Keine Spur von Deeskalation

Heute vor vier Wochen berichteten wir an dieser Stelle erstmals über den Irankrieg. Seither hat sich die Lage sichtbar zugespitzt, und nach den Entwicklungen am Wochenende dürfte eine neue Phase der Eskalation bevorstehen. Vor Kurzem trafen zusätzliche US-Streitkräfte in der Region ein, und seit Samstag sind auch die jemenitischen Huthi-Rebellen offiziell in den Krieg eingetreten. Neben Angriffen auf Israel könnte nun auch der gesamte Schiffsverkehr im Roten Meer, und damit wichtige Alternativrouten u.a. für saudisches Pipeline-Öl, zum Erliegen kommen. Zwar werden die USA und wohl auch Saudi-Arabien die Rebellengruppe zu bekämpfen versuchen, aber die militärischen Ressourcen dürften angesichts zeitgleich abzuwehrender Angriffe aus dem Iran limitiert sein. Für Unsicherheit sorgten zudem Gerüchte, wonach das Pentagon Planungen zu einer Bodenoffensive vorantreibt. Auch gestrige Aussagen Trumps, er würde eine Kontrolle des iranischen Öls bevorzugen, deuten in diese Richtung. Die iranische Führung drohte in diesem Fall mit umfangreichen Angriffen auf die Energieanlagen in der Region.
Der Mai-Future bei Brent-Öl stieg heute Morgen als Reaktion darauf erneut über 115 USD je Barrel. An den asiatischen Börsen kommt es unterdessen zu deutlichen Abgaben. Der japanische Nikkei 225 rutschte um 3,3 % ab, der koreanische KOSPI um 3,2 %. In China hielt sich der Leitindex CSI 300 mit -0,2 % besser. Eine Erholung der dortigen Industrieprofite zu Anfang des Jahres (+15,2 % y-y) dürfte die Stimmung unter Anlegern vorerst stützen.

Inflation rauf, Wachstum runter

Unabhängig vom Fortgang der Kämpfe scheint bereits jetzt klar, dass Belastungen für die Weltwirtschaft zu erwarten sind. Zwar geht die LBBW in deren Hauptszenario von einer Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus bis Anfang Mai aus, aber Schäden an Energieanlagen in den arabischen Staaten sowie Störungen der Lieferketten werden selbst bei einem schnellen Ende des Krieges noch Monate nachwirken. Ende letzter Woche hat die Landesbank Baden-Württemberg die Prognosen an die neuen Gegebenheiten angepasst. Für den Euroraum prognostizieren sie nun einen Anstieg der Inflation von zuvor erwarteten 2,0 % auf 2,8 % in diesem Jahr. Die US-Inflationsprognose für 2026 steigt von 2,9 % auf 3,3 %. Vorerst sehen die Analysten der LBBW aber keine Preisaufwärtsspirale, wie sie durch den Corona- und Ukraine-Schock im Jahr 2022 ausgelöst wurde.
Die jetzige Entwicklung dürfte dennoch bereits Konsequenzen für die Geldpolitik haben. Die EZB könnte angesichts der Aufwärtsrisiken bei der Inflation eine moderate Straffung bevorzugen. Die LBBW geht von zwei Zinserhöhungen zu je 25 Bp in diesem Jahr aus, die erste im Juni. Bei der US-Notenbank erwarten sie eine Verlängerung der Zinspause bis mindestens Frühjahr 2027. Beiderseits des Atlantiks wird das Wachstum infolge des Irankriegs niedriger ausfallen. Für den Euroraum erwartet die Landesbank aus Baden-Württemberg, dass das BIP um 1 % wachsen wird (statt zuvor 1,3 %), in den USA um 2,2 % (statt 2,5 %). EURUSD sehen sie kurzfristig leicht schwächer (1,18 statt 1,20 zur Jahresmitte), halten aber am Zielwert von 1,24 per Jahresmitte 2027 fest. 

Dieswöchige Daten zeigen Folgen des Krieges

Die in dieser Woche anstehenden Daten bieten erstmals tiefere Einblicke in die Folgen des Krieges. Mit Blick auf die Inflation in Deutschland für den Monat März wird ein kräftiger Anstieg auf 3,0 % erwartet. In den USA wird der März-Arbeitsmarktbericht zeigen, ob das Stellenangebot unter der Unsicherheit leidet. Und in Asien liefern die März-PMIs aus China zur Wochenmitte, sowie Produktionszahlen aus Japan, Südkorea und Indien Hinweise, wie stark die Energiekrise auf die Realwirtschaft durchschlägt.

 

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