- 17. Februar 2026
Impulsflaute an Europas Börsen Der europäische Aktienmarkt hat am Montag schwächer geschlossen. Der DAX verlor 0,5 % auf 24.801 Punkte - Hauptbelastungsfaktor war ein deutlicher Kursrutsch bei Siemens um 6,41 %, der den Leitindex spürbar nach unten zog. Deutlich robuster zeigte sich der Euro Stoxx 50: Er gab lediglich 0,1 % auf 5.979 Zähler nach. Das Marktumfeld blieb bemerkenswert lethargisch: sehr ruhiger Handel, dünne Umsätze, kaum frische Impulse. In Asien standen die Börsen in China und Südkorea feiertagsbedingt still. An den Festlandbörsen (Shanghai/Shenzhen) wird der Handel erst am 24. Februar wieder aufgenommen, in Hongkong bleibt die Börse vom 17. bis 19. Februar geschlossen. Auch an der Wall Street ruhte der Handel am Montag wegen "Washington's Birthday". Im laufenden Handel liegt der Nikkei 225 knapp 0,96 % im Minus. Für den DAX rücken heute auf der Unterseite die Unterstützungen um 24.751 und 24.715 Punkte in den Fokus. Auf Einzeltitelebene stehen aus dem DAX vor allem Heidelberg Materials und Zalando markttechnisch im Blickfeld! ZEW Index im Fokus Um 8:00 Uhr veröffentlicht Destatis die endgültigen Verbraucherpreisdaten (CPI) für Januar. Im Mittelpunkt steht, ob die finalen Zahlen für Deutschland die vorläufige Schätzung bestätigen: Zuletzt wurde für Januar eine Inflationsrate von +2,1 % zum Vorjahr gemeldet, bei +0,1 % zum Vormonat. Der Blick der Märkte richtet sich um 11:00 Uhr auf den ZEW-Index. Für den Monat Februar erwartet die LBBW einen Anstieg auf 65 Punkte. Im Vormonat lag der ZEW-Erwartungsindex bei 59,6 Punkten, nachdem er im Monatsvergleich deutlich zugelegt hatte. Gleichzeitig blieb die Lagekomponente mit 72,7 Punkten tief im negativen Bereich. Ein klassisches Bild: bessere Erwartungen, aber weiterhin schwache Gegenwart. Ein Wert von 65 im Gesamtindex würde die Lesart stützen, dass sich die Zuversicht festigt - getragen von nachlassendem Inflationsdruck, der Hoffnung auf planbarere Zinsen und einer stabileren Konjunkturwahrnehmung.
- 16. Februar 2026
US-Außenminister diplomatisch, aber bestimmt im Ton Am Wochenende blickten politische Beobachter gespannt auf die Münchner Sicherheitskonferenz. Im Vordergrund stand dabei die Rede von US-Außenminister Marco Rubio. Zur Erinnerung: Im letzten Jahr schockte US-Vizepräsident Vance die europäischen Delegierten, indem er externe Bedrohungen wie die russische Aggression vom Tisch wischte und mit Blick auf Europas Klima-, Migrations- und Gesellschaftspolitik stattdessen die größte Gefahr für den Kontinent im Inneren verortete. Das uneingeschränkte Nato-Commitment der USA ließ er dabei ebenso offen. Rubio gab sich in diesem Jahr diplomatischer. Er betonte die kulturelle und historische Verbundenheit zwischen den USA und Europa und hob die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen hervor. Nichtdestotrotz ist die freundlichere Rhetorik nicht als Rückkehr zum Statuts vor Trumps Amtsantritt zu verstehen. Denn Rubio war in der Sache ebenso hart wie Vance. Er warnte vor dem kulturellen Niedergang des Westens, forderte 'Gegenseitigkeit' und Lastenteilung ein, und drohte zugleich, dass man notfalls auch ohne die Europäer die eigene politische Agenda umsetzen werde. Europa hat vielleicht rhetorisch eine Atempause gewonnen, aber die Notwendigkeit, sich um die eigene Verteidigungsfähigkeit zu kümmern sowie die Kooperation mit gleichgesinnten Staaten auszubauen, hat durch Rubios Rede eher zu als abgenommen. EZB weitet Liquiditätsschirm aus Ein Signal in Richtung verstärkter internationaler Zusammenarbeit sendete unterdessen am Samstag die Europäische Zentralbank aus. Zentralbanken weltweit können sich ab dem dritten Quartal dieses Jahres gegen die Vorlage von in Euro denominierten Sicherheiten permanent Euro-Liquidität bei der EZB in Höhe von bis zu 50 Milliarden Euro besorgen. Die dabei zum Einsatz kommende Eurosystem-Repo-Fazilität für Zentralbanken (EUREP) war ursprünglich im Juni 2020 als ad-hoc Kriseninstrument eingeführt worden, um während der Pandemie Liquiditätsengpässe an den globalen Märkten zu vermeiden. Bisher blieb der Zugang jedoch vornehmlich auf Zentralbanken in Ost- und Südosteuropa beschränkt. Die nunmehrige Ausweitung auf alle Zentral-banken soll laut EZB-Präsidentin Lagarde die Finanzmarktstabilität verbessern, Notverkäufe europäischer Anlagen bei globalen Marktverwerfungen verhindern und die Rolle des Euro als zweitwichtigste Weltreservewährung stärken. China gewährt (fast) ganz Afrika Zollfreiheit Auch China treibt seine diplomatische Charmeoffensive auf der Weltbühne weiter voran. Ab Mai 2026 gewährt das Reich der Mitte allen 53 afrikanischen Staaten, mit denen es diplomatische Beziehungen unterhält, vollständige Zollfreiheit für Importe. Zuvor galt Zollfreiheit nur für die am wenigsten entwickelten Staaten des Kontinents. Peking macht damit einen entscheidenden Schritt in der Festigung seiner Beziehungen mit afrikanischen Partnern. Neben der Stärkung der Lieferketten (v.a. im Rohstoffbereich) dürfte dies auch chinesische Firmen motivieren, ihre Präsenz am afrikanischen Markt weiter auszubauen. Außen vor bleibt nur das im südlichen Afrika gelegene Binnenland Eswatini. Das Königreich erkennt seit 1968 Taiwan als Staat an, weswegen China keine offiziellen Beziehungen zu Eswatini unterhält. Ruhiger Start in die Handelswoche Die neue Handelswoche dürfte angesichts feiertagsbedingt geschlossener US-Märkte (Presidents' Day) sowie der anstehenden Neujahrsfeierlichkeiten in weiten Teilen Ost- und Südostasiens (in China lässt das Jahr des Feuerpferdes grüßen) verhalten starten. In Europa stehen heute die Daten zur Industrieproduktion für Dezember im Fokus. In den USA wird es vor allem am Freitag spannend. Denn mit der Veröffentlichung der BIP-Zahlen für das 4. Quartal wird sich zeigen, mit wie viel Schwung die US-Wirtschaft das vergangene Jahr beenden konnte.
- 13. Februar 2026
Berichtssaison in vollem Gange Die Berichtssaison der Unternehmen läuft auf Hochtouren. Gestern berichteten 25 Index-Mitglieder aus dem S&P 500 sowie 32 Unternehmen aus dem Stoxx Europe 600. Dazu zählte auch das DAX-Schwergewicht Siemens, das nach guten Quartalszahlen die Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr anhob. Die Siemens-Aktie stieg daraufhin um über 6 %, lag am Tagesende aber nur noch gut 1 % im Plus. Im Zuge schwächerer US-Börsen konnte auch der DAX den zwischenzeitlichen Sprung über die Marke von 25.000 nicht halten und schloss nahezu unverändert bei 24.853 Punkten. Der technologielastige US-Index Nasdaq litt gestern mit einem Minus von 2 % am stärksten unter aufkommenden Bewertungs-Sorgen rund um das Thema KI, was heute Morgen auch die Börsen in Asien belastete. Alphabet zapft Anleihemärkte an Das US-Schwergewicht Alphabet hatte bereits in der vergangenen Woche seine Quartalszahlen vorgelegt. Obwohl die Ergebnisse über den Erwartungen lagen, verlor die Aktie des Google-Mutterkonzerns seitdem. Grund waren hohe angekündigte Investitionen von bis zu 185 Mrd. USD im Zuge der KI-Offensive. Zur Finanzierung des enormen Volumens greift Alphabet verstärkt auf die Bondmärkte zurück. Allein in dieser Woche beschaffte sich der US-Konzern umgerechnet rund 32 Mrd. USD durch die Ausgabe neuer Anleihen. Auf eine Mega-Transaktion im US-Heimatmarkt über 20 Mrd. USD folgten Rekordausgaben in UK und der Schweiz: Mit 5,5 Mrd. GBP und 3,1 Mrd. CHF platzierte Alphabet in den beiden Währungsräumen die bisher mit Abstand größten Unternehmensanleihen-Transaktionen. Zu den Neuemissionen von Alphabet in britischem Pfund zählte auch eine Anleihe über 1 Mrd. GBP mit einer ultra-langen Laufzeit von 100 Jahren. Eine so lange Laufzeit von einem Technologie-Unternehmen hatte es zuletzt vor fast 30 Jahren gegeben (1997 vom US-Konzern Motorola). Die neuen Anleihen von Alphabet trafen in allen Währungen auf eine sehr hohe Nachfrage der Investoren und waren mehrfach überzeichnet. Für die am Montag begebenen 7 USD-Bonds über insgesamt 20 Mrd. USD gab es zwischenzeitlich Orders von über 100 Mrd. USD. Dies passt ins Bild der aktuell starken Nachfrage nach Unternehmensanleihen: Bei der Mega-Transaktion des US-Technologiekonzerns Oracle in der Vorwoche (8 neue Bonds über insgesamt 25 Mrd. USD) hatten Investoren ein Rekordvolumen von fast 130 Mrd. USD gezeichnet. Heute US-Inflationsdaten im Fokus Für den Euroraum wird heute die Handelsbilanz vom Dezember veröffentlicht sowie die zweite Schätzung zur BIP-Entwicklung in Q4/2025 (Erstschätzung: +0,3 % QoQ). Stärker im Fokus steht die Entwicklung der US-Konsumentenpreise. Die LBBW erwartet, dass diese im Januar gegenüber dem Vormonat erneut leicht angestiegen sind (im Dezember waren es +0,3 % im Monatsvergleich). Im Jahresvergleich könnten negative Basiseffekte allerdings dafür sorgen, dass die US-Kerninflation von 2,6 % auf 2,5 % sinkt, was den niedrigsten Wert seit Frühjahr 2021 darstellen würde. Am Wochenende geht es mit Weltpolitik weiter: Fast 50 Staats- und Regierungschefs treffen sich bei der 62. Münchner Sicherheitskonferenz.
- 12. Februar 2026
EU-Gipfeltreffen zur Industriepolitik In Belgien zu Alden Biesen, einer ehemaligen Komturei des Deutschen Ordens, treffen sich heute die Staats- und Regierungschefs der EU zur erlauchten Tafelrunde. Die Erwartungen sind groß. Manch einer sieht die EU zu einem regelrechten Kreuzzug gegen die Marktwirtschaft aufbrechen. Dabei geht es um die Frage, wie sie sich in einer Welt des zunehmenden Protektionismus positionieren soll. Europas Industrie hat in den letzten Jahren an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China verloren. Das Verhältnis zu den USA ist spätestens seit dem Liberation Day sowie der damit einhergehenden Erhöhung der Zollsätze belastet. Nun soll es Protektionismus "Made in EU" richten. Angedacht ist die Bevorzugung von Produkten europäischer Provenienz bei staatlichen Einkäufen. Die EU-Kommission will unter dem Namen Industrial Accelerator Act (IAA) in Kürze einen entsprechenden Plan vorstellen. Der französische Präsident Emmanuel Macron wirbt zudem für eine gezielte Förderung von Investition in bestimmten Bereichen (Verteidigung, Grüne Technologien, Künstliche Intelligenz und Quantencomputer). Finanziert werden soll das durch gemeinsame Schulden, durch Eurobonds - seit langem schon so etwas der Heilige Gral der französischen Europapolitik. Merz-Meloni statt Merz-Macron? Gegen diese Pläne hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz ausgesprochen, der darin von Staaten der EU aus dem Norden und Nordosten unterstützt wird. Gewarnt wird vor mehr Bürokratie und weniger Investitionen. Zumindest sollten Reichweite und Dauer dieser Pläne eng begrenzt werden, so die Kritiker. Merz hat sich überdies der Rückendeckung durch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni versichert. Italien ist noch vor Frankreich die Nr.2 in Sachen Industrie in Europa. Die deutschen und italienischen Interessen dürften daher in vielen Punkten nahe beieinander liegen. US-Arbeitsmarkt überrascht positiv Der US-Arbeitsmarktbericht für Januar wurde gestern veröffentlicht. Später als üblich, weil der jüngste Shutdown den Zeitplan der amtlichen Statistik erneut durchkreuzte. Mit 130.000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft legte die Beschäftigung überraschend stark zu. Die Arbeitslosenquote sank von 4,4 % auf 4,3 %. Der Anstieg der Löhne hat sich im Monatsvergleich von 0,1 % auf 0,4 % beschleunigt. Obgleich die Revisionen der Vormonate das bisherige Ergebnis für den Stellenaufbau 2025 deutlich nach unten zogen, dürften die nun vorliegenden Daten es der US-Notenbank erschweren, die Leitzinsen zeitnah zu senken. Da der im Mai scheidende FOMC-Chairman Jerome Powell aber ohnehin als Befürworter einer abwartenden Geldpolitik gilt, dürften ihm diese Zahlen durchaus gelegen kommen. Frische Daten gibt es heute aus Großbritannien. Im vierten Quartal 2025 dürfte das BIP um 0,2 % zum Vorquartal zugelegt haben. Außerdem kommen Zahlen zu den Verkäufen von Bestandswohnimmobilien in den USA, die im Januar 2026 etwas schwächer gewesen sein sollten als im Dezember 2025.
- 11. Februar 2026
Von der Wall Street zur Main Street Die gestern veröffentlichten US-Einzelhandelsumsätze für Dezember 2025 blieben hinter den Erwartungen zurück. Die amtlichen Statistiker meldeten eine Stagnation der Umsätze gegenüber dem Vormonat. Die zuvor von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Volkswirte hatten indes im Median einen Anstieg um 0,4 % vorhergesagt. Die LBBW haltet gleichwohl an ihrer Prognose fest, dass der persönliche Verbrauch im Schlussquartal 2025 mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von gut 3 % gewachsen sein sollte, nach einer Jahresrate von 3,5 % im dritten Quartal 2025. Dieses kräftige Wachstum des persönlichen Verbrauchs steht nur vordergründig im Kontrast zur allgemein gedrückten US-Konsumentenstimmung. Die Umfragen unter US-Verbrauchern zeigen nämlich auch, dass die Bezieher höherer Einkommen weniger Trübsal blasen. Und auf das reichste Fünftel entfallen knapp 40 % des persönlichen Verbrauchs, andere Berechnungen gelangen sogar zu noch höheren Anteilen. Da Gutverdiener über größere Aktienportefeuilles verfügen dürften, sollten diese auch stärker von der Hausse an der Wall Street profitieren. Das Aktienvermögen im Verhältnis zum Verfügbaren Einkommen hat im dritten Quartal 2025 ein Allzeithoch erreicht. Das sollte die Konsumneigung der Gutverdiener stützen. Der eine oder andere US-Verbraucher dürfte auch schon Ausgaben im Vorgriff auf die in der Regel im März und April erfolgenden Steuerrückzahlungen getätigt haben. Diese sollten diesmal unter anderem aufgrund der Regelungen im OBBBA-Gesetzespaket höher ausfallen als gewöhnlich. Da die US-Wirtschaft im Ergebnis viel Schwung aus dem Jahr 2025 in das Jahr 2026 mitgenommen haben dürfte - der Statistiker spricht von einen positiven Überhang -, hat die LBBW kürzlich ihre US-Wachstumsprognose für das Jahr 2026 von 1,5 % auf 2,5 % angehoben. Der Dow Jones schloss gestern leicht im Plus und verzeichnete damit sein drittes Rekordhoch in Folge. Die Party geht also vorerst weiter - zumindest für die Gutverdiener. Heute US-Arbeitsmarktbericht Der erneute "Government Shutdown" in den Vereinigten Staaten hat die Veröffentlichungstermine der US-Konjunkturindikatoren durcheinandergewirbelt. Die Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichtes für Januar 2026 wurde vom 6. Februar auf heute, den 11. Februar, verschoben. Nach aktuellen Prognosen wird die US-Wirtschaft im abgelaufenen Monat 60 Tausend neue Stellen geschaffen haben, nach einem Zuwachs von 50 Tausend im Dezember. Zur Einordnung: Noch im Jahr 2024 belief sich der durchschnittliche Stellenzuwachs pro Monat auf knapp 170 Tausend. Da es die US-Wirtschaft zuletzt vermochte, trotz dieses geringen Beschäftigungsanstieges ihre gesamtwirtschaftliche Leistung mit Jahresraten von gut 4 % zu steigern, müssen die Produktivitätsgewinne entsprechend hoch sein. Dies drückt die Lohnstückkosten und hemmt damit auch den Preisauftrieb auf der Ebene der Endverbraucher. Und liefert zudem die Antwort auf unsere Frage: “Sag mir, wo die Zölle sind! Wo sind sie geblieben?”
- 10. Februar 2026
Villeroy wirft hin Völlig überraschend hat gestern der Präsident der französischen Zentralbank, Francois Villeroy de Galhau, seinen Rücktritt angekündigt. Er wird Anfang Juni seine Tätigkeit beenden - über ein Jahr vor Ablauf seiner bis Oktober 2027 reichenden Amtszeit. Das Vorschlagsrecht für seinen Nachfolger obliegt dem französischen Präsident Emmanuel Macron. Der Finanzausschuss der Nationalversammlung muss aber der Ernennung des Kandidaten zustimmen. Villeroy ist seit November 2015 Präsident der Banque de France. Die Amtszeit eines Präsidenten der Banque de France beträgt satzungsgemäß sechs Jahre. Eine Wiederernennung ist einmalig möglich. Villeroy befindet sich am Ende seiner zweiten Amtszeit gewissermaßen auf der Zielgeraden seiner geldpolitischen Laufbahn. Des Pudels Kern ist die Pariser Politik Der Schlüssel für den unerwarteten Schritt von Villeroy dürfte in der französischen Politik zu finden sein. Würde Villeroy bis zum satzungsgemäßen Ende seiner Laufbahn ausharren, könnte die Nachfolgefrage eine delikate Angelegenheit werden. Im Elysee-Palast säße dann womöglich mit Marine Le Pen oder Jordan Bardella ein Präsident aus den Reihen des Rassemblement National (RN). Eine Mehrheit des RN in der Nationalversammlung ist zwar aus heutiger Sicht wenig wahrscheinlich, aber auch dort dürfte der Einfluss der Rechtspopulisten nach den Wahlen 2027 steigen. Im Vorgriff darauf gibt Villeroy Präsident Macron somit eine Gelegenheit, eine Personalentscheidung von Gewicht zu treffen. Villeroy zählt aufgrund seiner großen Erfahrung und der Bedeutung Frankreichs zu den Schwergewichten im EZB-Rat. Die Finanzmärkte hat die Ankündigung aus Paris dennoch kalt gelassen. Weder der Euro noch die französischen Staatsanleihen zeigten eine nennenswerte Reaktion. US-Einzelhandelsumsätze dürften Dynamik verlieren Die wichtigsten Daten dürften heute die Einzelhandelsumsätze in den USA im Dezember sein. Seit einigen Monaten geht die Rede von der K-förmigen US-Konjunktur: Alles rund um das Thema KI und entsprechende Investitionen brummt. Im Rest der Wirtschaft läuft es dagegen nur mäßig. Der private Konsum gilt als Rückgrat der US-Wirtschaft. Er wurde Berichten zufolge zuletzt vor allem von den Gewinnern des KI-Booms getrieben, deren Konsum vom Vermögenseffekt begünstigt wurde. Zumindest eine kleine Verlangsamung der Dynamik im US-Einzelhandel wird dennoch erwartet. Der Einzelhandelsumsatz dürfte um 0,4 % zum Vormonat gestiegen sein nach +0,6 % im November. Aufmerksamkeit verdienen auch die Füllstände der deutschen Gasspeicher. Nach Angaben von AGSI (Aggregates Gas Storage Inventory) lag der Speicherstand am Sonntag bei 27% - deutlich weniger als in den Vorjahren zur selben Zeit. Zwar ist die allgemeine Versorgungslage heute wegen der Verfügbarkeit von LNG-Terminals insgesamt besser als zu Beginn des Ukraine-Kriegs. Dafür ist dieser Winter aber auch deutlich kälter als seine Vorgänger der letzten Jahre.
- 9. Februar 2026
Super-Wahl-Sonntag: Portugal, Thailand, … Wen interessiert American Football? Es war ein Super-Wahl-Sonntag! Keine Zeit für Bowling. In Portugal wurde der Sozialist Antonio Jose Seguro mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten gewählt. Der bisherige Amtsinhaber, Marcelo Rebelo de Sousa, dürfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Rechtsausleger Andre Ventura kam bei der gestrigen Abstimmung auf lediglich rund 30 Prozent der Stimmen. In Thailand gewannen die Konservativen unter Ministerpräsident Anutin Charnvirakul die dortige vorgezogene Parlamentswahl. Die Schwierigkeiten, nun eine Koalitionsregierung zu bilden, gelten als überschaubar. Zeitgleich mit der Parlamentswahl stimmte Thailand über eine neue Verfassung ab. Das von den Militärs 2017 in Kraft gesetzte Statut wurde beim gestrigen Wahlgang ad acta gelegt. Ökonomisch stellt sich der neuen politischen Führung in Bangkok die Aufgabe, das Land in Schwung zu bringen. Der Tourismus schwächelt. Ein bewaffneter Grenzkonflikt mit Kambodscha im vorigen Jahr ist noch frisch in Erinnerung. Eine hohe Schuldenlast drückt den Konsum der privaten Haushalte. Thailand gehört ökonomisch aktuell in Südostasien zu den Underperformern. … Japan Gleichfalls vorgezogene Parlamentswahlen, gleichfalls geplagt von einer mauen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung: Japan. Dort fuhren Ministerpräsidentin Sanae Takaichi und deren Partei, die LDP, gestern einen Erdrutschsieg ein. Gemäß Hochrechnungen kann die Liberaldemokratische Partei im Unterhaus mit bis zu 328 Sitzen rechnen, bei 465 Sitzen im Parlament insgesamt. Selbst wenn es am Ende ein paar Sitze weniger werden: Es winkt eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit. Takaichi steht für eine weiter laxe Fiskalpolitik, trotz einer Staatsverschuldung bereits jetzt, die unter den großen Industrienationen ihresgleichen sucht. Die Gefahr besteht, dass Druck auf die japanische Notenbank ausgeübt wird, die Leitzinsen niedriger anzusetzen, als dies gesamtwirtschaftlich geboten wäre. Seit dem vorigen Jahr weht in der japanischen Wirtschaftspolitik ein neuer Wind. Besonders krass zeigt sich dies beim Außenwert des Yen. Innerhalb eines Jahres hat der Yen gegenüber dem Euro nominal um knapp 16 % verloren. Für die Zeit seit dem Amtsantritt Takaichis als Ministerpräsidentin, seit dem 21. Oktober 2025, summieren sich die Verluste auf immerhin knapp 5 %. Eine schuldenfinanzierte expansive Fiskalpolitik wirkt, für sich genommen, stützend auf eine zugehörige Währung. Dass der Yen aktuell unter Druck steht, beruht auf der Erwartung am Markt einer alsbald wieder lockereren Geldpolitik. Notfalls mag ja die Geldpolitik "an die Kette" gelegt werden. Frau Takaichi wird so ziemlich alles zugetraut. Für die Aktien in Tokio ist das gestrige japanische Wahlergebnis ein gutes Zeichen: Der Nikkei 225 sprang jetzt zu Wochenbeginn um bemerkenswerte 4,4 % nach oben.
- 6. Februar 2026
EZB ohne Handlungsdruck Nachdem die Notenbank in Großbritannien die Leitzinsen gestern unverändert bei 3,75 % belassen hatte, startete auch die EZB das neue Jahr mit einer weiteren Zinspause. In der Eurozone gab es zuletzt positive Wirtschaftsentwicklungen, und angesichts der weiter sinkenden Inflationsgefahr im Januar bestand für die EZB kein Handlungsbedarf. Die Teuerungsrate rutschte im Januar mit 1,7 % sogar unter das 2%-Ziel der EZB. Daher hat die EZB die Leitzinsen unverändert belassen. Der Einlagesatz blieb unverändert bei 2 %. Die EZB dürfte nun zunächst abwarten, wie der Führungswechsel bei der US-Notenbank von Jerome Powell zu Kevin Warsh vollzogen wird. Sollten keine erheblichen äußeren Störungen auftreten - immerhin hat die EZB bereits betont, bei ungeordneten Marktbewegungen einzugreifen -, könnte sich für EZB-Präsidentin Christine Lagarde und ihr Direktorium ein vergleichsweise ruhiges Jahr abzeichnen. Europas Anleger hielten sich bereits im Vorfeld der EZB-Zinsentscheidung mit Engagements zurück und richteten stattdessen ihren Fokus auf die Ausblicke und Kommentare von Ratschefin Christine Lagarde. Der Mangel an Hinweisen zum weiteren geldpolitischen Fahrplan verunsicherte jedoch die Investoren. DAX und Euro Stoxx 50 traten bis zum Nachmittag auf der Stelle und gingen letztendlich mit einem Minus von jeweils 0,5 % und 0,75 % aus dem Handel. Ausverkauf bei Bitcoin Die allgemeine Risikoaversion an den Finanzmärkten, die Kursrücksetzer bei Technologieaktien und Unsicherheiten hinsichtlich der zukünftigen Geldpolitik der US-Notenbank Fed haben den Kursverfall der ältesten Kryptowährung, Bitcoin, weiter verstärkt. Gestern rutschte der Kurs unter 70.000 USD und notiert heute Morgen, nach einem temporären Einbruch auf 60.000 USD, bei rund 65.000 USD. Damit lösten sich sämtliche Gewinne seit dem Wahlsieg Trumps - einem Befürworter von Kryptowährungen - in Luft auf. Auftragsboom zum Jahresende Nach einer langen Krise in der deutschen Industrie zeichnet sich derzeit eine Trendwende ab. Die deutsche Industrie verzeichnete im Dezember das größte Auftragsplus seit Dezember 2023. Das Neugeschäft legte den vierten Monat in Folge - auch dank staatlicher Investitionen - um 7,8 % zum Vormonat zu, wie Destatis gestern mitteilte. Gegenüber dem Vorjahresmonat steht beim Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe sogar ein Plus von 13 % auf dem Tableau- die höchste Jahreswachstumsrate seit Juli 2021. Zwar gab der Sonderfaktor Großaufträge den Ausschlag für den gewaltigen Anstieg. Aber auch der um Großaufträge bereinigte Auftragseingang legte erneut zu. In Summe sieht diese Entwicklung stark nach einer Trendwende aus. Es gibt somit erstmals seit längerer Zeit Grund zur Zuversicht. Zumindest die Prognose, dass das deutsche BIP im laufenden Jahr um rund 1 % zulegen wird, erscheint durchaus realistisch. Arbeitsmarktdaten für nächste Woche Aufgrund des teilweisen Regierungsstillstands in den USA wird das Bureau of Labor Statistics (BLS) den für heute geplanten Arbeitsmarktbericht für Januar nicht veröffentlichen. Das BLS, Teil des Arbeitsministeriums, war nur bis zum 30. Januar finanziert. Auch andere Berichte, wie die Erhebung über offene Stellen und die Arbeitskräftefluktuation im Dezember sowie die Beschäftigungs- und Arbeitslosigkeitsdaten in Metropolregionen, werden verschoben. Aktuell ist die Veröffentlichung für den 11. Februar vorgesehen. Im Konsens erwarteten Analysten für Januar einen Stellenzuwachs von 70.000, nach 50.000 im Dezember. Die Arbeitslosenquote dürfte nach der Reuters-Konsenschätzung unverändert bei 4,4 % gelegen haben. Abgesehen davon veröffentlicht die University of Michigan zum Wochenschluss ihre Februarauswertung zum US-Verbrauchervertrauen.
- 5. Februar 2026
Inflation auf Fünfjahrestief Die Inflation im Euroraum hat zu Jahresbeginn deutlich an Tempo verloren. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Januar im Schnitt um 1,7 % gegenüber dem Vorjahresmonat, wie Eurostat in Luxemburg in einer ersten Schätzung meldete. Damit erreicht die Teuerung den niedrigsten Stand im Währungsraum seit April 2021. Treiber der Entspannung ist vor allem der nachlassende Preisdruck in großen Mitgliedsländern. In Frankreich fiel die Inflationsrate zu Jahresbeginn auf 0,4 %, in Italien lag sie bei 1,0 %. Deutschland hebt sich davon ab: Hier stiegen die Verbraucherpreise zuletzt weiterhin um 2,1 % und dämpfen damit den Rückgang auf Ebene der Währungsunion. Heute im Fokus Die deutschen Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe wurden heute um 08:00 Uhr veröffentlicht. Sie legten im Dezember 2025 überraschend stark um 7,8 % im Monatsvergleich zu und übertrafen damit die Markterwartungen deutlich. Haupttreiber waren Großaufträge im Bereich der Metallerzeugnisse (+30,2 %) sowie im Maschinenbau (+11,5 %). Am Nachmittag folgt der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank. Erwartet wird eine unveränderte Einlagenfazilität von 2 %, gestützt durch stabilere Konjunktursignale und eine Gesamtinflation leicht unter dem 2‑%-Ziel. EZB‑Chefökonom Philip Lane sprach zuletzt von einem „Goldilocks‑Szenario“. Auch die Terminmärkte preisen für 2026 kaum Veränderungen ein. Aufmerksamkeit dürfte zudem die jüngere Euro‑Aufwertung gegenüber dem US‑Dollar erhalten. Österreichs Notenbankchef Martin Kocher deutete an, dass bei anhaltender Euro‑Stärke eine Zinssenkung nicht ausgeschlossen sei.
- 4. Februar 2026
Goldpreis weiter auf Erholungskurs Am 29. Januar hatte der Goldkurs in den Morgenstunden sein bisheriges Allzeithoch bei 5.595,47 US-Dollar je Feinunze markiert. Hierauf folgte ein nahezu beispielloser Einbruch. Am frühen Morgen des 2. Februar lag der Goldpreis im Tief nur noch bei 4.402,95 und damit um 21,3 % niedriger. Seither hat sich der Goldkurs jedoch wieder deutlich erholt und dabei die Marke von 5.000 US-Dollar wieder klar übersprungen. An den Aktienmärkten war die Stimmung gestern jedoch schlechter, wenngleich die US-Börsen einen Teil ihrer Verluste in den späten Handelsstunden wieder wettmachen konnten. Es verblieb dennoch ein Minus von 0,84 % beim S&P 500 und sogar -1,55 % an der US-Technologiebörse Nasdaq. Alphabet-Zahlen ante portas Die US-earnings season zum 4. Quartal 2026 ist in vollem Gange. Besonders beäugt werden hierbei die nach Kapitalisierung acht größten Titel im Index, welche allesamt - mal mehr, mal weniger stark - an der KI-Phantasie hängen. Nach Apple, Meta, Microsoft und Tesla, welche schon in der Vorwoche berichteten, ist nun heute nach US-Börsenschluss Alphabet an der Reihe. Morgen - ebenfalls erst nach der Schlussglocke - folgt mit Amazon das sechste jener Giganten. Auf die Zahlen der letzten beiden Vertreter müssen die Anleger indes noch länger warten. Nvidia berichtet am 25. Februar und Broadcom sogar erst am 6. März. So euphorisch wie in den vergangenen Quartalen immer und immer wieder, wurden die Zahlen der KI-Großkaliber dieses Mal jedoch nicht abgefeiert. Im Gegenteil: Die Reaktion der Anleger fielen sogar höchst selektiv aus: Während Apple und Meta den S&P 500 seither um 5,1 respektive 4,3 Prozentpunkte outperformen konnten, hinken Tesla und Microsoft dem Markt seit ihren Zahlen um 1,3 bzw. sogar massive 13,8 Prozentpunkte hinterher. Daher darf man gespannt sein wie die Anleger auf die Alphabet-Zahlen reagieren werden. Von allen Mitgliedern der Big 8 dürfte die Erwartungshaltung hier nämlich am ambitioniertesten sein. Schließlich legte die Alphabet-Aktie in den gut dreizehn Monaten seit Ultimo 2024 um knapp 80 % zu, während die Kurse der vier zuvor genannten Unternehmen in diesen dreizehn Monaten bis zur Veröffentlichung ihrer jeweiligen Quartalszahlen durchgängig nur seitwärts tendierten. Zahlen beiderseits des Atlantiks Diesseits des Atlantiks dürfte der Fokus heute auf den für 11 Uhr terminierten vorläufigen Zahlen zu den harmonisierten Verbraucherpreisen im gesamten Euroraum für Januar liegen. Dabei wird erwartet, dass die Kernrate bei 2,3 % YoY verharren wird, während die Headline von 1,9 % im Dezember auf nun 2,0 % gestiegen sein sollte. Dies entspräche genau dem Niveau, welches die EZB als Zielgröße ausgegeben hat, weshalb die LBBW davon ausgeht, dass Lagarde & Co. auf der morgigen - und aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf den hierauf folgenden Notenbanksitzungen - nicht am Leitzins rütteln werden. Jenseits des Atlantiks dürften die Anleger zunächst auf den Bericht des privaten Arbeitsmarktdienstleisters ADP zur Beschäftigungssituation im Januar schauen. Erwartet wird hierfür ein US-weites Stellenplus von 40.000. Im späteren Tagesverlauf folgen in den USA noch die Januar-Zahlen zum ISM-Einkaufsmanagerindex zum Dienst-leistungssektor. Während im Konsens ein leichter Rückgang erwartet wird, sind unsere Research Partner aus Baden-Württemberg hierfür deutlich optimistischer.
- 3. Februar 2026
Aktienmärkte drehen wieder ins Plus Am Montag drehte die Stimmung der Marktteilnehmer dies- und jenseits des Atlantiks zurück ins Positive. Den Preisrutsch bei Rohstoffen steckten die Aktienmärkte wieder weg und legten zu. Zuletzt hatte die Nominierung des früheren Notenbankdirektors Kevin Warsh als Nachfolger von Fed-Chef Jerome Powell für ein abruptes Ende der fulminanten Edelmetallrally gesorgt. Die Aussicht auf möglicherweise länger anhaltende höhere Zinsen ließ den Dollar aufwerten und Anleger stießen insbesondere Gold und Silber ab. In der neuen Handelswoche scheinen sich die Börsianer wieder zunehmend auf positive Konjunkturdaten und Unternehmenszahlen zu fokussieren. Der S&P 500 brachte damit eine dreitägige Verlustserie hinter sich und verbuchte einen Zuwachs in Höhe von 0,54 %. Der DAX beendete den Tag mit einem Plus von 1,05 %. Der Euro Stoxx 50 schloss einen Prozentpunkt höher. Ölpreis lässt Federn Am Rohölmarkt sorgte unterdessen eine Deeskalation der Spannungen zwischen den USA und dem Iran für fallende Preise. Ein Fass der Sorte Brent ermäßigte sich am Montag um rund 5 %. Donald Trump hatte zuvor erklärt, das OPEC-Mitglied führe ernsthafte Gespräche mit Washington. Darüber hinaus begünstigten der stärkere Dollar und mildere Wettervorhersagen den Preisrückgang. Berichtssaison weiter im Fokus Auch am heutigen Dienstag stehen wieder einige Veröffentlichungen auf der Agenda. Insbesondere von Seiten der Einzeltitel wird es im Zuge der laufenden Berichtssaison neue Impulse geben. Quartalszahlen werden heute unter anderem Merck, Pfizer und AMD veröffentlichen. Insbesondere letztere dürften die Anleger mit Spannung erwarten, nachdem die eigentlich soliden Zahlen von Microsoft in der vergangenen Woche mit Kursturbulenzen im Technologiesektor einhergingen. Befürchtungen der Wall Street hinsichtlich der Kosten für die Entwicklung künstlicher Intelligenz brodeln bereits seit Monaten unter der Oberfläche des Aktienmarkts. Die Free-Cash-Flow-Renditen der großen Tech-Giganten sind bereits jetzt durch die anlässlich des KI-Wettrüstens überproportional gestiegenen Investitionsausgaben (CAPEX) sichtbar geschmälert. Langfristig wird dies auch auf die Gewinne durchschlagen, wenngleich verlängerte Abschreibungszyklen dies künstlich hinauszögern. Abgesehen vom KI-Trubel wird die EZB heute um 10 Uhr außerdem die Ergebnisse der Bank Lending Survey veröffentlichen.
- 2. Februar 2026
Trump nominiert Kevin Warsh Nachdem sich die Gerüchte gegen Ende der vergangenen Handelswoche verdichtet hatten, wurde es am Freitag offiziell: Auf Wunsch von Präsident Trump soll Kevin Warsh Jerome Powell als Notenbankchef beerben. Damit endet eine lange Phase der Spekulationen über die Nachfolge an der Spitze der Federal Reserve. Selten zuvor wurde eine Entscheidung dieser Art mit so großer Spannung erwartet wie diesmal, denn die Nominierung wurde eng mit der Frage nach dem künftigen Kurs der US-Notenbank und insbesondere ihrer Unabhängigkeit verknüpft. Die Währungshüter stehen unter massivem Druck seitens Trump, die Zinsen zu senken und die Geldpolitik in seinem Sinne auszurichten. Ob Warsh ihm dabei Schützenhilfe leisten wird, ist offen. Während er in den Jahren 2006 bis 2011, als er bereits einmal Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Fed war, eher als 'Falke' auftrat und vor Inflationsrisiken einer zu lockeren Geldpolitik warnte, äußerte er sich in jüngerer Zeit häufiger unterstützend zu niedrigeren Zinsen. Am Ende dürfte er sich - ähnlich wie Powell - in einem schwierigen Spagat wiederfinden: den US-Präsidenten und zugleich die Marktteilnehmer zufriedenzustellen. Chinas Industrie zeigt zum Jahresauftakt gemischtes Bild Die am Sonntag und heute veröffentlichten Frühindikatoren zur chinesischen Industrieentwicklung zeigen ein gemischtes Bild. Nach einer kurzen Erholung im Dezember rutschte der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe im Januar überraschend stark auf 49,3 Punkte ab (nach 50,1 im Dezember). Die Eintrübung zeigte sich dabei sowohl bei Angebots- als auch bei Nachfrageindikatoren. Besser fiel hingegen der stärker auf exportorientierte Unternehmen ausgerichtete RatingDog-PMI aus. Dieser signalisiert mit einem Anstieg auf 50,3 (nach 50,1) eine Beschleunigung. Sowohl Produktion als auch Neuaufträge legten zu. Entwarnung geben die Zahlen aber nicht. Im Prinzip bestätigen sie nur das Bild, dass die Außennachfrage weiterhin Motor der Wirtschaft bleibt, während die Binnennachfrage schwächelt. Bedenklich stimmt zudem, dass sich die Geschäftsaussichten in beiden PMIs deutlich eingetrübt haben. Zur Stabilisierung der Lage dürfte aus Sicht der Landesbank Baden-Württemberg zuerst die Notenbank in Vorleistung gehen. Eine breit angelegte Zinssenkung könnte bereits in den kommenden Wochen anstehen. Rohstoffmärkte im Blick Die massiven Turbulenzen an den Rohstoffbörsen in der vergangenen Woche ließen wohl nicht wenige Beobachter staunend zurück. So legten Gold und Silber bis zur Wochenmitte - nach bereits starken Anstiegen seit Jahresanfang - erneut deutlich zu, bevor Silber am Freitag mit -26 % die schärfste Tageskorrektur seiner Geschichte verzeichnete. Gold verbuchte unterdessen mit -9 % den stärksten Rückgang seit über einem Jahrzehnt. Metalle wie Kupfer wurden von der Dynamik ebenso erfasst und verzeichneten in der Spitze zweistellige Abschläge. Der rasche Verfall des US-Dollars zu Wochenbeginn, massive Zuflüsse in Edelmetall-ETFs sowie Befürchtungen einer neuen US-Intervention im Iran dürften allesamt zur Marktübertreibung beigetragen haben. Auch heute Morgen stehen die Edelmetalle unter deutlichem Abgabedruck. Gold stand zuletzt bei 4.550 USD (-7 %), Silber bei 74,6 USD (-12 %). Die LBBW wertet die jüngsten Rücksetzer eher als überfällige Korrektur nach einer überhitzten Rally und überkauften Niveaus. Zwar könnten die Edelmetalle kurzfristig weiter schwach tendieren, die fundamentalen Treiber bleiben aber intakt: Handels- und geopolitische Risiken, fiskalische Sorgen, und die anhaltende Diversifizierung globaler Währungsreserven wer-den die Edelmetallpreise mittelfristig weiter stützen.