Die US-Notenbank Fed hat in Bezug auf Zinslockerungen in der vergangenen Woche eine gewisse Unsicherheit geschaffen. Nach einer Reihe von Wirtschaftsdaten signalisierte zuletzt der US-Arbeitsmarkt eine Abkühlung. Dies ließ viele US-Anleger auf baldige Zinssenkungen hoffen. Die Fed bleibt jedoch vorsichtig und macht wenig Hoffnung. Insbesondere warnte Fed-Vertreterin Lorie Logan, dass der Preisdruck immer noch zu hoch für Lockerungen sei. Terminmarkthändler preisen aktuell eine Zinssenkung von 40 Basispunkten bis Ende 2024 ein, wobei die erste Senkung um rund 25 Basispunkte im November erwartet wird. Die Unsicherheit darüber, wann mit der Lockerung begonnen wird, dämpfte die Stimmung an der Wall Street. Zum Ende einer starken Börsenwoche ebbte das Engagement der US-Aktienanleger ab. Der Dow Jones sowie der S&P 500 schlossen am Freitag um 0,3 % und 0,2 % höher. Der Index der Technologiebörse Nasdaq blieb faktisch unverändert.
Neben dem Fokus auf Zinssignale sorgte auch die rückläufige Verbraucherstimmung für eine Eintrübung der Kauflaune an US-Börsen. Die Stimmung der US-Verbraucher verschlechterte sich im Mai überraschend stark, wie die monatliche Umfrage der Universität Michigan am Freitag zeigte. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen sank um 9,8 Punkte auf 67,4 Zähler. Dies ist der niedrigste Stand seit November letzten Jahres. Die Konsensschätzung der von Reuters befragten Experten lag lediglich bei einem leichten Rückgang auf 76,0 Punkte. Zusätzlich droht eine weitere Verschärfung des Handelsstreits zwischen den USA und China. Präsident Joe Biden wird voraussichtlich in dieser Woche neue Zölle auf chinesische Waren ankündigen, die strategische Sektoren wie Elektrofahrzeuge, Solarzellen und Stahl betreffen. Auch medizinische Produkte wie Spritzen und persönliche Schutzausrüstung könnten von Abgaben betroffen sein.
Hierzulande herrscht aktuell ein klareres Bild über den weiteren Verlauf des Zinszyklus. Die Währungshüter der EZB haben auf ihrer jüngsten Zinssitzung im April die Tür für eine erste Zinssenkung Anfang Juni geöffnet. Das ging aus dem Protokoll des Treffens vom 10. und 11. April hervor, das die EZB am Freitag veröffentlichte. Als Bedingung wurde angeführt, dass bis dahin eingegangene zusätzliche Informationen die mittelfristigen Inflationsvoraussagen bestätigen, die in den Wirtschaftsprognosen der Notenbank-Volkswirte vom März enthalten sind. Der nächste Zinsentscheid der EZB steht am 6. Juni an. Die Hoffnung auf sinkende Zinsen trieb wiederum Europas Anleger in die Aktienmärkte. Der DAX markierte am Freitag den zweiten Tag in Folge ein Rekordhoch und nahm Kurs auf die 19.000er-Marke. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass feiertags- und brückentagsbedingt bereits wenige Aufträge ausreichen, um die Kurse zu bewegen. Heute und im weiteren Wochenverlauf dürft sich zeigen, inwiefern sich die Rally nachhaltig fortsetzen kann.