Das Wachstum der Löhne gilt derzeit als einer der stärksten Treiber der Inflation im Euroraum und wird deshalb von der EZB genau verfolgt. Mit einer Steigerungsrate der Tariflöhne von 4,7 % im ersten Quartal zeigt sich ein überdurchschnittlich starkes Wachstum, das die von der EZB angestrebte Inflationsrate von 2 % bei einem als kompatibel angesehenen Lohnwachstum von etwa 3 % deutlich übersteigt. Die heute von der EZB zur Veröffentlichung anstehenden Daten für das zweite Quartal könnten angesichts der weiterhin dynamischen Lohnentwicklung entscheidende Impulse für die Zinspolitik im September setzen. Christine Lagarde, Präsidentin der Notenbank, hat in diesem Zusammenhang die Zinsentscheidung im September als "weitgehend offen" bezeichnet. Insbesondere die Lohnentwicklung wird von den Währungshütern als signifikanter Faktor für den Inflationstrend herausgestellt. Sollte das Lohnwachstum im zweiten Quartal deutlich näher an 4 % liegen, könnte dies den Währungshütern am 12. September den Anlass für eine weitere Zinssenkung geben. Positiv stimmende Lohndaten aus Frankreich liefern hierfür bereits erste Anzeichen. Im Gegensatz dazu weisen die bereits von der Bundesbank veröffentlichten Daten für Deutschland ein Ansteigen der Tarifverdienste im zweiten Quartal auf 4,2 % auf - ein spürbar stärkeres Wachstum im Vergleich zu den 3 % des ersten Quartals. Die Forderungen der Gewerkschaften für die bevorstehenden Tarifverhandlungen bleiben mit 7 bis 19 % zudem ambitioniert, getrieben auch durch eine hohe Streikbereitschaft aufgrund des Arbeitskräftemangels. Die Finanzmärkte haben auf Basis der Geldmarkt-Futures eine Zinssenkung der EZB um 25 Basispunkte im September nahezu vollständig antizipiert. Eine erneute Überraschung nach oben könnte jedoch erhebliche negative Konsequenzen für den europäischen Rentenmarkt nach sich ziehen.

Neben den Zahlen zur Lohnentwicklung stehen heute die Einkaufsmanagerindizes aus dem Euroraum und Deutschland auf dem ökonomischen Datenkalender. Diese geben Auskunft über die aktuelle Situation in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor. Die LBBW erwartet keine Verbesserung. Im Dienstleistungssektor ist die Stimmung zwar etwas günstiger. Eine weitere Verbesserung wird nicht gesehen. Per Saldo rechnet die LBBW mit einer anhaltenden Stagnation der Wirtschaft in Deutschland (BIP 2024 +0,3 %) und einem nur geringen Wachstumstempo im Euroraum (BIP 2024 + 0,8 %).

Kontakt & Filialen Hilfsmittel & Rechner Notfall & Hilfe