Von der Wall Street zur Main Street

Die gestern veröffentlichten US-Einzelhandelsumsätze für Dezember 2025 blieben hinter den Erwartungen zurück. Die amtlichen Statistiker meldeten eine Stagnation der Umsätze gegenüber dem Vormonat. Die zuvor von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Volkswirte hatten indes im Median einen Anstieg um 0,4 % vorhergesagt. Die LBBW haltet gleichwohl an ihrer Prognose fest, dass der persönliche Verbrauch im Schlussquartal 2025 mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von gut 3 % gewachsen sein sollte, nach einer Jahresrate von 3,5 % im dritten Quartal 2025. Dieses kräftige Wachstum des persönlichen Verbrauchs steht nur vordergründig im Kontrast zur allgemein gedrückten US-Konsumentenstimmung. Die Umfragen unter US-Verbrauchern zeigen nämlich auch, dass die Bezieher höherer Einkommen weniger Trübsal blasen. Und auf das reichste Fünftel entfallen knapp 40 % des persönlichen Verbrauchs, andere Berechnungen gelangen sogar zu noch höheren Anteilen. Da Gutverdiener über größere Aktienportefeuilles verfügen dürften, sollten diese auch stärker von der Hausse an der Wall Street profitieren. Das Aktienvermögen im Verhältnis zum Verfügbaren Einkommen hat im dritten Quartal 2025 ein Allzeithoch erreicht. Das sollte die Konsumneigung der Gutverdiener stützen. Der eine oder andere US-Verbraucher dürfte auch schon Ausgaben im Vorgriff auf die in der Regel im März und April erfolgenden Steuerrückzahlungen getätigt haben. Diese sollten diesmal unter anderem aufgrund der Regelungen im OBBBA-Gesetzespaket höher ausfallen als gewöhnlich. Da die US-Wirtschaft im Ergebnis viel Schwung aus dem Jahr 2025 in das Jahr 2026 mitgenommen haben dürfte - der Statistiker spricht von einen positiven Überhang -, hat die LBBW kürzlich ihre US-Wachstumsprognose für das Jahr 2026 von 1,5 % auf 2,5 % angehoben. Der Dow Jones schloss gestern leicht im Plus und verzeichnete damit sein drittes Rekordhoch in Folge. Die Party geht also vorerst weiter - zumindest für die Gutverdiener.

Heute US-Arbeitsmarktbericht

Der erneute "Government Shutdown" in den Vereinigten Staaten hat die Veröffentlichungstermine der US-Konjunkturindikatoren durcheinandergewirbelt. Die Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichtes für Januar 2026 wurde vom 6. Februar auf heute, den 11. Februar, verschoben. Nach aktuellen Prognosen wird die US-Wirtschaft im abgelaufenen Monat 60 Tausend neue Stellen geschaffen haben, nach einem Zuwachs von 50 Tausend im Dezember. Zur Einordnung: Noch im Jahr 2024 belief sich der durchschnittliche Stellenzuwachs pro Monat auf knapp 170 Tausend. Da es die US-Wirtschaft zuletzt vermochte, trotz dieses geringen Beschäftigungsanstieges ihre gesamtwirtschaftliche Leistung mit Jahresraten von gut 4 % zu steigern, müssen die Produktivitätsgewinne entsprechend hoch sein. Dies drückt die Lohnstückkosten und hemmt damit auch den Preisauftrieb auf der Ebene der Endverbraucher. Und liefert zudem die Antwort auf unsere Frage: “Sag mir, wo die Zölle sind! Wo sind sie geblieben?”

Kontakt & Filialen Hilfsmittel & Rechner Notfall & Hilfe