Die US-Verbraucherpreise legten im März 2024 gegenüber dem Vormonat um 0,4 % zu. Die Kernrate, bei der Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet werden, lag auf Monatsbasis ebenfalls bei 0,4 %. Im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug der Anstieg 3,5 % bzw. ohne Energie und Nahrungsmittel 3,8 %. Damit übertrafen die vom US-Arbeitsministerium gemeldeten Daten die Konsensschätzungen der von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten. Die Inflation im Dienstleistungssektor, insbesondere die Kosten für das Wohnen, verhinderte einmal mehr, dass sich der Disinflationsprozess in den USA fortsetzt. Dies dürfte der US-Notenbank Unbehagen bereiten. Es wird jetzt erwartet, dass die erste Fed-Leitzinssenkung erst im Juli kommen wird.
Einige Stunden nach den Inflationsdaten wurde zudem das Protokoll der jüngsten US-Notenbanksitzung veröffentlicht. Daraus ging hervor, dass Teilnehmer des Offenmarktausschusses ihre Unsicherheit über das Andauern der hohen Inflation geäußert hatten. Zudem vertraten sie die Ansicht, dass die jüngsten Daten ihr Vertrauen in eine nachhaltige Senkung der Inflationsrate nicht gestärkt hätten. Die US-Notenbank hatte bei ihrer Zinssitzung im März zum fünften Mal in Folge ihr Tagesgeldzielband bei 5,25 % bis 5,50 % belassen. Zudem avisierten die Währungshüter drei Zinssenkungen bis Ende 2024.
Sorgen um eine spätere Zinswende der Fed machten gestern schnell die Runde. In einer ersten Reaktion auf die Veröffentlichung der Inflationsdaten schnellten die Renditen von US-Staatsanleihen mit 2- und 10-jährigen Laufzeiten um mehr als zehn Basispunkte empor. Anschließend kletterten die Renditen weiter nach oben. Die 2-jährigen US-Treasury-Renditen blieben knapp unter der Marke von 4,99 %, die 10-jährigen US-Renditen markierten ihr Hoch bei knapp unter 4,57 %. Auch bei den Bundesanleihen war ein kräftiger Renditeanstieg zu verzeichnen. Der US-Dollar legte gegenüber dem Euro spürbar zu.
Die EZB dürfte heute ihre Leitzinsen zum fünften Mal in Folge unverändert belassen. Im Unterschied zu den USA hat sich der Preisdruck im Euroraum zuletzt stärker als erwartet verringert. Daher kann es sein, dass EZB-Chefin Lagarde die Tür für eine Zinssenkung bei der Juni-Sitzung weit öffnen wird. Da an den Terminmärkten eine EZB-Zinssenkung im Juni bereits eingepreist ist, ist es wahrscheinlich, dass die heutige EZB-Sitzung nur begrenzt marktbewegendes Potenzial bieten wird. Jenseits des Atlantiks wird heute die Veröffentlichung des US-Produzentenpreisindexes erwartet. Dieser dürfte nach der gestrigen Inflationsüberraschung Beachtung finden. Zudem steht eine Rede von John Williams, Vize des Offenmarktausschusses der US-Notenbank, auf dem Programm.