Weiteres Vorgehen Washingtons noch ungeklärt
Zu Beginn hatten viele Anleger auf eine rasche Beendigung des Konflikts im Irankrieg gesetzt. Inzwischen sehen sie sich jedoch mit einer neuen, herausfordernden Situation konfrontiert. Die Führung in Teheran zeigt sich im Bemühen um den Machterhalt zu weitreichenden Maßnahmen bereit, während die US-Regierung den Widerstand des Iran offenbar unterschätzt hat und derzeit ohne alternative Strategie dasteht. Der Kongress soll nun zusätzliche Mittel in Höhe von 200 Mrd. USD für den Einsatz bereitstellen.
Die Golfstaaten tragen gleichzeitig die Folgen ihrer langjährigen, auf Ausgleich bedachten Politik gegenüber dem Iran – ebenso wie große Teile der internationalen Gemeinschaft. Angriffe auf Ölanlagen sowie die faktische Blockade der Straße von Hormus haben den Preis für Brent-Öl auf derzeit 112 USD pro Barrel steigen lassen. Die US-Regierung droht dem Iran mit Angriffen auf dessen Energieinfrastruktur, während Teheran für diesen Fall Gegenmaßnahmen gegen Meerwasserentsalzungsanlagen in den Golfstaaten ankündigt. Diese wiederum prüfen offenbar eine aktivere Beteiligung am Konflikt. Die Dynamik der Eskalation hält somit weiter an.
Aktien, Renten und Gold unter Druck
An den Finanzmärkten zeigt sich die Lage deutlich: Am Freitag rutschten DAX, Euro Stoxx 50 und S&P 500 auf neue Jahrestiefs. Der DAX fiel mit 22.380 Punkten auf den niedrigsten Stand seit April 2025, und die vorbörslichen Indikationen deuten auf einen möglichen Test der 22.000‑Punkte‑Marke hin. Während eine Öffnung der Straße von Hormus diskutiert wird, bleibt die Reparatur beschädigter Förderanlagen und Raffinerien eine Herausforderung. Die Märkte rechnen daher mit steigender Inflation, was die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erstmals seit 2011 über 3 % trieb. Britische Gilts nähern sich der 5‑Prozent‑Marke, die seit der Finanzkrise nicht mehr erreicht wurde.
Höhere Zinsen und ein stärkerer Dollar führten zu einer deutlichen Korrektur beim Goldpreis. Diese Faktoren allein erklären jedoch kaum den Wochenverlust von über 10 %; offenbar spielen auch Liquiditätsverkäufe institutioneller Anleger eine Rolle. Sentix spricht von einem „Ausverkauf light“. Am Montag setzte sich die Schwäche in Asien fort: Der Nikkei verlor 3,5 %, der Kospi über 6 %. Die Märkte durchlaufen damit den Stresstest, auf den bereits im Jahresausblick hingewiesen wurde.