Die EZB prüft, ob und wie schnell nach einer möglichen Senkung im Juni weitere Schritte folgen sollen. Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der EZB, äußerte sich skeptisch hierzu. Sie sieht angesichts der aktuellen Datenlage keine Notwendigkeit für eine weitere Anpassung im Juli. Trotz sinkender Inflation bleibt die Unsicherheit, besonders wegen starkem Lohnwachstum und geopolitischen Risiken. Schnabel mahnt zur Vorsicht und betont die Wichtigkeit, Entwicklungen abzuwarten, ohne sich auf einen festen Zinspfad festzulegen. Das LBBW Research geht fest davon aus, dass die EZB die erste Senkung im Juni 2024 vollziehen wird, insgesamt rechnen sie mit drei Leitzinssenkungen über jeweils 25 Bp bis Dez. 2024. Auch 2025 dürfte die EZB den Lockerungskurs mit einem Schritt pro Quartal fortsetzen.

In der kommenden Woche richtet sich das Augenmerk der Finanzwelt auf zwei wesentliche Ereignisse: die Veröffentlichung des Protokolls der US-Notenbank Fed und die Bekanntgabe der Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für den Euroraum. Vor dem Hintergrund einer allmählichen wirtschaftlichen Erholung in der Eurozone stehen insbesondere die Einkaufsmanagerindizes für den Mai im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Indizes, deren Veröffentlichung für den 23. Mai angesetzt ist, gelten als verlässliche Frühindikatoren für die konjunkturelle Entwicklung. Angesichts der bislang eingegangenen positiven Signale ist eine weitere Stimmungsaufhellung unter den Einkaufsmanagern wahrscheinlich. Wie stark diese Verbesserung ausfällt, könnte entscheidend sein für die Erwartungen der Finanzmarktakteure hinsichtlich der geldpolitischen Ausrichtung der EZB in der zweiten Jahreshälfte. Obwohl die EZB am 6. Juni mit großer Wahrscheinlichkeit eine Zinswende ankündigen wird, dürften die bevorstehenden konjunkturellen Daten kaum Einfluss auf diesen Beschluss haben. Dennoch könnten die Tariflohnzahlen für das erste Quartal, die ebenfalls am 23. Mai veröffentlicht werden, einen letzten potenziellen Stolperstein darstellen. Sollte es zu einer unerwartet starken Zunahme des Lohndrucks im Euroraum kommen, könnte dies die Währungshüter möglicherweise dazu veranlassen, von ihrem geplanten Kurs der geldpolitischen Lockerung abzuweichen.

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