Zur Wochenmitte werden der Fed und die EZB ihre Sitzungsprotokolle veröffentlichen und deshalb haben sich die Anleger in Zurückhaltung geübt. Schnelle Zinssenkungen sind wohl vom Tisch, weshalb die Marktteilnehmer das hohe Kursniveau mit wachsendem Unbehagen sehen. Die jüngste Sentix-Umfrage förderte eine auffällig neutrale Einschätzung zu Tage, d.h. viele Anleger wollen sich weder in die eine noch die andere Richtung positionieren. Gerade aus einer solchen, durch allseitige Unschlüssigkeit gekennzeichneten Konstellation heraus entstehen oft größere Kursbewegungen. Noch nährt aber die Hausse sich selbst. Deutschlands Leitindex konnte sich oberhalb der in der Vorwoche erreichten 17.000-Punkte-Marke stabilisieren. Den letzten Schub hatten wohl Short-Eindeckungen vor dem Eurex-Verfallstermin am Freitag gebracht.
Der Tagesgewinner im DAX war Rheinmetall. Solche Rüstungswerte profitierten von der Ankündigung Ursula von der Leyens, im Falle einer Wiederwahl an die EU-Spitze einen Kommissar für Verteidigung zu berufen, der sich um die Koordination der europäischen Rüstungsindustrie kümmern soll. Dies wäre eine Reaktion auf den aktuellen Konflikt in der Ukraine.
Der Index der Frühindikatoren kommt heute aus den USA. Dessen Neuigkeitswert ist allerdings gering, denn der Indikator wird aus einer Reihe schon veröffentlichter Zahlen errechnet. Interessanter ist die Berichtssaison. Heute legen Air Liquide, Walmart und Home Depot Geschäftszahlen vor. Für eine abschließende Beurteilung ist es noch etwas zu früh. Es fällt aber auf, dass die Index-Gewinnschätzungen für das Jahr 2024 seit dem Herbst 2023 kräftig ins Rutschen gekommen sind. In Europa ist diese Tendenz noch ausgeprägter als in den USA, und sie hat sich bisher ungebremst fortgesetzt. Auf Basis des S&P 500 brachten hingegen positive Gewinnüberraschungen seit Beginn der Berichtssaison eine Stabilisierung. Dennoch gilt: Konnten die Unternehmen steigende Einkaufspreise anfangs vollständig weitergeben, spüren sie nun zunehmenden Lohndruck und sinkende Nachfrage seitens der inflationsgeplagten Verbraucher. Das bedeutet Druck auf die Margen.
In China senkte unterdessen die Notenbank den fünfjährigen Leitzins, den einjährigen Satz ließ sie allerdings unverändert. Ein solches Signal war allerdings erwartet worden. Nach der einwöchigen Pause zum Neujahrsfest hatte Chinas Börse gestern zugelegt, heute gab es in Shanghai minimale Verluste.