Die EU erwägt Gegenmaßnahmen
Das Weiße Haus lässt nicht locker. Auf dem hochrangigen Treffen der Vertreter Dänemarks, Grönlands und der USA war die Einsetzung einer Kommission beschlossen worden, aber mit welchem Ziel? Aus Sicht der US-Regierung sollen nur noch die Modalitäten des Erwerbs ausgehandelt werden, während die dänisch-grönländische Seite dieses Ansinnen komplett ablehnt. Am Wochenende legte der US-Präsident höchstpersönlich nach: Um den Druck zu erhöhen, sollen auf Exporte einiger europäischer Länder Strafzölle erhoben werden, zunächst 10 % ab Februar, dann 25 % ab Juni. Treffen sollen sie diejenigen Staaten, die Soldaten in den Hohen Norden entsandt haben. Damit soll ein Keil in die EU getrieben werden, um diese zu spalten. Der Außenhandel ist jedoch Unions-Angelegenheit, und am Sonntag berieten europäische Spitzenpolitiker über Gegenmaßnahmen. Zunächst käme die 2025 ausgearbeitete Liste von Gegenzöllen zum Einsatz. Diese ist nur bis zum 6. Februar ausgesetzt und träte ohne neuen Beschluss automatisch wieder in Kraft. Die zweite Stufe brächte EU-Regeln gegen wirtschaftliche Erpressung zum Einsatz und träfe dann auch US-Dienstleistungen, Stichwort: Digitalsteuer. Erste Konsequenz des Streites: Die für den 26.01. geplante Abstimmung im EU-Parlament über das mit der Trump-Regierung geschlossene Handelsabkommen wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Ende der Woche soll in Brüssel ein Krisengipfel stattfinden.
Trump hält Hof in Davos
Am heutigen Montag beginnt das jährliche Stelldichein der Welt-Wirtschaftselite im verschneiten Davos. Das Motto ist optimistisch gewählt: "Im Geist des Dialogs". US-Präsident Trump rückt in diesem Jahr mit einer rekordgroßen Delegation an. Neben den Grönland-Annexionsplänen stehen auch Verhandlungen mit der Ukraine auf der Agenda. Da sich Kyjiw der russischen Friedenspolitik partout nicht beugen will, hat Moskau mit einem beispiellosen Angriff auf die Energieversorgung der Ukraine nachgelegt.
Gerichtsprozesse im Fokus
Für die Börsen sind die Aussichten auf ein Wiederaufleben des Handelsstreites natürlich Gift. Dies gilt umso mehr, als die Marktstimmung laut Auswertung von Sentix eher Skepsis als Kauflust zeigt. Am Freitag hatten die Märkte konsolidiert, der S&P 500 schloss ebenso wie zuvor der DAX etwas leichter. Einen Trost gab es für Dänemark: Novo Nordisk war Top-Gewinner in Europa, nachdem ein neues Medikament zur Gewichtsreduktion ermutigende Studienergebnisse gezeigt hatte. Ansonsten bewegten Gerichtsprozesse die Kurse: Nachdem ein US-Gericht den Baustopp für ein Offshore-Windprojekt von Oersted und Equinor vor der Küste von New York aufgehoben hatte, legten deren Aktien kräftig zu. Bayer kann sich Hoffnungen machen, dass der Supreme Court die Glyphosat-Klagen zentral regelt. Donald Trump will JP Morgan wegen des Entzugs von Bankdienstleistungen nach dem Sturm auf das US-Kapitol verklagen, und Elon Musk zieht gegen Open AI und Microsoft wegen entgangener Gewinnbeteiligungen vor Gericht.
Chinas Wirtschaft verliert an Tempo
Chinas Statistikamt meldete 4,5 % Wachstum im vierten Quartal und 5,0 % im Gesamtjahr. Die Schätzungen der LBBW liegen niedriger, da sie die offiziellen Zahlen für überhöht halten. Fest steht aber, das Chinas Wirtschaft an Schwung verliert: Der Export boomt, der Binnenkonsum hinkt hinterher. In den USA ist Feiertag, daher müssen die Anleger bis Dienstag auf die nächsten Quartalszahlen warten.