Trump bittet um ein Stückchen Eis
Der US-Präsident hielt gestern nachmittag seine mit Spannung erwartete Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. In seiner an Selbstlob kaum zu überbietenden Rede stellte Donald Trump die Erfolge des ersten Jahres seiner Präsidentschaft heraus. Die US-Wirtschaft boome, die US-Aktienmärkte haussierten und das Inflationsgespenst sei vertrieben. Auch wenn Donald Trump in der Darstellung seiner wirtschaftlichen Erfolge übertrieben hat, ist eine positive Wirtschaftsentwicklung, abgesehen vom Arbeitsmarkt, in den Vereinigten Staaten nicht zu bestreiten. Damit ist jedoch nicht geklärt, ob die US-Wirtschaft wegen oder trotz Donald Trump in guter Verfassung ist. Fest steht zumindest, dass die US-Unternehmen trotz der von Donald Trump in seiner Rede hervorgehobenen Sofortabschreibungen außerhalb des KI-Sektors mit Investitionen sehr zögerlich sind. In seinen Ausführungen zu Grönland, welches er mehrfach mit Island verwechselte, weckte Donald Trump Erinnerungen an den Hauptcharakter Don Vito Corleone im Roman "Der Pate" von Mario Puzo. Die Europäer könnten zu seiner kleinen Bitte "um ein Stückchen Eis" "Ja" oder "Nein" sagen. Der Präsident fuhr drohend fort: "Die Vereinigten Staaten würden sich die Antwort merken." Da aber Donald Trump gestern nachmittag gleichwohl Gewalt bei seinem Werben um Grönland ausgeschlossen hatte, drehte die Kursentwicklung an den europäischen Aktienmärkten im gestrigen Tagesverlauf leicht nach oben. Nach Börsenschluss in Europa verkündete Donald Trump schließlich auf seinem sozialen Netzwerk "Truth Social", dass er die gegenüber eine Reihe europäischer Staaten für Februar angekündigten Strafzölle nicht umsetzen wird. Es sei nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte zu einem Rahmen für ein zukünftiges Abkommen gekommen. Daraufhin machten die Aktienkurse an den US-Börsen einen Sprung nach oben, die US-Renditen fielen, und der Euro verlor gegenüber dem US-Dollar. Nach dieser schlagzeilenträchtigen Kehrtwende sollte jedoch nicht untergehen, dass derweil in Washington der Oberste Gerichtshof die zur Entlassung der Fed-Gouverneurin Lisa Cock vorgebrachten Argumente offenbar wenig überzeugend fand.
EUGH soll Abkommen prüfen
Das EU-Parlament beschloss gestern mit knapper Mehrheit, dass der EUGH das Mercosur-Abkommen prüfen soll. Damit wird das Inkrafttreten des Abkommens um Monate verzögert, immer vorausgesetzt, dass die südamerikanischen Handelspartner bis dahin bei der Stange bleiben. Die EU-Kommission könnte das Abkommen zwar vorläufig in Kraft setzen. Dies ist jedoch politisch umstritten.
US-Wirtschaft startet 2026 mit Überhang
"Amerika, Du hast es besser als unser Kontinent, das alte, hast keine verfallene Schlösser und keine Basalte." Diese Zeile aus einem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahre 1827 passt treffend auf die derzeitige Wirtschaftslage diesseits und jenseits des Atlantiks. In den Vereinigten Staaten dürfte das Wirtschaftsministerium heute seine bisherige Schätzung in Höhe von 4,3 % (Jahresrate) für das Wachstum der US-Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2025 bestätigen. Für das Schlussquartal 2025 sagt das GDPNow-Modell der Fed St. Louis sogar eine Wachstumsrate von 5,4 % voraus. Nehmen wir diese Schätzung für bare Münze, so ergibt sich für das Jahr 2026 ein statistischer Überhang von 1,7 %. Dies bedeutet, dass die US-Wirtschaft selbst bei einer Stagnation ihrer Leistung in allen vier Quartalen dieses Jahres - worauf derzeit wenig hindeutet - schon eine Wachstumsrate von 1,7 % im Sack hätte. Im Gegensatz dazu wird das Wirtschaftsministerium in Berlin seine Wachstumsprognose für Deutschland für 2026 dem Vernehmen nach aufgrund der gestiegenen außenwirtschaftlichen Unsicherheiten von 1,3 % auf 1,0 % senken. Somit bleiben die Wachstumsperspektiven für Deutschland trotz des Rückenwindes seitens der Fiskalpolitik wolkenverhangen.