Villeroy wirft hin
Völlig überraschend hat gestern der Präsident der französischen Zentralbank, Francois Villeroy de Galhau, seinen Rücktritt angekündigt. Er wird Anfang Juni seine Tätigkeit beenden - über ein Jahr vor Ablauf seiner bis Oktober 2027 reichenden Amtszeit. Das Vorschlagsrecht für seinen Nachfolger obliegt dem französischen Präsident Emmanuel Macron. Der Finanzausschuss der Nationalversammlung muss aber der Ernennung des Kandidaten zustimmen. Villeroy ist seit November 2015 Präsident der Banque de France. Die Amtszeit eines Präsidenten der Banque de France beträgt satzungsgemäß sechs Jahre. Eine Wiederernennung ist einmalig möglich. Villeroy befindet sich am Ende seiner zweiten Amtszeit gewissermaßen auf der Zielgeraden seiner geldpolitischen Laufbahn.
Des Pudels Kern ist die Pariser Politik
Der Schlüssel für den unerwarteten Schritt von Villeroy dürfte in der französischen Politik zu finden sein. Würde Villeroy bis zum satzungsgemäßen Ende seiner Laufbahn ausharren, könnte die Nachfolgefrage eine delikate Angelegenheit werden. Im Elysee-Palast säße dann womöglich mit Marine Le Pen oder Jordan Bardella ein Präsident aus den Reihen des Rassemblement National (RN). Eine Mehrheit des RN in der Nationalversammlung ist zwar aus heutiger Sicht wenig wahrscheinlich, aber auch dort dürfte der Einfluss der Rechtspopulisten nach den Wahlen 2027 steigen. Im Vorgriff darauf gibt Villeroy Präsident Macron somit eine Gelegenheit, eine Personalentscheidung von Gewicht zu treffen. Villeroy zählt aufgrund seiner großen Erfahrung und der Bedeutung Frankreichs zu den Schwergewichten im EZB-Rat. Die Finanzmärkte hat die Ankündigung aus Paris dennoch kalt gelassen. Weder der Euro noch die französischen Staatsanleihen zeigten eine nennenswerte Reaktion.
US-Einzelhandelsumsätze dürften Dynamik verlieren
Die wichtigsten Daten dürften heute die Einzelhandelsumsätze in den USA im Dezember sein. Seit einigen Monaten geht die Rede von der K-förmigen US-Konjunktur: Alles rund um das Thema KI und entsprechende Investitionen brummt. Im Rest der Wirtschaft läuft es dagegen nur mäßig. Der private Konsum gilt als Rückgrat der US-Wirtschaft. Er wurde Berichten zufolge zuletzt vor allem von den Gewinnern des KI-Booms getrieben, deren Konsum vom Vermögenseffekt begünstigt wurde. Zumindest eine kleine Verlangsamung der Dynamik im US-Einzelhandel wird dennoch erwartet. Der Einzelhandelsumsatz dürfte um 0,4 % zum Vormonat gestiegen sein nach +0,6 % im November.
Aufmerksamkeit verdienen auch die Füllstände der deutschen Gasspeicher. Nach Angaben von AGSI (Aggregates Gas Storage Inventory) lag der Speicherstand am Sonntag bei 27% - deutlich weniger als in den Vorjahren zur selben Zeit. Zwar ist die allgemeine Versorgungslage heute wegen der Verfügbarkeit von LNG-Terminals insgesamt besser als zu Beginn des Ukraine-Kriegs. Dafür ist dieser Winter aber auch deutlich kälter als seine Vorgänger der letzten Jahre.