Die Republikanische Front gegen den rechtspopulistischen RN hat noch einmal gehalten: Mit 143 Sitzen bleiben die Rechtspopulisten in der neuen Nationalversammlung klar in der Opposition. Die Führungsrolle beansprucht nun jedoch das Linksbündnis, das mehr Sitze gewann als die bisherige Regierungspartei. Die Zentristen konnten zwar ein Debakel verhindern, Ministerpräsident Attal reichte aber traditionsgemäß seinen Rücktritt ein. Er dürfte noch kommissarisch im Amt bleiben, bis Präsident Macron einen Nachfolger gefunden hat, den eine Parlamentsmehrheit zu stützen bereit ist. Da diese den größten Teil des Linksbündnisses und den zentristischen Block umfassen muss, dürfte sich die Regierungsbildung äußerst kompliziert gestalten. Das Linksbündnis will beispielsweise die Rentenreform zurückdrehen und die Massenkaufkraft stärken. Das lässt sich mit der von der EU geforderten Haushaltsdisziplin kaum vereinen. Die Zentristen wollen hingegen Steuererhöhungen vermeiden. Im Hinblick auf die brisanten Themen Innere Sicherheit und Migrationspolitik gilt es wiederum, dem RN kein weiteres Wasser auf seine Mühlen zu leiten. Die Kapitalmärkte werden die Entwicklung in den kommenden Wochen genau beobachten. Es ist zu hoffen, dass sich die Parteien nach der Wahl ähnlich kompromissbereit zeigen wie ihre Wähler, die zähneknirschend die jeweils aussichtsreichsten Kandidaten gegen den RN gestützt haben.
Auch in den USA steht ein politisches Thema im Vordergrund: Der Druck auf Präsident Biden wächst, im Herbst nicht zur Wiederwahl anzutreten. Am Dienstag wird Fed-Chef Jerome Powell den halbjährlichen Rechenschaftsbericht vor dem Kongress ablegen. Darüber hinaus wird der bis zum 11. Juli andauernde NATO-Gipfel in Washington beginnen. Am Mittwoch werden uns außerdem neue Inflationszahlen für den Juni aus China erreichen. Donnerstag steht dann die Entwicklung der US-Verbraucherpreise für den Juni im Fokus. Die LBBW erwartet einen Anstieg um 0,1 % (zuvor: 0 %) im Vergleich zum Vormonat. Am Freitag folgt schließlich noch das Verbrauchervertrauen der University of Michigan für Juli. Das LBBW Research prognostiziert einen Anstieg des Indikators auf 71 Zähler.