Politischer Schachzug
Einem Zeitungsbericht zufolge erwägt EZB-Chefin Christine Lagarde ihren Posten vorzeitig zu räumen. Aber nicht, weil sie amtsmüde ist, sondern um einer möglichen politischen Pattsituation zuvorzukommen. Im April 2027 finden in Frankreich nämlich Präsidentschaftswahlen statt. Ein Sieg der extremen Rechten - also der bereits seit längerem unter dem Label Rassemblement National (RN) firmierenden früheren Front National - lässt sich hierbei alles andere als ausschließen. Im Gegenteil: In den aktuellen Umfragen haben jene sogar die Nase vorn. Ein RN-Sieg würde es den Politikern in u.a. Berlin, Rom und Madrid wohl deutlich schwerer machen, sich mit Paris auf eine gemeinsame Kandidatin oder einen gemeinsamen Kandidaten für die EZB-Spitze zu verständigen. Statt erst mit Ablaufen der offiziellen Amtszeit Lagardes Ende Oktober 2027, hätte eine vorzeitige Neubesetzung des EZB-Chefpostens daher durchaus Charme.
Erneute MAGA-Attacke
Eine Analyse der regionalen Fed von New York zeigt, dass die US-Unternehmen und Verbraucher fast 90 % der von Trumps Zollerhöhungen ausgehenden wirtschaftlichen Belastungen zu tragen haben. Kevin Hassett, Trump-Intimus und Direktor des Nationalen Wirtschafts-rates der Vereinigten Staaten, geißelte die Untersuchung als eine stark parteiisch geprägte Peinlichkeit, und forderte explizit, dass alle hieran Beteiligten disziplinarisch belangt werden sollen. Warum er so harsch reagierte ist klar. Schließlich läuft das Untersuchungsergebnis Trumps Narrativ zuwider, welches er wieder und wieder versucht dem Wahlvolk aufzutischen: Nämlich, dass die Zölle in Gänze von den Ausländern bezahlt würden und die USA hierdurch reich werde. Die New York Fed steht mit ihrer Untersuchung allerdings keineswegs isoliert da. Das privatrechtlich organisierte US-amerikanische National Bureau of Economic Research kam zu ähnlichen Ergebnissen. Und das Kieler IfW formulierte kürzlich: Die US-Zölle von 2025 sind ein Eigentor: Amerikanische Importeure und Verbraucher tragen nahezu die gesamten Kosten. Ausländische Exporteure absorbieren nur etwa 4 % der Zolllast - die restlichen 96 % werden an US-Käufer weitergegeben.
Gut oder schlecht für Bayer?
Im US-Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Roundup ist der Bayer-Konzern bereit, im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs bis zu 7,25 Mrd. US-Dollar an bestehende und neue Kläger zu zahlen. Schoss der Bayer-Kurs mit der Bekanntgabe das Deals am späten Dienstag bis zum Handelsschluss zunächst um mehr als 6 % in die Höhe, beurteilten die Anleger den Sachverhalt am gestrigen Mittwoch deutlich negativer. Temporär gab der Kurs der Leverkusener dabei um mehr als 12 % nach.
Heute auf dem Datenkalender
Im Laufe des Vormittags werden die vorläufigen Februar-Zahlen zum Verbrauchervertrauen im Euroraum veröffentlicht. Heute Nachmittag stehen zudem die Zahlen zu den US-Importen und -Exporten im Dezember 2025 im Fokus. Erwartet wird, dass sich das US-Handelsbilanzdefizit dabei weiter verringert hat. Während für die Bluechips diesseits des Atlantiks für heute keine Quartalszahlen angekündigt sind, berichten aus den USA u.a. Booking Holdings und eBay. Zwei Gesellschaften also, aus deren Zahlen sich gewisse Schlüsse zur derzeitigen Konsumlaune der Verbraucher ziehen lassen.