Renten leichter, Dollar fester erwartet
In den Handelssälen wurde in den zurückliegenden Wochen offenbar bereits verstärkt auf einen Sieg von Donald Trump gesetzt. So dürfte ein Gutteil der jüngsten Kursgewinne bei US-Aktien der Aussicht auf niedrigere Unternehmenssteuern und Deregulierung unter einer Präsidentschaft von Donald Trump geschuldet sein. Ein anderes Bild zeigt sich am US-Rentenmarkt. Dort sanken die Kurse aus Angst vor einem Wiederanziehen der Inflation, unter anderem infolge der angekündigten Importzölle, sowie vor einer weiter anschwellenden Staatsverschuldung. Berechnungen zufolge ließe eine Umsetzung von Trumps Fiskalplänen die Verschuldung des Zentralstaates über zehn Jahre gerechnet um 7,75 Billionen USD in die Höhe schießen. Das wäre ein gutes Viertel des BIP. Der US-Dollar legte zuletzt gegenüber Euro, Pfund Sterling und Franken auch deshalb zu, weil die Notenbank in diesem Umfeld ihre Leitzinsen weniger senken dürfte bzw. sogar wieder erhöhen könnte. Denn sowohl das US-Wirtschaftswachstum, zumindest auf kurze Sicht, als auch die Inflation sollten unter Donald Trump höher ausfallen als unter einer Ägide von Kamala Harris.
Deutschland droht eine Rezession
Deutschland muss sich auf eine egoistische US-Wirtschaftspolitik einstellen. Zölle dürften wie schon in seiner ersten Präsidentschaft Donald Trumps Mittel der Wahl bleiben. Bis Anfang 2025 gilt eine Art Stillhalteabkommen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten. Für die Zeit danach hat sich die EU mit neuen Instrumenten und Verfahren vorbereitet, um zügig reagieren zu können. Dennoch zeichnen sich negative Folgen für Exporte und Investitionen innerhalb der EU ab. Eine anhaltende Stagnation, vielleicht sogar ein Rückfall in die Rezession, ist wahrscheinlich.
Europa muss sich abnabeln
In der Außen- und Sicherheitspolitik ist mit einem chaotischen Verlauf der US-Präsidentschaft zu rechnen. Trumps bisherige Äußerungen stellen die Unterstützung der Ukraine in Frage, während er sich im Nahen Osten klar auf Seiten Israels positioniert. Umso mehr tut die EU am besten daran, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und weiter die Kooperation mit Partnern in aller Welt zu suchen. Deutschland im Besonderen hat eigene Herausforderungen zu bewältigen. Es genügen die Stichwörter Industrie, Demografie und Migration. Unabhängig vom Ausgang der US-Wahlen sind diese Problemfelder nach dem sich abzeichnenden Ende der Ampel-Regierung umgehend anzugehen.
Unbehagen in der US-Notenbank
Mit Unbehagen dürfte US-Notenbankchef Jerome Powell auf den Wahlausgang reagieren, denn Donald Trump hatte seine Ablösung angedroht. Zunächst geht es in der Tagesordnung weiter: Auf ihrer zweitägigen Sitzung dürfte die Fed am Donnerstag eine Leitzinssenkung um 0,25 % beschließen.