Aktien- und Anleihemärkte

Aktien und Anleihen standen am Dienstag weltweit erneut unter Druck. Hintergrund sind die anhaltenden Spannungen im Iran, die bislang keine Hinweise auf eine Entspannung erkennen lassen, sowie zunehmende Sorgen über mögliche längerfristige Störungen der Energiemärkte. Der Brent-Ölpreis stieg zeitweise auf über 85 USD. Der S&P 500 gab in einem breiten Marktabschwung zwischenzeitlich mehr als 2 Prozent nach, der DAX über 4 Prozent. An den Zinsmärkten rechnen Investoren inzwischen mit geringeren Chancen für zwei Zinssenkungen der US-Notenbank im Jahr 2026. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erhöhte sich angesichts gestiegener Inflationssorgen deutlich auf 4,07 Prozent. Für den Euroraum wird mittlerweile mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 25 Prozent eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte im laufenden Jahr eingepreist. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg um 10 Basispunkte auf 2,75 Prozent. Der US-Dollar legte zu, während der Goldpreis nach vier Tagen mit deutlichen Anstiegen eine Pause einlegte.

Bedeutung der Straße von Hormus

Im Fokus steht weiterhin die Straße von Hormus, ein zentraler Engpass des globalen Ölhandels. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge, über die rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird, ist derzeit blockiert. Vertreter der iranischen Revolutionsgarde kündigten im Staatsfernsehen an, Schiffe anzugreifen, die versuchen sollten, die Passage zu durchqueren. Die Internationale Energieagentur sprach von „erheblich beeinträchtigten“ Transportströmen, betonte jedoch, dass die Öl- und Gasproduktion in der Region bislang weitgehend stabil sei. Sollte die Blockade über mehrere Monate bestehen bleiben und zu zunehmenden Lieferengpässen führen, könnte dies die globale Konjunktur spürbar belasten. Zentralbanken würden einen solchen Angebotsschock voraussichtlich nicht mit zusätzlichen Zinserhöhungen beantworten, allerdings könnten geplante Zinssenkungen verschoben oder ausgesetzt werden.

Maßnahmen der USA zur Sicherung des Öltransits

Die US-Regierung bemüht sich, die Auswirkungen des Konflikts auf die weltweite Energieversorgung zu begrenzen. Washington plant, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus mit staatlichen Risikoversicherungen sowie Marine-Eskorten zu unterstützen. Präsident Trump erklärte, die US-Entwicklungsfinanzierungsbehörde DFC werde politische Risikoversicherungen für Reedereien, Charterer und große Seeversicherer bereitstellen, um Kriegsschäden und andere politische Risiken abzudecken. Zudem stellte er in Aussicht, dass die US-Marine Tanker „so bald wie möglich“ durch die Engstelle am Eingang zum Persischen Golf begleiten werde. Die Vereinigten Staaten würden den freien Energiefluss „unter allen Umständen“ gewährleisten. Die Märkte reagierten auf diese Ankündigungen nur begrenzt positiv. Es bestehen Zweifel, dass Versicherungen und Eskorten kurzfristig zu einer Normalisierung der Öl- und Gaslieferungen führen können. Der S&P 500 konnte seine Verluste im Tagesverlauf zwar halbieren und schloss mit einem Minus von 1 Prozent, doch die asiatischen Börsen eröffneten am Mittwoch erneut mit deutlichen Kursrückgängen und setzten damit den Abwärtstrend der vergangenen Tage fort.

 

Nach heutigem Stand gehen wir von eher begrenzten und vorübergehenden Auswirkungen auf die globalen Kapitalmärkte aus – sofern es nicht zu einer nachhaltigen Eskalation oder länger anhaltenden Störungen der Energieversorgung kommt. Geopolitische Ereignisse führen erfahrungsgemäß vor allem kurzfristig zu erhöhter Nervosität, ohne langfristige Trends grundlegend zu verändern.

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