Ein Desinflationstrend in Richtung der Fed-Zielmarke von 2 % sieht anders aus. Der ohne die volatilen Komponenten Nahrungsmittel und Energie berechnete Konsumentenpreisindex wird nach Prognose der meisten Bankvolkswirte mit einer Veränderungsrate von 0,3 % gegenüber dem Vormonat ansteigen. Aber hier ist einzuräumen, dass bei dieser Konsensprognose wohl etwas Hoffnung mitschwingt, denn in den zurückliegenden drei Monaten lautete die monatliche Kerninflationsrate auf jeweils 0,4 %. Als böses Omen für eine höhere Teuerungsrate könnte sich auch die gestrige Veröffentlichung des Produzentenpreisindex herausstellen. Dieser legte mit einer Rate von 0,5 % gegenüber dem Vormonat zu und damit stärker als allgemein erwartet. Es ist jedoch einschränkend darauf hinzuweisen, dass die Teuerungsrate auf Ebene der Endverbraucher in den zurückliegenden Monaten zuvörderst von den Dienstleistungspreisen, insbesondere den Mieten, getrieben wurde. Fed-Chef Jerome Powell gestand gestern in einer Rede ein, dass sein Glaube an fallende Inflationsraten nicht mehr so hoch sei wie zuvor.
Derweil sind die in den letzten Wochen veröffentlichten US-Konjunkturindikatoren schwächer als erwartet ausgefallen. Hier sind vor allem die ISM-Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe und das Dienstleistungsgewerbe zu nennen, welche beide im April unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten rutschten.
Vor diesem Szenario bekommt das Goldlöckchen-Szenario, welches die Teilnehmer am haussierenden US-Aktienmarkt spielen, immer mehr Risse. Dies macht die heute zur Veröffentlichung anstehenden US-Inflationszahlen so bedeutsam. Eine weitere Enttäuschung könnte das Goldlöckchen-Szenario endgültig begraben.