Trump nominiert Kevin Warsh
Nachdem sich die Gerüchte gegen Ende der vergangenen Handelswoche verdichtet hatten, wurde es am Freitag offiziell: Auf Wunsch von Präsident Trump soll Kevin Warsh Jerome Powell als Notenbankchef beerben. Damit endet eine lange Phase der Spekulationen über die Nachfolge an der Spitze der Federal Reserve. Selten zuvor wurde eine Entscheidung dieser Art mit so großer Spannung erwartet wie diesmal, denn die Nominierung wurde eng mit der Frage nach dem künftigen Kurs der US-Notenbank und insbesondere ihrer Unabhängigkeit verknüpft. Die Währungshüter stehen unter massivem Druck seitens Trump, die Zinsen zu senken und die Geldpolitik in seinem Sinne auszurichten.
Ob Warsh ihm dabei Schützenhilfe leisten wird, ist offen. Während er in den Jahren 2006 bis 2011, als er bereits einmal Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Fed war, eher als 'Falke' auftrat und vor Inflationsrisiken einer zu lockeren Geldpolitik warnte, äußerte er sich in jüngerer Zeit häufiger unterstützend zu niedrigeren Zinsen. Am Ende dürfte er sich - ähnlich wie Powell - in einem schwierigen Spagat wiederfinden: den US-Präsidenten und zugleich die Marktteilnehmer zufriedenzustellen.
Chinas Industrie zeigt zum Jahresauftakt gemischtes Bild
Die am Sonntag und heute veröffentlichten Frühindikatoren zur chinesischen Industrieentwicklung zeigen ein gemischtes Bild. Nach einer kurzen Erholung im Dezember rutschte der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe im Januar überraschend stark auf 49,3 Punkte ab (nach 50,1 im Dezember). Die Eintrübung zeigte sich dabei sowohl bei Angebots- als auch bei Nachfrageindikatoren. Besser fiel hingegen der stärker auf exportorientierte Unternehmen ausgerichtete RatingDog-PMI aus. Dieser signalisiert mit einem Anstieg auf 50,3 (nach 50,1) eine Beschleunigung. Sowohl Produktion als auch Neuaufträge legten zu. Entwarnung geben die Zahlen aber nicht. Im Prinzip bestätigen sie nur das Bild, dass die Außennachfrage weiterhin Motor der Wirtschaft bleibt, während die Binnennachfrage schwächelt. Bedenklich stimmt zudem, dass sich die Geschäftsaussichten in beiden PMIs deutlich eingetrübt haben. Zur Stabilisierung der Lage dürfte aus Sicht der Landesbank Baden-Württemberg zuerst die Notenbank in Vorleistung gehen. Eine breit angelegte Zinssenkung könnte bereits in den kommenden Wochen anstehen.
Rohstoffmärkte im Blick
Die massiven Turbulenzen an den Rohstoffbörsen in der vergangenen Woche ließen wohl nicht wenige Beobachter staunend zurück. So legten Gold und Silber bis zur Wochenmitte - nach bereits starken Anstiegen seit Jahresanfang - erneut deutlich zu, bevor Silber am Freitag mit -26 % die schärfste Tageskorrektur seiner Geschichte verzeichnete. Gold verbuchte unterdessen mit -9 % den stärksten Rückgang seit über einem Jahrzehnt. Metalle wie Kupfer wurden von der Dynamik ebenso erfasst und verzeichneten in der Spitze zweistellige Abschläge. Der rasche Verfall des US-Dollars zu Wochenbeginn, massive Zuflüsse in Edelmetall-ETFs sowie Befürchtungen einer neuen US-Intervention im Iran dürften allesamt zur Marktübertreibung beigetragen haben.
Auch heute Morgen stehen die Edelmetalle unter deutlichem Abgabedruck. Gold stand zuletzt bei 4.550 USD (-7 %), Silber bei 74,6 USD (-12 %). Die LBBW wertet die jüngsten Rücksetzer eher als überfällige Korrektur nach einer überhitzten Rally und überkauften Niveaus. Zwar könnten die Edelmetalle kurzfristig weiter schwach tendieren, die fundamentalen Treiber bleiben aber intakt: Handels- und geopolitische Risiken, fiskalische Sorgen, und die anhaltende Diversifizierung globaler Währungsreserven wer-den die Edelmetallpreise mittelfristig weiter stützen.