Im Euroraum lässt das Wachstum der Tariflöhne nach. Im zweiten Quartal schwächte sich der Lohntracker der EZB auf rund 3,6 % ab, nach 4,7 % im ersten Quartal 2024 und 5,2 % im Gesamtjahr 2023. Die Lohnentwicklung wird von der EZB und ihrer Präsidentin Christine Lagarde als signifikanter Einflussfaktor für den Inflationstrend beobachtet. Die erneut schwachen PMI-Daten und der nachlassende Lohnkostendruck sind derweil Wasser auf die Mühlen der geldpolitischen Tauben in den Reihen der EZB und erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung der EZB am 12. September. Am Geldmarkt wird gemessen an den Terminmarktkursen die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Zinssenkung um 25 Basispunkte aktuell mit 99 % eingestuft. Eine Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, dass die Inflationsdaten für August, welche Ende kommender Woche veröffentlicht werden, den weithin angenommenen Rückgang zeigen.
Seit gestern und noch bis morgen treffen sich Vertreter von Notenbanken rund um den Globus auf dem Jackson Hole Economic Symposium. Das Highlight auf dem traditionsreichen jährlichen Notenbanksymposium wird die heutige Rede von Fed-Chef Jerome Powell um 16 Uhr MESZ sein. Sollte der oberste US-Währungshüter die Latte für umfassende geldpolitische Lockerungsschritte sehr hoch legen, dann besteht nach Ansicht des LBBW Research angesichts der weit vorauseilenden Zinssenkungsspekulation beträchtliches Potenzial für Kursrücksetzer. Die Marktteilnehmer werden akribisch auf weitere Hinweise zum bevorstehenden Zinssenkungspfad achten. Nach den jüngsten US-Inflationsdaten dürfte sich die Teuerung nachhaltig in Richtung des 2%-Zielwerts zurückbewegen. Damit steht einer Zinswende auf der nächsten Fed-Sitzung am 18. September aus heutiger Sicht nichts mehr im Wege