Die gestern Nachmittag veröffentlichte Vorab-Schätzung für die US-BIP-Entwicklung im dritten Quartal 2023 ist noch höher ausgefallen als zuvor von Markteilnehmern erwartet worden war. Die US-Wirtschaft legte in Q3 mit einer Jahresrate von sage und schreibe 4,9 % zu. Neben den BIP-Zahlen überzeugten die ebenfalls gestern Nachmittag veröffentlichten Auftragseingänge für langlebige Wirtschafsgüter in den USA. Diese stiegen ggü. dem Vormonat um 4,7 % und damit deutlich stärker als erwartet an. Nun ist klar absehbar, dass das US-BIP im Gesamtjahr 2023 mit spürbar über 2,0 % wachsen sollte. Wie die amerikanische Sängerin Taylor Swift allerdings auf ihrem heute wiederveröffentlichten Album 1989 sagt, ist die USA noch nicht out of the woods (über den Berg), was eine Rezession angeht. Inmitten steigender Hypothekenzinsen, eines schwächelnden Aktienmarktes und der 40 Millionen Amerikaner, die ihre Studentenschulden wieder begleichen müssen (um nur einige Faktoren zu nennen), wird die US-Wirtschaft laut der Landesbank Baden-Württemberg (LLBW) 2024 in eine Rezession abgleiten.
Im Gegensatz zu den USA hat sich das Wirtschaftswachstum in der EWU bereits deutlich abgeschwächt. Die EZB hat bei der gestrigen Notenbanksitzung beschlossen die Leitzinsen nicht noch weiter anzuheben. In der anschließenden Pressekonferenz wies EZB-Präsidentin Lagarde darauf hin, dass sich das gestiegene Leitzinsniveau bereits deutlich bremsend auf die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen und Privatpersonen auswirkt - und auch noch auswirken wird. Die Inflation ist ja schon ein gutes Stück vom Gipfel abgestiegen, sie ist aber auch noch deutlich oberhalb der Komfortzone der EZB. Nach Meinung der LLBW werden die Leitzinsen mindestens bis zur zweiten Hälfte des Jahres 2024 gedeckelt sein. Die Renditen 10j. Bundesanleihen fielen im Nachgang des Zinsentscheids um rund 5 Bp. auf 2,85%.
Auf dem ökonomischen Datenkalender stehen heute Inflationszahlen (PCE-Kernrate) aus den USA. Die LLBW geht von einem leichten Rückgang von zuletzt 3,9 % auf 3,7 % aus. Nach guten Quartalszahlen von Amazon und Intel liegen die US-Aktienfutures heute Morgen im Plus. Die asiatischen Märkte öffneten bereits mit Kursgewinnen.