- 9. Jänner 2026
Auftragsboom für deutsche Industrie Nach Angaben von Destatis lag der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland im November 2025 um 5,6 % über dem Vormonatswert. Ohne Großaufträge lag das Plus bei 0,7 %. Im Drei-Monats-Vergleich ging es von September bis November um 4,0% aufwärts im Vergleich zu den drei Monaten davor. Auch wenn die Zahl noch das Vorjahr betrifft, war das sozusagen ein Auftakt nach Maß. Endlich mal eine Zahl von der deutschen Konjunktur, an der es nichts zu meckern gibt. Die gilt umso mehr, als die anhaltende Konjunkturkrise den Unternehmen weiterhin schwer zusetzt. Nach Angaben des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle ist die Zahl der Unternehmenspleiten in Deutschland 2025 wegen der Konjunkturkrise so hoch ausgefallen wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Insgesamt habe es 17.604 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften gegeben. Das ist die größte Zahl seit 2005. "Selbst im Zuge der großen Finanzkrise 2009 lag die Zahl rund fünf Prozent niedriger", teilte das Institut mit. Insgesamt waren etwa 170.000 Arbeitsplätze von diesen Insolvenzen betroffen. Einen traurigen Rekord vermelden auch die Kommunen in Deutschland. "Die Talfahrt ihrer Finanzen setzt sich fort", so der Deutschen Städte- und Gemeindebund. Im Gesamtjahr 2025 wird es voraussichtlich ein Defizit von 30 Mrd. Euro geben. Gründe dafür seien zum einen eine stagnierende Wirtschaft, was sich in nur leicht wachsenden Steuereinnahmen niederschlage. Überdies steigen die Ausgaben stark. Dafür verantwortlich sind hohe Tarifabschlüsse für die kommunalen Beschäftigten, aber auch stark steigende Kosten für soziale Leistungen. US-Handelsbilanz deutlich verbessert Aus den USA gab es Daten zur Handelsbilanz. Im Oktober hat sich das monatliche Defizit nahezu halbiert. Gab es im September noch einen Fehlbetrag von 48,1 Mrd. US-Dollar im Warenhandel, sank dieser im Oktober auf 29,4 Mrd. US-Dollar. Was lange währt… Heute könnte endlich das Mercosur-Abkommen in der EU die Hürde im EU-Rat nehmen. Die Vorbehalte Italiens für das Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten Südamerikas scheinen ausgeräumt. Damit wäre eine qualifizierte Mehrheit erreicht, nach 25 Jahren Verhandlungen wäre das Abkommen unterschriftsreif. Die heutigen Daten beinhalten Zahlen zu Industrieproduktion in Deutschland. Man darf gespannt sein, ob sich die positive Überraschung von gestern in anderer Form wiederholt. Die Konsenserwartung der von Reuters zuvor befragten Volkswirte liegt bei minus 0,4 %. Aber wegen der Jahreswende ist diese Umfrage weniger aussagekräftig als sonst, insofern ist das Überraschungspotential sehr groß. Aus den USA werden Daten zum Arbeitsmarkt im Dezember vorgelegt. Die LBBW erwartet einen nur minimalen Anstieg der Beschäftigung um 50 Tsd. im Monatsvergleich. Die Arbeitslosenquote dürfte damit bei 4,6 % liegen. Diese Zahlen dürften sowie die damit verbundene Änderung der Stundenlöhne einen wichtigen Fingerzeig für die Geldpolitik in den USA geben.
- 8. Jänner 2026
Inflation im Euroraum gesunken Die Inflationsrate im Euroraum betrug im Dezember 2025 nach vorläufigen Daten 2,0 %, was dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) entspricht. Im Vormonat lag die Inflationsrate mit 2,1 % etwas höher. Unter den Hauptkomponenten des Verbraucherpreisindexes legten laut Eurostat die Preise für Dienstleistungen im Dezember mit 3,4 % im Vergleich zum Vorjahresmonat am stärksten zu, gefolgt von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (+2,6 %). Die Energiepreise gingen dagegen um 1,9 % zurück. Bereits am Dienstag wurden die vorläufigen Daten zur Teuerung in Deutschland veröffentlicht. Die Verbraucherpreise stiegen im Dezember 2025 nach EU-harmonisierter Rechnung um 2,0 %. Dies lag unter der Bloomberg-Konsensschätzung von 2,2 %. Im November 2025 hatte die deutsche Inflation noch 2,6 % betragen. Auch in Frankreich und Spanien minderte sich der Preisdruck im Dezember etwas. Für die EZB liefern die neuesten Daten zur Teuerung keinen Grund, von ihrem Kurs abzuweichen. Die LBBW erwartet in diesem Jahr unveränderte Leitzinsen. DAX überschreitet 25.000 Punkte Am gestrigen Handelstag überschritt der DAX erstmals die Schwelle von 25.000 Punkten. Bereits am Dienstag hatte der deutsche Aktienindex an dieser Marke gekratzt und sowohl im Handelsverlauf als auch auf Schlusskursbasis ein neues Allzeithoch erklommen. Die Aktienkurse wurden durch die Hoffnung auf eine Konjunkturbelebung aufgrund der staatlichen Milliardenpakete für Infrastruktur und Rüstung beflügelt. Die Nachfrage nach Rüstungsaktien bleibt vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen ohnehin hoch. Zudem sorgte die Hoffnung auf weiter sinkende Ölpreise nach dem US-Angriff auf Venezuela für eine positive Stimmung an der Börse. Der KI-Boom ließ erneut Zuversicht aufkommen: Siemens verkündete gestern eine Erweiterung seiner Kooperation mit dem KI-Riesen Nvidia. An den US-Börsen sorgte Donald Trump gestern für Verunsicherung. Er will laut eigenen Angaben großen institutionellen Investoren den Kauf von Einfamilienhäusern untersagen, damit Wohnraum für die Bevölkerung erschwinglich bleibt. Auch die Rüstungsindustrie geriet in seinen Fokus: Der US-Präsident kündigte an, den Rüstungsunternehmen die Auszahlung von Dividenden oder den Rückkauf von Aktien zu untersagen, bis diese die Waffenproduktion beschleunigen. Heute Wirtschaftsvertrauen Euroraum Heute dürften sich die Augen der Investoren zunehmend auf den morgen anstehenden offiziellen US-Arbeitsmarktbericht richten. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes ist für die Federal Reserve von zentraler Bedeutung für ihren weiteren Zinspfad. Gestern veröffentlichte Arbeitsmarktdaten brachten keine eindeutigen Erkenntnisse. Auf dem Makrokalender stehen heute erst einmal das Wirtschaftsvertrauen und die Arbeitslosenquote für den Euroraum. Jenseits des Atlantiks erwarten uns US-Daten zur Produktivität sowie die Lohnstückkosten. An den Finanzmärkten dürften zudem die politischen Nachrichten weiter aufmerksam verfolgt werden. US-Präsident Donald Trumps Ansprüche auf Grönland bleiben ein Risikofaktor.
- 7. Jänner 2026
Produktivität schlägt Einfuhrzölle Nach Ansicht des Präsidenten der Federal Reserve Bank of Richmond, Tom Barkin, beschreibt der Titel "I'm Still Standing" von Elton John treffend den Zustand der US-Wirtschaft. Trotz mannigfaltiger Rezessionsprophezeiungen vermochte es die US-Wirtschaft im dritten Quartal 2025, mit einer Jahresrate von 4,3 % zuzulegen. Damit dürfte es für das Gesamtjahr 2025 auf eine Rate von gut 2 % herauslaufen. Eine Rezession sieht freilich anders aus. Dabei hatten die Skeptiker gute Argumente auf ihrer Seite. Die Erhöhung der US-Einfuhrzölle steigert die Einstandskosten der US-Unternehmen und führt zu einer Anpassung der Lieferketten. Die geringere Nettozuwanderung infolge der Änderung der US-Migrationspolitik belastet den Konsum sowie das Arbeitsangebot. Darüber hinaus trat der Staat bei seinen Ausgaben auf die Bremse. So sanken die Ausgaben des Zentralstaates (ohne Verteidigung) im dritten Quartal 2025 um 3,6 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Einfuhrzölle haben zwar die Einstandskosten in die Höhe getrieben, aber die Auswirkungen auf die Verbraucherpreise blieben bislang sehr verhalten. Die Inflationsrate sank jüngst sogar, und zwar von 3,0 % im September auf 2,7 % im November. Auch wenn die November-Inflationsrate durch die spätere Erhebung der Preise infolge des Regierungsstillstandes nach unter verzerrt sein dürfte, ändert dies nichts am Befund, dass die Inflation auf Ebene der Endverbraucher angesichts der Erhöhung der Einfuhrzölle von gut 2 % im Jahr 2024 auf knapp 17 % Mitte November 2025 überraschend niedrig geblieben ist. Die geringe Überwälzung der Einfuhrzölle drängt die Schlussfolgerung auf, dass die US-Unternehmen eine Einengung ihrer Gewinnmargen hinnehmen mussten, aber dem ist nicht so. Die US-Unternehmen konnten die höheren Einstandskosten weitgehend durch Produktivitätssteigerungen auffangen. Dadurch konnten die Lohnstückkosten konstant gehalten werden. Dies kompensierte die höheren Einstandskosten. Trotz all dieser positiven Überraschungen ist der US-Konjunkturausblick mit hohen Risiken behaftet, denn die US-Wirtschaft steht nur auf einem Bein: Dem KI-Boom. Dieser ist ursächlich für den rasanten Anstieg der Anlageinvestitionen im abgelaufenen Jahr. Abseits des KI-Booms sind die Unternehmen sehr zögerlich mit einer Ausweitung ihrer Investitionen. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim persönlichen Verbrauch. Dieser legte im dritten Quartal 2025 mit einer Jahresrate von 3,5 % zu. Aus Umfragen wissen wir jedoch, dass die Konsumentenstimmung ins Bodenlose abgesackt ist. Nur Besserverdienende sind noch guter Laune. Diese profitieren dank ihres Aktienportefeuilles von der Hausse der "glorreichen Sieben", womit wir wieder beim KI-Boom wären. Ein Pro-Argument für die US-Wirtschaft ist kürzlich jedoch hinzugekommen: Der Preis für eine Gallone Benzin ist dieser Tage unter die Marke von 2,80 US-Dollar gefallen. Sollte dieses Preisniveau gehalten werden, dürfte die US-Verbraucher im Jahr 2026 an den Tankstellen gut 90 Mrd. US-Dollar oder 0,4 % ihres Verfügbaren Einkommens sparen. Diese Entlastung dürften vor allem die Bezieher niedriger Einkommen spüren. Da Geringverdiener eine höhere Konsumneigung haben, sollte der stimulierende Effekt auf die US-Konjunktur größer ausfallen. In dieser verworrenen Gemengelage dürfte die US-Notenbank ihren Zinssenkungskurs nur vorsichtig fortsetzen, zumal das "neutrale" Leitzinsniveau nach Ansicht vieler Fed-Offizieller schon erreicht ist. Nach Prognose der LBBW wird die Fed 2026 nur noch einmal die Leitzinsen senken.
- 5. Jänner 2026
Kurswechsel in Caracas Delcy Rodriguez, Venezuelas neue Präsidentin, sucht nach der Festnahme Maduros durch die USA die Annäherung an Washington. In einer Erklärung lud sie die USA zu einer "Kooperationsagenda" im Rahmen des Völkerrechts ein - ein deutlicher Schwenk nach scharfer Erstkritik. Präsident Donald Trump kündigte an, ein US-Team werde das Land "führen", warnte Rodriguez zugleich und forderte "vollen Zugang" zum Öl. Außenminister Marco Rubio betonte, Taten zählten mehr als Worte. Intern droht Widerstand von Hardlinern. Maduros Status gilt offiziell als "vorübergehende Abwesenheit"; er soll in New York vor Gericht erscheinen. Tech-Euphorie treibt Asiens Börsen auf Rekord Asiens Aktienmärkte haben zum Wochenauftakt neue Höchststände erklommen. Der MSCI-Index für die Region legte zeitweise um 1,7 % zu, angeführt von Schwergewichten der Halbleiterindustrie wie Samsung Electronics und Taiwan Semiconductor Manufacturing. Der japanische Nikkei liegt aktuell sogar bei über 3 % im Plus. Auch Schwellenländerbarometer erreichten Rekordstände, während die Aktienfutures auf amerikanische und europäische Leitindizes ebenfalls zulegten. Der anhaltende Kapitalzufluss in KI bleibt der zentrale Treiber: Nach dem stärksten Jahresauftakt seit 2012 setzt der Markt darauf, dass hohe Investitionen der Tech-Konzerne die Gewinnentwicklung weiter stützen. Edelmetalle glänzen, Öl schwankt Parallel dazu stiegen die Preise für Edelmetalle kräftig: Silber gewann bis zu 4,8 %, Gold zog um rund 2 % an. Kupfer näherte sich in Erwartung einer angespannten Angebotslage seinen historischen Höchstständen. Am Ölmarkt blieb die Reaktion auf die jüngsten Ereignisse in Venezuela zunächst verhalten: Brent gab zum Handelsstart zwar bis zu 1,2 % nach, erholte sich aber rasch und pendelte sich nahe 61 Dollar je Barrel ein. Berichte, wonach zentrale Fördereinrichtungen und Verladehäfen des Landes weiterhin operativ sind, dämpften die Sorge vor nachhaltigen Lieferausfällen. Zinsen, Daten und die Geopolitik An den Anleihemärkten sank die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen leicht auf 4,18 %, der Dollar legte moderat zu. Geopolitische Risiken stützen zwar die Nachfrage nach sicheren Häfen wie Edelmetallen, haben bislang jedoch keine ausgeprägte Flucht in Staatsanleihen ausgelöst - zu präsent ist das KI-Narrativ an den Aktienmärkten. Die Geldpolitik bleibt datengetrieben: In dieser Woche stehen unter anderem die JOLTS-Zahlen zu offenen Stellen am US-Arbeitsmarkt, die ISM-Umfragen sowie der US-Arbeitsmarktbericht an.
- 2. Jänner 2026
Drei starke Aktienjahre in Folge An den deutschen Börsen wurden die Bücher für 2025 am 30. Dezember geschlossen. Der DAX rückte auf 24.490 Punkte vor, womit er nur 0,5 % unter seinem Allzeithoch schloss. Mit einem Plus von 23,0 % knüpfte er an die beiden guten Vorjahre an; seine Performance seit 1988 stieg rechnerisch auf 8,66 % p.a. Aus Sicht der LBBW haben die Aktienmärkte damit aber einen Vorschuss auf die kommenden Jahre genommen. An den US-Börsen wurde auch an Silvester gehandelt, die Indizes schlossen leichter. Von der Jahresperformance von 15,7 % für den S&P 500 ging aus Sicht eines Euro-Anlegers allerdings der Großteil durch die Dollarschwäche verloren. Nach drei Plusjahren in Folge, getrieben durch den KI-Boom, erwarten die großen Wall-Street-Broker auch 2026 deutliche Gewinne. Weihnachtstrubel bei Gold und Silber Die Edelmetallpreise legten zum Jahresende fulminant zu und zeigten außergewöhnlich starke Ausschläge. Der Silberpreis raste kurz nach dem Fest bis auf 83 USD pro Feinunze, bevor er wieder auf 70 USD zurückfiel. Noch heftigere Kapriolen schlugen Platin und Palladium mit prozentual zweistelligen Tagesbewegungen. Eine Rolle spielt dabei sicher der dünne Handel nach Weihnachten, der spekulative Ausschläge in marktengen Metallen begünstigt. Grundsätzlich spiegelt sich im starken Anstieg der Edelmetallpreise aber auch eine wachsende Unsicherheit der Anleger hinsichtlich der langfristigen Geldstabilität wider. Steigende Staatsschulden, politischer Abwertungsdruck auf den US‑Dollar und vor allem der Versuch des Weißen Hauses, verstärkten Einfluss auf die Notenbank zu nehmen, sprechen für Anlagen in der „ultimativen Währung“ Gold. Das gelbe Metall schloss das Jahr 2025 in USD gerechnet mit einem Plus von 65 % ab und zog die übrigen Edelmetalle in seinem Sog mit nach oben. Unruhige Zeiten in der Politik Die Ernennung des neuen Fed-Chefs steht für Januar auf der Agenda, ebenso wie eine neue Folge der Dauerserie US-Haushaltsstreit. Die im November beschlossene Zwischenfinanzierung gilt nur bis zum 31. Januar. Angesichts der näher rückenden Zwischenwahlen dürfte die Kompromissbereitschaft weiter sinken. Schon jetzt bröckelt die Republikaner-Mehrheit im Repräsentantenhaus, da zahlreiche Abgeordnete ihren Rückzug angekündigt haben, unter anderem die schrille MAGA-Exponentin Marjorie Taylor Greene. Die Epstein-Affäre, die wie ein Kaugummi an den Sohlen des Präsidenten klebt, tut ein Übriges. Donald Trump hat den Zenit seiner Macht möglicherweise schon überschritten, was ihn aber dazu bringen könnte, den Einsatz noch zu erhöhen. Bleibt die Außenpolitik als Spielfeld, aber auch dort liegen die Erfolge nicht auf der Straße. Der Versuch, die Ukraine mit massivem Druck in einen Kapitulationsfrieden zu zwingen, ist gescheitert, ein Kriegsende ist allen großspurigen Ankündigungen zum Trotz nicht in Sicht. Ob die Aktionen gegen Venezuela den Friedensnobelpreis näher rücken lassen, ist zu bezweifeln. Der Westentaschen-Bolivar Nicolas Maduro dürfte allerdings seine Zukunft hinter sich haben. Und die LBBW wagt zudem die Prognose, dass dasselbe für das iranische Mullah-Regime gilt. Dessen Implosion könnte die erste große Überraschung des neuen Jahres darstellen. Wir wünschen allen Lesern ein frohes und erfolgreiches neues Jahr 2026!
- 19. Dezember 2025
EZB hält still, Bank of England senkt, Bank of Japan erhöht den Leitzins Die EZB hat die Leitzinsen unverändert belassen. Der maßgebliche Einlagesatz bleibt bei 2%. Die Projektionen für Inflation und BIP-Wachstum wurden per Saldo leicht angehoben. Die Anpassungen fielen aber insgesamt erwartungsgemäß moderat aus. Erstmals gibt es auch Projektionen für 2028. Am Ende des Projektionshorizonts 2028 erwarten die Volkswirte der EZB und der nationalen Zentralbanken eine Inflationsrate von 2,0 % und ein BIP-Wachstum von 1,4 %. Die Bank of England hat ihren Leitzins wie erwartet um 25 Basispunkte auf 3,75 % gesenkt. Vier der neun Mitglieder wollten in der gestrigen Sitzung den Zins unverändert lassen. Die Inflation liegt zwar noch über dem Ziel, hat aber nachgegeben. Damit bleibt die Tür für weitere Schritte im kommenden Jahr offen. Für Unternehmen und Kreditnehmer ist das ein kleiner, aber wichtiger Rückenwind. Auch die BoJ hat heute Morgen ihren Leitzins neu adjustiert. Durch die Anhebung um 25 Basispunkte auf 0,75 % hat der Leitzins den höchsten Stand seit rund drei Jahrzehnten erreicht. Gleichzeitig ließ die BoJ die Option weiterer Schritte ausdrücklich offen. Der Beschluss fiel einstimmig im Policy Board und markiert die vierte Zinserhöhung unter Gouverneur Kazuo Ueda. Damit beendet die Notenbank das Jahr - trotz Gegenwinds durch US-Zölle und einer vorsichtigen Regierungsführung - mit zwei Zinserhöhungen. Auch wenn das Zinsniveau international weiterhin niedrig ist, markiert der Schritt einen weiteren Meilenstein in den Normalisierungsbemühungen von Gouverneur Kazuo Ueda. Treiber bleibt die hartnäckige Teuerung: Vor allem hohe Lebensmittelpreise halten die Inflation seit fast vier Jahren über dem Zielwert von 2 %. Entsprechend kam die Entscheidung nicht überraschend - am Markt war sie im Vorfeld mit rund 90 % eingepreist. Erdgaspreise im Sinkflug Die Erdgaspreise für Lieferung in einem Monat sind am niederländischen TTF auf 26,53 Euro je MWh gefallen - der niedrigste Stand seit Anfang April 2024. Ausschlaggebend ist das bislang ungewöhnlich milde Wetter in Mitteleuropa, das die Nachfrage spürbar bremst. Gleichzeitig beschleunigen spekulative Positionierungen am Terminmarkt den Rückgang: Erstmals seit Mitte März 2024 dominieren Netto-Verkaufspositionen der Investmentgesellschaften. Der Aufschlag der Winterkontrakte (Okt. 2025 bis März 2026) gegenüber den Sommermonaten (Apr. bis Sep. 2026) ist auf knapp unter 1,30 Euro je MWh geschrumpft - so niedrig wie seit August 2020 nicht, die Winter-Risikoprämie bleibt damit gering. In Deutschland liegen die Speicher bei rund 63 % und damit unter Vorjahr sowie unter dem EU-Schnitt von 70 %. Markttechnisch wirkt der Markt überverkauft, eine Bodenbildung ist möglich. Taucht nach Weihnachten eine Kältewelle in den Modellen auf, könnte das die Preise abrupt nach oben treiben. Heute im Fokus Um 8:00 Uhr veröffentlichte die GfK das Konsumklima für Januar. Im Dezember stieg der Indikator um 0,9 Punkte auf -23,2 (November: -24,1). Für Januar erwartet die LBBW eine leichte Aufhellung auf -23 Punkte - das Stimmungsbild bliebe damit jedoch klar negativ, eine Trendwende ist nicht in Sicht. Zeitgleich wird der Erzeugerpreisindex (PPI) für November publiziert. Erwartet wird ein Minus von 0,1 % nach +0,1 % im Oktober. Dies ist die letzte Ausgabe des HYPO Börsenblick für das Jahr 2025. Die nächste Ausgabe dieser Publikation erscheint am 2. Januar 2026. Wir wünschen allen unseren Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten sowie einen guten und gesunden Start in das neue Jahr!
- 18. Dezember 2025
Geschäftsklima in Deutschland sinkt Deutschland kommt aus dem Konjunkturtal einfach nicht heraus. Das ifo-Geschäftsklima sank von 88,0 Punkten im November auf 87,6 Punkte im Dezember. Zum Jahresausklang bleibt damit die Konjunktur in Deutschland wolkenverhangen. Dabei ist es besonders enttäuschend, dass die Geschäftserwartungen erneut gefallen sind. Vermutlich spielen hier die Signale aus Berlin eine große Rolle. Die Politik liefert nicht, teilweise agiert sie sogar realitätsblind. In früheren Konjunkturzyklen half in ähnlichen Phasen oft der Erfolg der Industrie auf den Exportmärkten. Davon kann dieses Mal keine Rede sein. Die Mehrzahl der Prognosen für das Jahr 2026 zielt auf eine Wachstumsbelebung ab, geschönt zudem durch einen positiven Kalendereffekt. Nach der gestrigen Veröffentlichung des ifo-Geschäftsklimas und der Einkaufsmanagerindizes vorgestern ist zu konzedieren: Es geht weiter im alten Trott. Schon das BIP-Wachstum im Auftaktquartal 2026 droht zu einer Nullnummer zu werden. BOE dürfte ihren Leitzins senken Die Bank of England (BOE) wird heute Mittag den Zinsentscheid ihrer gestrigen Gremiensitzung verkünden. Nach Prognose der LBBW werden die Währungshüter ihren Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf 3,75 % herunterschleusen. Auf der November-Sitzung des Geldpolitischen Rates votierten bereits vier der neun Mitglieder für eine Leitzinssenkung. Der BOE-Vorsitzende Andrew Bailey votiere damals zwar für eine Beibehaltung des Leitzinsniveaus. Der oberste Währungshüter ließ jedoch durchblicken, auf der nächsten Sitzung unter Umständen für eine Leitzinssenkung stimmen zu wollen. Da die britische Inflationsrate von 3,6 % im Oktober auf 3,2 % im November gefallen ist und auch andere, jüngst veröffentlichte Konjunkturdaten auf eine Abnahme der Inflationsrisiken hindeuten, dürfte nun mit großer Wahrscheinlichkeit eine Mehrheit für eine Leitzinssenkung zustande gekommen sein. Aus Sicht der Landesbank Baden-Württemberg sollte sich der Zinssenkungskurs der BOE im nächsten Jahr fortsetzen. Eurosystem mit neuer Projektion Gut eine Stunde nach der BOE wird auch die EZB ihren Zinsentscheid verkünden. Hier hält sich die Spannung allerdings in engen Grenzen. Alle der von Reuters befragten Bankvolkswirte erwarten, dass die Notenbanker im Frankfurter Skytower ihre Schlüsselzinsen unverändert lassen werden. Das Augenmerk der Marktteilnehmer dürfte sich vielmehr auf die Inflationsprojektionen des Stabes des Eurosystems richten. Die Experten werden erstmals eine Projektion für das Jahr 2028 erstellen. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hat vor Kurzem durch entsprechende Äußerungen Spekulation entfacht, dass der nächste Zinsschritt der EZB nach oben gehen könnte. Wenn man die Prognosen der LBBW betrachtet, dürfte die Leitzinswende nicht vor dem Jahr 2027 erfolgen. In den Vereinigten Staaten wird heute der Konsumentenpreisindex für November veröffentlicht werden. Die LBBW geht davon aus, dass die Inflation auf eine Rate von 3,2 % zulegen wird. Dies dürfte die US-Notenbank aber nicht davon abhalten, im nächsten Jahr ihren Zinssenkungskurs fortzusetzen. Die Schwäche am US-Arbeitsmarkt dürfte bei der Abwägung der US-Notenbanker schwerer wiegen als der Anstieg der Inflationsrate.
- 17. Dezember 2025
US-Arbeitslosenquote: 4-Jahres-Hoch Das US-Arbeitsministerium veröffentlichte gestern nicht nur den Arbeitsmarktbericht für November, sondern auch die nachträglich erhobenen Daten zur Beschäftigungsentwicklung im Oktober. Ursächlich für die Verzögerung war die lange Haushaltssperre (Government Shutdown), in der US-Behörden manche Tätigkeiten vorübergehend einstellen mussten. Auch dadurch sank die Zahl der Beschäftigten im Oktober um 105 Tausend und stieg im November um 64 Tausend. Der US-Arbeitsmarkt schwächelt also weiter, bricht aus Sicht der LBBW aber nicht ein: Im Durchschnitt der zurückliegenden drei Monate schuf die US-Privatwirtschaft pro Monat 75 Tausend neue Jobs. Dies ist zwar nur die Hälfte der Beschäftigungszuwächse vom Vorjahr, aber immer noch ein spürbarer Anstieg. Die Stundenlöhne zogen dabei weiterhin an. Allerdings sprang die Arbeitslosenquote von 4,4 % im September auf 4,6 % im November. Dies markiert nicht nur ein neues Jahreshoch (im Januar lag das Jahrestief bei 4,0 %), sondern auch den höchsten Stand nach September 2021 (4,7 %). Bei den US-Einkaufsmanager-Indizes (PMI) gab es einen leichten Rückgang von 54,2 auf 53,0 Punkte, was aber noch im expansiven Bereich liegt. In Summe dürfte die US-Notenbank ihren Zinssenkungskurs auch im kommenden Jahr fortsetzen. Die Aktienmärkte setzten nach den mit Spannung erwarteten Daten ihren leichten Abwärtstrend der vergangenen Tage größtenteils fort. Rückläufige PMI-Werte für Euroraum Für den Euroraum wurden gestern vorläufige Dezember-Daten der Einkaufsmanagerindizes (PMIs) veröffentlicht. In Deutschland musste zum Jahresende ein Rückgang dieser Stimmungsindikatoren verzeichnet werden, sowohl für die Industrie (von 48,2 Punkten auf 47,7) als auch für den Dienstleistungssektor (von 53,1 auf 52,6). Dies lag unter den Erwartungen und wirkte sich auch auf die PMIs für den Euroraum aus, die ebenfalls nachgaben. Beim ZEW Indikator für Deutschland gab es dagegen eine positive Nachricht: Die Erwartungskomponente für die konjunkturelle Entwicklung verbesserte sich von 38,5 auf 45,8 Zähler und übertraf die Erwartungen (Bloomberg-Konsens: 38,4). Allerdings gelang dies nur auf Basis einer verschlechterten Lageeinschätzung (von -78,7 auf -81,0) der befragten Analysten und professionellen Anleger. Heute Daten zum ifo Geschäftsklima Heute stehen nochmals Daten zur Konjunkturentwicklung in Deutschland auf der Agenda: Das ifo-Forschungsinstitut veröffentlichte um 10 Uhr aktuelle Einschätzungen vom Dezember. Für den Geschäftsklimaindex, der im November bei 88,1 Punkten notierte, könnte zum Jahresausklang noch ein kleiner Anstieg herausspringen.
- 16. Dezember 2025
Finanzmärkte haben Flut von US-Wirtschaftsdaten im Blick Die europäischen Börsen haben zum Wochenauftakt leicht zugelegt. Der DAX stieg um 0,2 % auf 24.229 Punkte und bleibt damit gut zwei Prozent unter seinem Rekordhoch. Auch der Euro Stoxx 50 legte zu und kletterte um 0,6 % auf 5.753 Zähler. Allerdings gerieten Rüstungsaktien unter Druck. Hintergrund waren die am Sonntag begonnenen Gespräche zwischen den USA und der Ukraine über einen möglichen Waffenstillstand im Krieg mit Russland. Präsident Selenskyj hatte dabei angeboten, auf einen Nato-Beitritt zu verzichten. Parallel dazu nutzten Investoren an der Wall Street teilweise den jüngsten Rücksetzer bei Technologiewerten für Käufe. Letztendlich dominierte allerdings die Vorsicht der Anleger vor weiteren Engagements im Vorfeld einer Reihe von US-Konjunkturdaten. Besonders die heute zur Veröffentlichung anstehenden Arbeitsmarktzahlen stehen im Fokus, die zuletzt aufgrund des wochenlangen Regierungsstillstands ausgefallen waren. Der nun erwartete Bericht für November umfasst auch Oktoberdaten. Für Oktober werden jedoch lediglich die Beschäftigungszahlen nachgereicht, während für November ein vollständiger Datensatz (mit Arbeitslosenquote und Stundenlöhne) vorgelegt wird. Der S&P 500 und die Techbörse Nasdaq verloren jeweils rund 0,2 % und 0,6 %. Die Börsen in Fernost reagierten heute Morgen ebenfalls mit Zurückhaltung und warten auf Hinweise, um die künftige Geldpolitik der US-Fed besser einschätzen zu können. Der Hang Seng, CSI 300, Kospi sowie Topix und Nikkei 225 notieren um mehr als ein Prozent im Minus. Der DAX könnte gemäß vorbörslicher Indikation ebenfalls mit Verlusten in den Tag starten. Dämpfer für Exporte gen Westen und Osten Die deutschen Ausfuhren dürften im auslaufenden Jahr um weniger als ein Prozent gegenüber dem Vorjahr auf etwa 1,6 Bio. EUR steigen. Das geht aus Berechnungen des bundeseigenen Wirtschaftsförderers Germany Trade & Invest (GTAI) auf Basis der Außenhandelsdaten der ersten drei Quartale hervor. Damit würden die Exporte das dritte Jahr in Folge auf dem Niveau des Nach-Corona-Jahres 2022 verharren. Dabei sinken die deutschen Warenausfuhren nach China im zu Ende gehenden Jahr deutlich: Die deutschen Exporte in die Volksrepublik brechen der Prognose zufolge um rund zehn Prozent auf 81 Mrd. EUR ein. China fällt damit erstmals seit 2010 aus den Top fünf der deutschen Exportziele auf Rang sieben zurück und wird von Großbritannien und Italien überholt. Gründe sind die Schwäche des chinesischen Binnenmarkts sowie die zunehmende lokale Produktion deutscher Unternehmen. Der China-Anteil an den gesamten deutschen Exporten sinkt auf 5,2 % - nach etwa 7,5 % im Jahr 2021. Auch in den USA läuft es schwächer. Die Ausfuhren dorthin dürften gegenüber 2024 um etwa 7,3 % auf knapp 150 Mrd. EUR zurückgehen. Für 2026 rechnet GTAI mit weiteren, jedoch moderateren Rückgängen im US-Geschäft. Dennoch bleiben die USA mit großem Abstand wichtigster Absatzmarkt, vor Frankreich, den Niederlanden und Polen. PMIs und ZEW-Index im Fokus Heute werden für den laufenden Monat die Vorabschätzungen für die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) von S&P Global für die EWU und Deutschland veröffentlicht. Im Konsens dürfte die Stimmung im deutschen Dienstleistungssektor unverändert bleiben und sich im verarbeitenden Gewerbe leicht verbessern. Die beiden Sektoren zusammen dürften in Summe bei 52,4 Zählern auf dem Vormonatsniveau verharren. Heute Vormittag veröffentlicht das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Ergebnisse seiner monatlichen Umfrage unter Analysten und professionellen Anlegern. Der Index für die erwartete konjunkturelle Entwicklung in Deutschland wird nach Einschätzung der LBBW von zuletzt 38,5 auf 45 Punkte steigen.
- 15. Dezember 2025
Asien: Schwacher Start nach enttäuschenden China-Zahlen Die letzte Woche vor Weihnachten verspricht noch einmal spannend zu werden. Zahlreiche Entscheidungen und Wirtschaftsdaten dürften vor der liquiditätsarmen Feiertagszeit für Bewegung sorgen. Bereits heute Morgen konnte dies an den asiatischen Börsen beobachtet werden, welche durchgehend schwach in den Tag starteten. Der japanischen Nikkei 225 lag zuletzt um 1,3 % im Minus, während der koreanische KOSPI um 1,2 % tiefer notierte. Neben dem Abverkauf an den US-amerikanischen Börsen am Freitag drücken auch neue Sorgen aus der chinesischen Wirtschaft auf die Stimmung. Die Einzelhandelsumsätze im November präsentierten sich mit einem Zuwachs von mageren 1,3 % (erwartet wurde ein Plus von 2,9 %) alarmierend schwach, was die zunehmende Kaufzurückhaltung der Haushalte seit den Herbstmonaten erneut unterstreicht. Ähnlich enttäuschend sieht es bei den Investitionen aus, die in den ersten elf Monaten des Jahres um 2,6 % schrumpften (erwartet: -2,3 %). Nur die Industrieproduktion konnte im November mit +4,8 % deutlicher zulegen, verfehlte damit aber ebenfalls die Erwartung. Wenig überraschend machte sich dies auch am Aktienmarkt bemerkbar. Der CSI 300 notierte zuletzt 0,4 % schwächer, der Hang Seng büßte mit -1,1 % stärker ein. Deutschland: Bahn mit Großinvestition Auf dem CSU-Parteitag am Samstag verlangte Bundeskanzler Friedrich Merz von den Delegierten einen langen Atem. Die angestoßenen Strukturreformen würden Zeit benötigen, um ihre volle Wirkung in der Realwirtschaft zu entfalten. Damit dämpft Merz die Erwartungen auf eine baldige wirtschaftliche Kehrtwende. Aus der deutschen Industrie konnte am Wochenende dennoch Positives gemeldet werden. So unterzeichnete die Deutsche Bahn mit der VW-Tochter MAN einen Rahmenvertrag über den Kauf von rund 3.000 Bussen im Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro. Die Auslieferung ist für den Zeitraum 2027 bis 2032 geplant. Für den Münchner Fahrzeughersteller stellt dies den größten Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte dar. Der Aktie von Traton (der börsennotierten Holdinggesellschaft von MAN) könnte dies zum Wochenstart Rückenwind verleihen. Zahlreiche Ereignisse in dieser Woche Eine Reihe wichtiger Konjunkturdaten, vom Arbeitsmarkt über die Industrie bis hin zu Inflation, verspricht eine spannende Woche für Anleger. Den Auftakt machen am Dienstag u.a. die Einkaufsmanagerindizes für Deutschland, gefolgt vom ifo-Geschäftsklima-Index am Mittwoch. In beiden Fällen erwartet die LBBW eine leichte Verbesserung der Stimmung. Am Dienstag stehen in den USA die Arbeitsmarktzahlen für November an (die Oktoberdaten fielen dem Government Shutdown zum Opfer), bevor dann am Donnerstag die US-Verbraucherpreise gemeldet werden. Für die Fed dürften die Daten erneut das Dilemma zwischen einer Abkühlung des Arbeitsmarkts und anziehender Inflation aufzeigen. Bei der Zinsentscheidung der EZB am selben Tag sollte es unterdessen keine Überraschungen geben, der Leitzins dürfte unverändert bei 2 % belassen werden. Zum Abschluss der Handelswoche tagt noch die Bank of Japan. Nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg wird sich die BOJ erstmals seit Januar wieder an eine Zinserhöhung heranwagen. Sowohl das zuletzt gestiegene Nominallohnwachstum als auch der schwache Yen sprechen für eine solche. Gleichzeitig bereiten aber auch die neuen Spannungen mit China in der Wirtschaft erste Sorgen. In einer jüngsten Unternehmensumfrage sahen 43 % der Befragten bereits negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage (mit dem Tourismussektor als Hauptleidtragendem). Es bleibt abzuwarten, wie sehr dies die BOJ in ihrem weiteren Zinspfad beeinflussen wird.
- 12. Dezember 2025
Oracle zieht Tech-Werte nach unten Am Donnerstag verbuchten Aktien aus dem Technologiesektor mehrheitlich Verluste. Grund dafür waren negative Zahlen des Softwarekonzerns Oracle. Das Unternehmen meldete ein überraschend schwaches Wachstum der wichtigen Cloud-Sparte gegenüber dem Vorquartal und warnte vor um 15 Milliarden Dollar höheren jährlichen Ausgaben. Dadurch flammten die Sorgen der Anleger um Fehlinvestitionen im KI-Sektor wieder auf. Infolgedessen brach die Aktie von Oracle um 11 % ein. In der Breite profitierten die wichtigsten Aktienindizes zumindest vom Zinsentscheid der Fed am Mittwoch. Jerome Powell konstatierte lediglich, dass die Notenbank weiter beobachten müsse und klarere Signale abwarte. Die Marktteilnehmer hatten wohl einen etwas pessimistischeren Ton erwartet und waren entsprechend positiv gestimmt. Die Technologieindizes ließ der Fed-Zinsentscheid aber kalt. SNB belässt ihren Leitzins bei 0 % Der Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) war frei von Überraschungen. Der Handlungsdruck für die Währungshüter ist derzeit niedrig, da sich die Inflation am unteren Ende des Zielbereichs befindet. Mittelfristig rechnet die SNB damit, dass die Teuerung auf niedrigem Niveau innerhalb des Korridors bleibt. Zudem haben sich die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft durch die Einigung auf niedrigere US-Zölle wieder aufgehellt. Eine weitere Zinssenkung dürfte vor diesem Hintergrund vorerst nicht auf der Agenda stehen, zumal die Hemmschwelle für die erneute Einführung von Negativzinsen hoch sein dürfte. Heute nur wenige Veröffentlichungen Am heutigen Freitag stehen nur wenige Veröffentlichungen auf der Agenda. Einzig das Bundesamt für Statistik veröffentlichte heute Morgen die finale Inflationsrate für November, deren Schätzung bereits Ende des vergangenen Monats veröffentlicht wurde. Sie lag, wie bereits im Vormonat, bei 2,3 % und bewegt sich damit weiterhin im Zielkorridor der EZB von rund 2 %. Größere Aufmerksamkeit gilt jedoch den US-Inflationsdaten am kommenden Montag. Dies sind dann die ersten Zahlen seit der Fed-Sitzung am Mittwoch, im Rahmen derer die Währungshüter den Leitzins gesenkt hatten. Der Konsumentenpreisindex (CPI), der die Preisentwicklung eines festen und repräsentativen Warenkorbs misst, hatte im September erstmals seit Januar wieder die Marke von 3 % erreicht. Der am Montag veröffentlichte Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE), mit seinen dynamischen Gewichten, könnte sich diesem Wert annähern.
- 11. Dezember 2025
Fed senkt Zinsen zum 3. Mal in Folge Aus Sorge um den Arbeitsmarkt senkte die US-Notenbank Fed gestern zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins. Der Zentralbankrat setzte das Tagesgeldzielband um 25 Basispunkte herab auf eine Spanne von 3,5 bis 3,75 %. Einstimmig erging die Entscheidung allerdings nicht. Die wiederholten abweichenden Voten in den zurückliegenden Monaten zeigen einen Dissens darüber, ob die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung oder die Aufwärtsrisiken für die Inflation höher zu gewichten sind. Die Mehrheit versammelte sich bei der Auffassung, dass eine Stützung des lahmenden Arbeitsmarktes derzeit wichtiger ist. Nach vorne schauend zeigen die Leitzinsprojektionen jedoch, dass der Spielraum für weitere Zinssenkungen schrumpft, sofern man die Preisstabilitätsrisiken nicht vernachlässigen will. Moderate Veränderungen an der Wortwahl der Fed zu möglichen weiteren Zinsschritten lassen eine Präferenz für eine Zinspause zu Beginn des kommenden Jahres erkennen. Euro-Aufwertung prognostiziert Während die EZB über das gesamte nächste Jahr hinweg die Leitzinsen stabil bei 2,15 % belassen dürfte, könnte die Fed im kommenden Jahr noch ein weiteres Mal die Zinsen um 25 Basispunkte senken. Diese unterschiedlichen geldpolitischen Kurse dürften den Renditevorsprung kurzlaufender US-Staatsanleihen gegenüber vergleichbaren deutschen Bundesanleihen verringern. Da die Renditedifferenz seit geraumer Zeit wieder der dominante Treiber des EURUSD Wechselkurses ist, orientiert die LBBW deren Euro- / US-Dollar-Prognose eng an dieser. Bis Ende 2026 erwartet die Landesbank aus Baden-Württemberg demnach einen Wechselkurs von 1,22 US-Dollar je Euro. Der Euro wertete bereits kurz nach dem Zinsentscheid weiter auf und notiert aktuell bei fast 1,17 US-Dollar. Märkte reagieren mit Zurückhaltung Bereits im Vorfeld des Fed-Entscheids galt eine Zinssenkung um 25 Basispunkte an den Finanzmärkten als ausgemachte Sache. Die Börsianer gingen daher in den Wartemodus über. Der DAX und der Euro Stoxx 50 notierten zum Handelsschluss jeweils rund 0,1 % und 0,2 % schwächer bei 24.130 und 5.708 Punkten. Im Fokus der Anleger standen am Ende des Börsentages vor allem die Aussagen zum künftigen geldpolitischen Kurs der Währungshüter. Heute werden die Börsenplätze erst einmal die Statements von Fed-Chef Powell verdauen. An den Börsen in Ostasien überwiegt heute Morgen die Zurückhaltung. Die Kurstafeln in Japan, Hong Kong, Taiwan und China notieren größtenteils im roten Bereich. Auch die vorbörsliche DAX-Indikation deutet darauf hin, dass der hiesige Handelstag mit leichten Verlusten startet. Silberrallye setzt sich fort In Anbetracht niedrigerer Zinssätze wurde die Nachfrage nach Edelmetallen - die inhärent keine Zinsen abwerfen - weiter angekurbelt. Somit setzte sich die Rekordrallye beim Silber vor und nach der Zinssenkung weiter fort. Das Edelmetall legte gestern um rund 4 % zu und erreichte in der Spitze ein historisches Allzeithoch bei fast 62 USD je Feinunze. Damit wurde mitunter die psychologisch wichtige 60-USD-Marke geknackt. Dieser Preissprung dürfte nicht zuletzt auch kurzfristig orientierte Spekulanten und Trendfolger angelockt haben. In der heutigen Handelssession steuerte das Edelmetall bereits einen Preis von 63 USD an. Heute im Fokus Heute stehen weder dies- noch jenseits des Atlantiks marktbewegende Konjunkturnachrichten auf der Agenda. Die Schweizerische Nationalbank dürfte auf ihrer heutigen Notenbanksitzung den Leitzins bei 0 % belassen.