Digitaler Euro: Die Zukunft des Bezahlens?

 

Seit wenigen Wochen arbeitet die EZB an einem rechtlichen Rahmen für den digitalen Euro. Nach den Europawahlen im Juni 2024 werden die Eckpunkte dann im Rahmen des Gesetzgebungsprozesses genauer diskutiert.

Für den digitalen Euro sind zwei Eigenschaften des physischen Bargelds von besonderer Bedeutung: So soll die digitale Variante zwingend dem Kriterium der Anonymität gerecht werden und zugleich auch Offline-Zahlungen, etwa beim Bäcker, ermöglichen.

Der digitale Euro ist kein Bargeldsubstitut

Allerdings bedeutet die Einführung einer neuen Digitalwährung nicht, dass die Tage des physischen Bargelds im Euroraum gezählt sind. Die EZB hat den digitalen Euro lediglich als Zahlungsmitteläquivalent und keinesfalls als Bargeldsubstitut konzipiert. Der digitale Euro soll Euro-Münzen und -Scheine lediglich sinnvoll ergänzen. Das spiegelt sich auch in den geplanten Ausgestaltungsmerkmalen wider: So soll es eine explizite Obergrenze für Guthaben des digitalen Euro geben. Der genaue Betrag ist allerdings noch offen. Hintergrund ist die Sorge, ohne Obergrenze könnte es digitale Bank-Runs geben, dass Kunden also große Mengen ihrer digitalen Guthaben abziehen könnten. Außerdem soll eine Verzinsung der digitalen Euro-Guthaben ausgeschlossen sein.

Wesentlicher Nutzen fraglich

Welche Vorteile aber hat der Verbraucher von dem geplanten Digital-Euro? Ein Argument könnte die vollständige Digitalisierung des Bargelds sein. Da der digitale Euro aber kein Bargeldsubstitut ist, bleibt diese Vision auch weiterhin der Zukunft vorbehalten. Zumal der Bedarf auch nicht dringend zu sein scheint, denn in Europa, etwa in Deutschland und Österreich, hängen viele immer noch am Bargeld: Die regelmäßige Auswertung der Deutschen Bundesbank zeigt, dass Bargeld noch immer bei mehr als der Hälfte aller Transaktionen zum Einsatz kommt. Das belegen auch die Zahlen der Bundesbank zum Bargeldumlauf. Noch viel entscheidender ist der Fakt, dass es EU-Bürgern bereits heute problemlos möglich ist, digital und auch kontaktlos zu bezahlen. Ihnen stehen dabei neben den Karten und mobilen Zahlungsmöglichkeiten der klassischen Geschäftsbanken diverse Plattformen wie PayPal, Apple- und Google Pay zur Verfügung. Es fehlt nicht an Möglichkeiten, digital zu bezahlen. Und da Obergrenzen für Guthaben geplant sind und eine Verzinsung ausgeschlossen ist, bietet auch das Aufbewahren des DigitalEuro keinen zusätzlichen Nutzen.

Richtige Umsetzung kann mit Chancen einhergehen

Die Frage ist also, wie die EZB den Digital-Euro konkret umsetzt und ob sie bei den bisher geplanten Einschränkungen seiner Funktionen und Eigenschaften bleibt. Der Erfolg der europäischen Digitalwährung wird entscheidend davon abhängen, welchen Nutzen sie für die Verbraucher mit sich bringt und ob sie neue Anwendungsfälle erschließt. Dass das bei Digitalwährungen nicht immer gelingt, zeigt ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: Seit 2020 bemüht sich die Regierung der Volksrepublik China, den e-Yuan in der Bevölkerung zu etablieren. Die App der Zentralbank wurde zwar millionenfach heruntergeladen, aber kaum genutzt. Ein Grund dafür ist offenbar, dass die Chinesen lieber etablierte Bezahldienste wie Wechat Pay und Alipay nutzen. Damit es erst gar nicht zu so einem Flop kommt, kann die Europäische Zentralbank bereits heute an den richtigen Stellschrauben drehen und aktiv Chancen nutzen.