Inflationsängste schlagen Konjunktursorgen
Nach dem positiven Wochenstart mussten die Börsen dies- und jenseits des Atlantiks gestern wieder Federn lassen. Widersprüchliche Signale aus den USA und dem Iran sowie Zweifel an einer Entspannung im Nahost-Konflikt belasteten die Anlegerstimmung. Zusätzlich sorgten Berichte über die Verlegung von 3.000 Fallschirmjägern in die Region für Unsicherheit. Der Dow-Jones-Index verlor 0,2 % auf 46.124 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gab um 0,4 % auf 6.556 Zähler nach. Der technologielastige Nasdaq sank um 0,8 %. Neben den Kursverlusten bei Aktien unterstreichen in jüngster Vergangenheit die gleichzeitigen Kursrückgänge bei Anleihen gewisse Parallelen zur Entwicklung des Jahres 2022. Die Sorge vor einer Wiederholung des Inflationsschocks von 2022 schlägt aktuell stärker zu Buche als etwaige Konjunktursorgen. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen notiert bereits seit drei Tagen bei rund 3 % und damit auf dem höchsten Stand seit Mitte 2011. Vor Ausbruch des Irankrieges lag die Bundrendite bei 2,65 %. In Anbetracht des jüngsten Momentums stellt das Jahreshoch von 2011 in Höhe von 3,5 % aus technischer Sicht eine plausible Zielmarke für die zehnjährige Bundrendite dar.

Keine Entwarnung trotz besserem PMI
Die Auswirkungen des Irankrieges belasten nicht nur die globalen Finanzmärkte, sondern zunehmend auch die Aussichten auf Wachstum, Nachfrage und Geschäftslage. Der an den Finanzmärkten stark beachtete Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft sank im März um 1,3 auf 51,9 Punkte, wie S&P Global gestern mitteilte. Damit notiert das Barometer weiterhin über der 50-Punkte-Marke, ab der Wachstum signalisiert wird. Jedoch dämpft der Nahost-Konflikt den Aufwärtstrend der deutschen Wirtschaft. Im Detail läuft es für die deutsche Industrie trotz der aktuellen Gemengelage relativ gut. Der Subindikator für das verarbeitende Gewerbe, das deutlich energieintensiver als der Dienstleistungssektor produziert, unterstreicht aktuell eine gewisse Robustheit inmitten des zaghaften Konjunkturaufschwungs. Er verbesserte sich im Wachstumsbereich dank des dritten Auftragszuwachses in Folge um 0,8 Zähler und liegt bei 51,7 Zählern. Dies markiert den höchsten Wert seit knapp vier Jahren. Im Mittelpunkt stehen jedoch weiterhin die stark gestiegenen Energiepreise sowie die Material-, Transport- und Lohnkosten. Falls die Öl- und Gaspreise auf dem aktuellen Niveau bleiben, könnten die Risiken für die Konjunkturerholung in Deutschland spürbar steigen. Der Subindex für die Dienstleister gab um 2,3 auf 51,2 Punkte nach. Das ist der schlechteste Wert seit sieben Monaten. Der Rückgang liegt vor allem in rückläufigen Neuaufträgen infolge erhöhter Unsicherheit sowie steigendem Preisdruck begründet. Mit dem ifo-Geschäftsklimaindex für März folgt heute ein weiterer Konjunkturindikator, der sowohl eine Eintrübung der aktuellen Lage als auch, noch stärker, der Erwartungen andeuten dürfte.

Auslandsgeschäft mit Gegenwind
Das Auslandsgeschäft deutscher Unternehmen ist zunehmend von Belastungen geprägt. Ein Risikofaktor im Speziellen stellen die USA dar. Trumps erratische Handelspolitik und rechtliche Unsicherheiten erschweren verlässliche Kalkulationen und machen die langfristige und strategische Planung immer anspruchsvoller. In Anbetracht dessen blicken deutsche Firmen zunehmend skeptisch auf ihr Auslandsgeschäft. Unter den 2.400 von der DIHK im Februar befragten und international aktiven Unternehmen gaben fast 70 % der Betriebe eine Zunahme der Handelshemmnisse an, elf Punkte mehr als im Vorjahr. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005. Zwei Drittel der Unternehmen, die unter zunehmenden Handelshemmnissen leiden, betrachten vor allem höhere Zölle als belastend. Von diesen Unternehmen wiederum betrachten 86 % die USA als die problematischste Region.

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