Pfizer gaben bekannt, dass die finale Wirksamkeit ihres Vakzins noch höher ist als in einer ersten Mitteilung bekannt gegeben.

18.11.2020
Polen, Ungarn und Italien machen Ärger

Im Sommer hatte sich die EU wegen der Corona-Pandemie äußerst mühsam auf ein Hilfspaket geeinigt: 750 Milliarden Euro für den Corona-Wiederaufbaufonds und noch einmal knapp 1,1 Billionen für den mittelfristigen EU-Haushalt. Vor allem beim Wiederaufbaufonds drängt die Zeit. Besonders stark von der Pandemie betroffene Länder wie Italien, Spanien und Frankreich sollen hierdurch Zuschüsse und Kredite erhalten, um die konjunkturelle Erholung in Europa zu beschleunigen. Ungarn und Polen wehren sich nun jedoch dagegen, dass die Auszahlung von EU-Mitteln an die Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien geknüpft werden soll. Zu beiden Ländern gibt es Kritik am Umgang mit der Justiz, den Medien und teils auch der Wissenschaft. Weil die Pläne allerdings einstimmig verabschiedet werden müssen, liegen jene nun auf Eis, weshalb versucht wird, mögliche Kompromisse auszuloten. Derweil fordert die in Italien mitregierende Fünf-Sterne-Bewegung von der EZB den Erlass von Corona-bedingten Staatschulden. Die von der EZB gehaltenen Anleihen Italiens lagen vor der Pandemie bei rund 140 Mrd. Euro und dürften durch die Krise bis zum Jahresende auf ca. 200 Mrd. Euro angewachsen sein. Während der italienische Präsident des Europaparlaments David-Maria Sassoli einen Schuldenerlass als „interessante Arbeitshypothese“ bezeichnete, erteilte EZB-Vize Luis de Guindos diesem Wunsch allerdings eine klare Abfuhr. Weil Artikel 123 im EU-Vertrag die monetäre Staatsfinanzierung untersage, gäbe es keine rechtliche Basis hierfür.

 

Der neue Super-Pakt RECP, welchen China mit 14 asiatisch-pazifischen Staaten abschloss, dürfte den Druck auf die deutsche Autoindustrie weiter verschärfen. Da Japan und Südkorea Mitglied des Freihandelsabkommen sind, haben Toyota, Honda, Nissan sowie Hyundai und Kia einen wichtigen Zugang zum chinesischen Automarkt." Gleiches gelte für Zulieferer wie Denso, Bridgestone oder Sumitomo und wichtige asiatische Batterielieferanten wie Panasonic oder Samsung.

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