US-Zinsen weiter auf Erholungskurs
Sinkende Marktzinsen haben die Wall Street am Donnerstag gestützt. Schwächere Arbeitsmarktdaten schürten Spekulationen auf baldige Zinssenkungen und ließen die Renditen fallen. Der Dow Jones gewann 0,8 % auf 45.621 Punkte, der S&P 500 kletterte ebenfalls um 0,8 % auf ein Rekordhoch. Der ISM-Index für den Dienstleistungssektor stieg im August stärker als erwartet, während das S&P Global-Pendant überraschend deutlich nachgab - beide blieben jedoch oberhalb der Wachstumsschwelle. Eine erste Zinssenkung der Fed im September gilt mit einer Wahrscheinlichkeit von 98 % als eingepreist.
Edelmetalle starten durch
Gold verteuerte sich in den ersten Septembertagen auf 3.578 US-Dollar je Feinunze - und hat damit den Rekordwert von 3.500 US-Dollar im April mehr als egalisiert. Silber kletterte auf 41,46 US-Dollar je Feinunze und überschritt erstmals seit 2011 die Marke von 40 US-Dollar. Unterstützung erhalten die Preise durch die Erwartung, dass die US-Notenbank Mitte September den seit Jahresbeginn unterbrochenen Zyklus sinkender Leitzinsen fortsetzt. Damit sinken die Opportunitätskosten für den Erwerb der weder Zins noch Dividende abwerfenden Edelmetalle. Zugleich suchen Investoren angesichts wachsendem Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank verstärkt nach sicheren Anlageformen. Börsengehandelte Zertifikate mit physischem Gold und Silber verzeichnen steigende Nachfrage. Bei Silber nehmen die Bestände bereits seit sieben Monaten zu - so lange wie zuletzt im Jahr 2020. Der kräftige Preissprung dürfte teilweise auf die geringere Liquidität am US-Feiertag zurückzuführen sein und könnte sich kurzfristig korrigieren. Sollte der Arbeitsmarktbericht heute nicht überraschend stark ausfallen, bleibt weiteres Aufwärtspotenzial für Gold und Silber bestehen.
US-Arbeitsmarktdaten mit Spannung erwartet
Heute um 8:00 Uhr legt das Statistische Bundesamt die Juli-Zahlen zum Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe vor. Im Juni hatten die Bestellungen preisbereinigt um 1 % nachgegeben - auch bedingt durch weniger Neuaufträge im sonstigen Fahrzeugbau (etwa Flugzeuge, Züge, Schiffe). Für Juli wird ein Plus von 0,5 % erwartet. Um 11:00 Uhr folgen von Eurostat die finalen Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum und in der EU für das zweite Quartal. Nach der Schnellschätzung wuchs das saisonbereinigte BIP im Euroraum um 1,4 %, in der EU um 1,5 %. Zudem veröffentlicht die Behörde Kennzahlen zu zentralen Aggregaten wie der Erwerbstätigkeit. Mit Spannung richtet sich der Blick um 14:30 Uhr auf die US-Arbeitsmarktdaten. Das Bureau of Labor Statistics veröffentlicht die Arbeitslosenquote und die Zahl neu geschaffener Stellen. Im Juli blieben die Werte hinter den Erwartungen zurück, zusätzlich wurden die Vormonatszahlen um 258.000 nach unten revidiert - eine Belastung für die Börsen, die US-Präsident Trump zur Entlassung der Behördenchefin veranlasste. Für den aktuellen Bericht wird ein Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,2 auf 4,3 % erwartet. Bei den Stellen dürften lediglich 60.000 neue Jobs entstehen, nach 73.000 im Vormonat. Damit mehren sich die Hinweise auf eine konjunkturelle Abkühlung. Fällt der Rückgang stärker aus, wächst der Druck auf die Fed, mit Zinssenkungen gegenzusteuern.