Trotz Inflationsanstiegs gehen Leitzinssenkungen weiter
Die Verbraucherpreise im Euroraum legten im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 % zu, was einen Anstieg gegenüber den 2 % im Oktober darstellt. Laut einer Bloomberg-Umfrage unter Analysten entsprach dieser Anstieg den Erwartungen. Ein wesentlicher Faktor für den Anstieg der Teuerungsrate waren Basiseffekte im Energiebereich, während die Kosten für Dienstleistungen weiterhin hoch blieben. Die Preise für Industriegüter legten zum zweiten Monat in Folge zu. Die Kerninflation, die volatile Lebensmittel- und Energiepreise ausschließt, hielt sich bei 2,7 %. Trotz dieser Entwicklung wird die EZB voraussichtlich den Einlagesatz im Dezember erneut um 25 Bp. senken. Der Anstieg der Gesamtinflation war laut EZB-Vizepräsident Luis de Guindos erwartet worden. Er äußerte jedoch Bedenken hinsichtlich der Preise für Dienstleistungen und betonte die anhaltende Unsicherheit. "Wir sind zuversichtlich, dass die Inflation weiter sinken wird", sagte de Guindos bei einer Veranstaltung in S'Agaró, Spanien. "Aber der Kontext der Unsicherheit ist sehr intensiv." Mehrere EZB-Vertreter haben signalisiert, bei ihrer letzten geldpolitischen Sitzung des Jahres in der nächsten Woche eine vierte Zinssenkung um einen Viertelpunkt für das Jahr 2024 vorzunehmen. Weitere Zinsschritte sind für 2025 geplant, auch wenn das Timing ungewiss ist. Die LBBW geht vor dem Hintergrund der schwierigen konjunkturellen Situation in Europa und den zu befürchtenden Auswirkungen einer protektionistischeren US-Außenhandelspolitik von EZB-Zinssenkungen bis auf 1,75 % für den Einlagesatz im zweiten Halbjahr 2025 aus.
Ausblick: Heute Nachmittag wird der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe für November veröffentlicht. Die LBBW erwartet eine leichte Verbesserung. Das US-Wirtschaftswachstum dürfte weiter robust bleiben.