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Hypo Börsenblick

09.08.2022
Hitzewelle mit fatalen Folgen

Der Preis für Strom in Deutschland, per Termin ein Jahr in die Zukunft, ist auf mehr als 400 Euro die Megawattstunde geklettert. Gemessen am Niveau vom Beginn des Jahres 2021 bedeutet dies eine Verachtfachung der Zeitreihe. Die Verteuerung spiegelt nicht zuletzt die gegenwärtige Hitzewelle in Mitteleuropa wider: Wenn heiße und trockene Sommer wie der aktuelle alsbald eher die Regel darstellen als die Ausnahme, ist es rational, auch für den kommenden Sommer von einer Hitzewelle auszugehen und von einem neuerlich knappen Gut Strom. Wasserkraft liefert weniger Ertrag, während die Kühlung an aufgeheizten Flüssen gebauter Atomreaktoren Fragen aufwirft. Zu verweisen ist darauf, dass sich der Strompreis dieser Tage in schlechter Gesellschaft befindet. In den Rohstoffpreisindizes grüßen die Energieträger als Gruppe, gemessen für den Zeitraum seit Beginn des laufenden Jahres, mehrheitlich von ganz vorne. Seit Juni zu beobachtende Preisrücksetzer, so beim Rohöl, haben noch nicht sehr weit abwärts geführt.
 

Die Finanzmärkte haben mit dem momentanen globalen Preisschock, wie es aussieht, ihren Frieden gemacht. Die Rentenmärkte sind seit Juni in eine gewisse Sommerlethargie eingetreten; die Notierungen haben sich fürs Erste stabilisiert. Die Aktienmärkte versuchen derweil, die gegenwärtige Berichtssaison der börsennotierten Unternehmen in Kursgewinne umzumünzen: DAX gestern im Plus, Dow Jones Industrial über Nacht ebenso. Ausgeblendet wird bei dieser Betrachtung, dass die berichteten Unternehmensgewinne beileibe nicht überschäumen. In vielen Fällen sind sie lediglich kurzfristig inflationiert, weil zu vorteilhaften Preisen vom Lager abverkauft wird; sehr lange mag diese Strategie nicht tragen. Neuaufträge machen sich rar, wie vergangene Woche zur deutschen Industrie einmal mehr berichtet worden ist. Das stark erhöhte Preisniveau allenthalben dürfte über kurz oder lang Tribut fordern, entweder in Form höherer Absatzpreise und, als Resultat, einer nachlassenden Nachfrage oder in Form stark schrumpfender Gewinnmargen. Morgen stehen neue Preisdaten ins Haus, in diesem Fall zur Verbraucherpreisinflation der Vereinigten Staaten. Die schwankungsanfälligen Energieträger und die Nahrungsmittel herausgerechnet dürfte, nach Ansicht der LBBW, die sogenannte "Kernrate" im Juli satt um ein halbes Prozent zugelegt haben. Der zyklische Gipfel im Teuerungsgebirge dürfte zwar hinter uns liegen. Aber der Abstieg vom Gipfel verläuft entlang eines sehr langen Pfades und wird geraume Zeit in Anspruch nehmen.
 

08.08.2022
US-Arbeitsmarkt unter Volldampf

Die Zahl der Beschäftigten stieg laut der Unternehmensumfrage des US-Arbeitsministeriums im Juli 2022 um 528 Tausend an, nach einem Plus von 398 Tausend im Juni 2022. Damit hat die US-Beschäftigung wieder ihr Niveau aus Vor-Corona-Zeiten erreicht. Zudem kann nach Bekanntgabe dieser Arbeitsmarktdaten als sicher gelten, dass sich die US-Wirtschaft derzeit nicht in einer Rezession befindet. Die zuvor von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Bankvolkswirte hatten im Median einen Beschäftigungsanstieg um 250 Tausend für Juli 2022 vorausgesagt. Die separat erhobene Arbeitslosenquote sank von 3,6 % im Juni 2022 auf 3,5 % im Juli 2022 und erreichte damit ebenfalls wieder ihr Vorkrisenniveau. Die durchschnittlichen Stundenlöhne zogen im Juli 2022 um 0,5 % gegenüber dem Vormonat an, nach einer entsprechenden Rate von 0,4 % im Juni 2022. Der Mix aus guter Beschäftigung und steigenden Löhnen sorgte für einen deutlichen Anstieg der Renditen zum Wochenschluss.

Mehr als nur ein Sommerloch-Thema sind dieses Jahr die Pegelstände des Rheins. Der Kölner Pegel ist am Wochenende unter die Marke von einem Meter gefallen. Auf die Schifffahrt hat der aktuelle Pegelstand bereits Auswirkungen. Große Frachter können schon jetzt nicht mehr fahren oder müssen weniger stark beladen werden. Generell kann derzeit auf dem Rhein nur noch rund die Hälfte der Frachtkapazität geladen werden wie zu normalen Zeiten. Hält dies länger an, könnte dies Auswirkungen auf das BIP im dritten Quartal haben. Zudem wird durch den Engpass in der Rheinschifffahrt die Versorgung insbesondere mit Steinkohle für die Kohlekraftwerke schwieriger. Dagegen steigen die Pegelstände für die Gasspeicher weiter an. Vor dem Wochenende lagen sie laut Bundesnetzagentur bei 70,39% der Gesamtkapazität. Pro Tag strömen derzeit etwa 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte zu. Dieser Zustrom dürfte ab etwa Ende August mit dem Ende der Sommerferien und kühleren Temperaturen jedoch wieder deutlich kleiner werden. Der Datenkalender ist heute äußerst spärlich bestückt. Der Sentix-Index für Deutschland und Europa gibt zwar einen weiteren Hinweis auf das hiesige Konjunkturgeschehen. Aber normalerweise reagieren die Finanzmärkte kaum auf diese Zahlen. Die erwartete weitere Eintrübung für den Sentix-Index dürfte daher die Kurse nicht bewegen. Die Vorgaben aus Fernost sehen einen leicht freundlichen Tokioter Handel, erste Indikationen für den DAX lassen leichte Kursgewinne erwarten.

05.08.2022
Balanceakt für die Bank of England

Es überrascht nicht, dass die Londoner Währungshüter gestern bekannt gaben, ihren Leitzins nicht um 25, sondern um 50 Basispunkte auf 1,75% zu erhöhen. Angesichts einer aktuellen Inflationsrate von 9,4% (höchste Rate seit 40 Jahren!) und der Aussicht, dass die Inflation im Herbst aufgrund der absehbaren Preiserhöhungen der britischen Energieversorger über die Marke von 10% springen wird, blieb der Bank of England kaum eine andere Option. Zumal sie nun explizit damit rechnet, dass das Inflationshoch im Oktober sogar bei 13,3% liegen wird. Im Vereinigten Königreich steht sie seit geraumer Zeit unter öffentlicher Kritik für einen als zu expansiv empfundenen Kurs. Dabei ist die BoE bereits im Dezember 2021 auf einen Zinserhöhungspfad eingeschwenkt und damit früher als etwa die US-Notenbank oder die EZB. Dessen ungeachtet sollte der Einbruch der Konsumentenstimmung sowie die eingetrübte konjunkturelle Lage gegen Jahresende 2022 ein Nachlassen des Preis-aufwärtsdrucks bewirken. Dies wiederum dürfte, nach Ansicht des LBBW Research, die BoE dazu bewegen, ihren Zinserhöhungskurs bereits bei einem Leizinsniveau von 2,25% zu beenden.

Sorgen um eine Abschwächung der Nachfrage drückten gestern weiter auf die Ölpreise. So zeigten u.a. die EIA-Daten eine rückläufige US-Benzinnachfrage (minus 8,8% im Juli im Vergleich zum Vorjahr) sowie einen hohen Lageraufbau. Die laufende Makrowoche endet heute Nachmittag mit der offiziellen US-Juli-Arbeitsmarktstatistik. Jene könnte eine Trendwende hin zum Schlechteren markieren. In den vier Monaten von März bis Juni lag die Zahl der in den USA neu geschaffenen Stellen unter geringen Schwankungen (zwischen 368.000 am unteren und 398.000 am oberen Rand) bei durchschnittlich 381.000 je Monat. Für den heute bekanntzugebenden Monat Juli wird im Konsens indes nur noch mit einem Stellenplus von 250.000 gerechnet. Dass eine Trendwende am US-Arbeitsmarkt bevorstehen könnte, zeichnet sich bereits seit einigen Wochen ab. Schließlich legen die Zahlen zu den wöchentlich neu registrierten Arbeitslosen seit einiger Zeit langsam aber kontinuierlich zu. Dies bestätigten auch die gestern veröffentlichten Daten: 260.000 Menschen meldeten sich demnach vorige Woche arbeitslos. Noch im April lagen diese Zahlen bei ca. durchschnittlich 180.000 neuen Registrierungen. Neben den Beschäftigungsveränderungen dürften die durchschnittlichen Stundenlöhne im Fokus stehen. Sollten diese im Monatsvergleich über die (vom LBBW Research und vom Konsens) erwarteten 0,3% angestiegen sein, dürfte wieder mehr Zinsangst aufkommen. US-Aktien tendierten gestern uneinheitlich, der DAX bewegte sich weiter nach oben. Hierzulande hievte die insgesamt besser als befürchtet verlaufende Berichtssaison den DAX intraday auf ein Zweitmonatshoch bei 13.793 Punkten. Die Eskalation im Taiwan-Konflikt wurde in den Hintergrund gedrängt. Zum Handelsschluss blieb ein Plus von 0,6%.  Nach den Zahlenvorlagen der DAX-Konzerne Adidas, Bayer, Merck KGaA und Zalando gestern folgt heute der Versicherungskonzern Allianz.

04.08.2022
Erhöht die BOE heute um 50 BP?

Im Vereinigten Königreich kletterte die Veränderungsrate des Konsumentenpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat im Juni 2022 auf 9,4 % empor und verzeichnete damit Rückrechnungen des britischen Statistikamtes ONS zufolge ihr höchstes Niveau seit 40 Jahren. Damit der schlechten Nachrichten nicht genug: Es ist absehbar, dass die geplanten Preiserhöhungen der britischen Energieversorger die Inflationsrate im Oktober auf über 10 % hieven werden. Vor diesem Hintergrund erwarten die Analysten der LBBW, dass der Geldpolitische Rat der Bank of England (BOE) diesmal einen größeren Zinsschritt beschließen wird. Die BOE dürfte demzufolge heute ihren Leitzins um 50 BP auf 1,75 % anheben. Dies gilt umso mehr, da kein Geringerer als BOE-Gouverneur Andrew Bailey im Rahmen einer Rede eine Leitzinsanhebung um einen halben Prozentpunkt ins Spiel gebracht hat. Die BOE wird ihre Entscheidung heute um 13 Uhr (MESZ) bekannt geben. Nach LBBW Prognose werden die Londoner Währungshüter auf den beiden darauffolgenden Ratssitzungen im September und November ihren Leitzins um jeweils 25 BP anheben. Danach sollten jedoch keine weiteren Erhöhungen mehr erfolgen. Die LBBW erwartet nämlich, dass der Preisaufwärtsdruck im Vereinigten Königreich gegen Jahresende 2022 angesichts einer Konsumentenstimmung auf Rekordtief, einem langsamen Überwinden der Lieferschwierigkeiten sowie einer merklichen Eintrübung des außenwirtschaftlichen Umfeldes spürbar nachlassen sollte. Mit anderen Worten: Der Zinserhöhungskurs der BOE wird nach LBBW Prognose bereits bei einem Niveau von 2,25 % enden.
 

Der ISM-Einkaufsmanagerindex für den US-Dienstleistungssektor ist von 55,3 Punkten im Juni auf 56,7 Punkte im Juli gestiegen. Dies stellt eine handfeste Überraschung dar. Nahezu alle der von Reuters befragten Volkswirte waren von einem Rückgang des ISM-Index ausgegangen. Die Entwicklung des ISM-Index steht im Widerspruch zu der Erhebung von S&P Global. Deren Einkaufsmanagerindex ist im Juli in den Kontraktionsbereich abgerutscht. Auch die monatlichen Umfragen einiger Federal Reserve Banken ergeben eher das Bild einer Verlangsamung der US-Konjunktur. Die Frage, ob sich die US-Wirtschaft bereits in einer Rezession befindet, bleibt bisweilen unbeantwortet. Weitere Einblicke dürfte die Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichtes am Freitag liefern.
 

03.08.2022
Leichte Entspannung in China?

Während sich die Konjunkturindikatoren für Europa und die USA im Rückwärtsgang befinden und für eine Rezession sprechen, gab es heute Morgen in China eine positive Überraschung. Der Einkaufsmanager-Index für den Dienstleistungssektor in China (Caixin Services PMI) stieg im Juli unerwartet auf 55,5 Punkte nach 54,5 im Vormonat. Der Konsens hatte mit einem Rückgang auf 53,9 gerechnet. Noch beachtlicher ist, dass dies den höchsten Wert seit April 2021 darstellt. Die Lockerung der in China sehr strikten Corona-Einschränkungen ermöglicht dem Service-Sektor vermehrt die Ausübung der operativen Tätigkeit und begünstigt eine Erholung der Nachfrage. Auch die Erwartungskomponente beim Caixin-Index legte zu und erreichte den höchsten Wert seit acht Monaten. Der Konflikt zwischen den USA und China um Taiwan, der im Zuge des Besuchs der US-Politikerin Nancy Pelosi hochgekocht war, geriet etwas in den Hintergrund. Die Märkte in Asien schlossen nach den Verlusten der vergangenen Tage heute Morgen leicht im Plus. Bei den heute anstehenden Daten gilt das größte Interesse dem ISM Non-Manufacturing Composite, der durch Umfragen bei mehr als 400 US-Unternehmen im Dienstleistungsbereich die Entwicklung des Sektors aufzeigen soll. Gegenüber dem Juni-Wert von 55,3 erwarten die Analysten der LBBW einen Rückgang unter die Marke von 54,0.
 

Bei Anleihen hatte der starke Anstieg der Renditen im ersten Halbjahr 2022 auf breiter Ebene für hohe Verluste gesorgt, sowohl in Europa als auch in den USA. Aus Sorge vor deutlichen Zinserhöhungen trennten sich die Investoren im Januar und im Juni 2022 jeweils von einem größeren Volumen an globalen Corporate Bond ETFs als im schwächsten Monat der Corona-Krise. Bei der Gegenbewegung der Renditen im Juli, als die Rezessionssorgen in den Vordergrund rückten und die Renditen sanken, konnten die Investoren immerhin zum ersten Mal in diesem Jahr eine positive Performance erzielen. Der positive Trend zum Halbjahresanfang wurde bei Corporate Bonds durch ein steigendes Interesse der Investoren begleitet, im Juli gab es global die höchsten monatlichen Netto-Zuflüsse seit November 2020. Neben den neuen Daten zum US Services PMI steht heute noch ein virtuelles Treffen der OPEC+ an, bei dem es um Ölfördermengen geht. Aus den Aktienindizes STOXX Europe 600 und S&P 500 legen heute insgesamt 60 Mitglieder ihre Zahlen zum ersten Halbjahr vor.

02.08.2022
Zinserhöhung in Down Under

Obwohl die Inflation mit 6,1% zuletzt weniger stark als befürchtet angestiegen ist, haben die Leitzinshüter in Australien den Leitzins um 50 Bp. auf 1,85% erhöht. Anpassungen bei den Versorgerpreisen sowie auslaufende Steuererleichterungen haben für den Druck auf eine Erhöhung des Leitzinses gesorgt. Zum Euro notiert der Australische Dollar heute früh bei 1,4736. Der von S&P Global (ehemals IHS Markit) für das Verarbeitende Gewerbe erhobenen Einkaufsmanagerindex sank im Juli auf 52,2 nach 52,7 Punkten im Vormonat. Volkswirte hatten einen Stand auf diesem Niveau erwartet. In erster Veröffentlichung war ein Wert von 52,3 ermittelt worden. Erfreulich war der starke Rückgang des Teilindex für die Einkaufspreise; dieser brach von 78,5 auf 60,0 Punkte ein und könnte somit ein Anzeichen dafür sein, dass der Preisdruck bei Gütern in den kommenden Wochen nachlassen könnte.

Die aufkommenden Rezessionssorgen rund um den Globus haben sich in den Notierungen vieler Rohstoffe in den vergangenen Tagen bereits deutlich niedergeschlagen. Nur wenige Tage nach dem Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine erreichte der Preis für eine Tonne Aluminium an der Londoner Metallbörse (LME) ein Rekordhoch knapp unter der Marke von 4.070 US-Dollar. Aktuell liegt der Tagespreis bei 2.431 US-Dollar, rund 40 Prozent unter dem Rekordhoch. Aufgrund der anhaltenden hohen Energiekosten haben bereits zwei europäische Firmen Produktionskürzungen in der Verarbeitung von Aluminiumoxid, welches zu zwei Dritteln in die Produktion von metallischem Aluminium geht, angekündigt und damit für eine Verknappung des Angebots gesorgt. Seit Anfang 2021 wurden aufgrund der steigenden Stromkosten von Seiten der Produzenten Kapazitäten in Höhe von rund 900.000 Tonnen stillgelegt. Mit dem Auslaufen zeitlich begrenzter Stromlieferverträge einiger Produzenten könnte sich in den kommenden Monaten eine weitere Verknappung auf dem Aluminiummarkt ergeben, mit der Folge, dass sich der Aluminiumpreis mittelfristig weiter stabilisieren sollte. Auf dem makroökonomischen Kalenderblatt steht heute um 9:30 Uhr für die Schweiz die Veröffentlichung der PMI für das Verarbeitende Gewerbe für dem Monat Juli auf der Agenda. Die Analysten der LBBW erwarten 57,4 Punkte nach 59,1 im Vormonat, während die Konsensschätzung von einer Abschwächung auf 55,6 Punkte ausgeht. Um 16:00 Uhr werden in den USA die JOLTS-Stellenangebote für den Monat Juni veröffentlicht. Die Anzahl der offenen Stellen könnte abgenommen haben, was vorausblickend den Lohndruck verringern sollte.
 

01.08.2022
China-Einkaufsmanagerindizes schwach

Nachdem am Donnerstag die US-BIP-Daten nach zwei Minusquartalen in Folge für hinreichend Diskussionsstoff sorgten, folgte am Freitag die Veröffentlichung der Pendants für Deutschland und den Euroraum. Das BIP stagnierte hierzulande im 2. Quartal, nach einem (nach oben revidierten) Wachstum von 0,8% im ersten Quartal.  Der Konjunkturmotor stottert also bereits erheblich. Nur dank staatlicher und privater Konsumausgaben konnte im zweiten Quartal das Ergebnis des Vorquartals verteidigt werden. Unter den vier größten Volkswirtschaften des Euroraums ist Deutschland damit Schlusslicht. In Frankreich (+0,5%), Italien (+1,0%) sowie Spanien (+1,1%) legte das BIP kräftiger zu. Aber angesichts der Inflation dürfte dem privaten Konsum nicht nur hierzulande demnächst die Puste ausgehen.  Im Juli erreichte die Teuerung im Euroraum erneut einen neuen Höchststand. Die Verbraucherpreise kletterten im Vergleich zum Vorjahr laut europäischen Statistikamt Eurostat um 8,9%. Damit hat sich die Aufwärtsdynamik nach dem bisherigen Hoch von 8,6% im Juni noch einmal verstärkt. Der Druck auf die EZB bleibt hoch, nach der Sommerpause kräftig an der Zinsschraube zu drehen. Und der Druck auf die Verbraucher ebenfalls, den Gürtel enger zu schnallen.

Neben vielen Unternehmensberichten diesseits und jenseits des Atlantiks stehen, wie üblich zu Monatsbeginn, eine Reihe relevanter Konjunkturdaten auf der Agenda. So etwa die ISM-Indizes für das Verarbeitende Gewerbe (heute) und den Dienstleistungssektor (Mittwoch), die nach den ersten Indikationen regionaler Frühindikatoren für Juli spürbar nachgeben dürften. Der US-Arbeitsmarkt (Freitag) könnte im Juli nach Ansicht der LBBW erstmals ein substanzielles Nachlassen der Dynamik beim Jobaufbau zeigen. Über allem schwebt weiter das Damoklesschwert der Gasströme:  Wie geht es im Streit zwischen Russland und Deutschland weiter? Den Anfang im Datenreigen machte heute früh China. Der Caixin/Markit Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe gab im Juli von 51,7 auf 50,4 Punkte nach. Der "offizielle" Einkaufsmanagerindex des nationalen Statistikbüros war am Sonntag mit 49,0 Punkten bereits unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten gefallen. Beide Indikatoren fielen deutlich unter den von Reuters erhobenen Konsens-Erwartungen der Analysten aus. Dies drückte im frühen Handel bereits auf die Ölpreise, die über einen Dollar je Barrel nachgaben. Die Aktienmärkte an den asiatischen Börsenplätzen hielten sich jedoch überwiegend gut behauptet, nachdem die Wall Street positive Vorgaben lieferte.

28.07.2022
Fed zieht Zinsschraube erneut fester

Die US-Notenbank hat ihr Tagesgeldzielband um weitere 75 Basispunkte auf 2,25 % bis 2,50 % angehoben. Es ist der zweite derart große Zinsschritt in Folge. Die Fed signalisierte zudem, dass weitere Zinsanhebungen in den folgenden Monaten angemessen sein dürften. Sie bestätigte überdies ihre "hochgradige Wachsamkeit" gegenüber den Inflationsrisiken. Die kürzlich veröffentlichten US-Inflationsdaten für Juni ließen der Fed kaum eine andere Wahl als mit dem gestrigen Zinsschritt ans obere Ende der vorab avisierten Spanne von 50 bis 75 Basispunkte zu greifen. Dass es nicht gar ein voller Prozentpunkt geworden ist, dürfte darauf zurückzuführen sein, dass sich in Teilen der US-Wirtschaft die Zeichen einer spürbaren Abkühlung mehren. Wie es damit steht, wird heute durch die Zahlen zum US-BIP im zweiten Quartal erhellt. Die LBBW erwartet eine Stagnation nach -1,6 % im ersten Quartal. Auch in Deutschland hat sich die Konjunktur merklich eingetrübt. Der Strom der schlechten Nachrichten scheint nicht mehr abzureißen. Zuletzt sank das Ifo-Geschäftsklima erneut deutlich und das GfK-Konsumklima brach auf ein Allzeittief ein. Im Euroraum sieht es im Juli mit dem Fall der Einkaufsmanagerindizes unter die Marke von 50 kaum besser aus. Dazu die täglich besorgniserregender klingenden Nachrichten zur Lage in der Ukraine und der zunehmend fraglicher werdenden Versorgung Europas mit russischem Gas. Die Analysten der LBBW haben sich daher zu einer neuerlichen Abwärtsrevision ihrer BIP-Prognosen entschlossen und erwarten jetzt für den Euroraum und für Deutschland eine Rezession, die vermutlich irgendwann zwischen dem Halbjahr 2022 und der Jahreswende beginnen dürfte. Für 2023 rechnet die LBBW für Deutschland mit einem BIP-Minus um 1,0 %, für den Euroraum um 0,6 %. 

Über die Lage der Konjunktur im Euroraum gibt heute das Economic Sentiment für Juli Aufschluss. Das LBBW Research erwartet einen Rückgang von 104 auf 102. Der Konsens ist sogar noch etwas pessimistischer und sieht einen Fall auf 101. Für Deutschland legt Destatis die vorläufige Inflationsrate für Juli vor. Die LBBW hat zwar einen leichten Rückgang von 7,6 % auf 7,4 % erwartet. Aber am frühen Morgen hat die Inflations-Zahl für Nordrhein-Westfalen schon ein Ausrufezeichen gesetzt. Dort legten die Lebenshaltungskosten um 7,8 % zu, nachdem im Juni das Plus noch bei 7,5 % lag. Das "Entlastungspaket" könnte damit schon wieder verpufft sein und der Preisdruck weiter zugenommen haben. Im Laufe des Vormittags kommen weitere Länderzahlen, um 14 Uhr gibt es die Schätzung für Deutschland.

27.07.2022
Düsterer Ausblick für die Weltwirtschaft

Der Internationale Währungsfonds (IWF) veröffentlichte gestern seinen aktualisierten "World Economic Outlook". Darin wurden die Prognosen für das Wirtschaftswachstum nochmals deutlich nach unten revidiert. Laut IWF wird sich das weltweite reale BIP-Wachstum im Jahr 2022 auf 3,2% abschwächen, nachdem es im April noch mit 3,6% beziffert wurde. Die Wachstumsprognose für 2023 wurde sogar von 3,6% auf 2,9% gesenkt. IWF-Chefökonom Pierre-Olivier Gourinchas sagte, dass sich die Aussichten seit April deutlich eingetrübt hätten. Die Welt könne bald "am Rande einer globalen Rezession stehen". Als große Belastungsfaktoren nannte der IWF die hohe Inflation, die Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine und die staatlich verordneten Lockdowns in China.

 

Die hohe Inflation belastet in den Vereinigten Staaten zunehmend die Verbraucher. Das gestern veröffentlichte US-Konsumentenvertrauen sank deutlich von revidierten 98,4 Punkten auf 95,7 Zähler, wie die Umfrage des Instituts Conference Board ergab. Dabei beurteilten die Verbraucher sowohl die aktuelle Lage als auch die Aussichten schlechter. Tiefer fiel das Konsumentenvertrauen zuletzt im Februar 2021 aus. Auch die Gewinnwarnung des US-Einzelhandelsgiganten Walmart zeigt, dass die Kauflust der Konsumenten in den Vereinigten Staaten leidet. Das Thema Gas bestimmt nach wie vor die Nachrichten. Die EU-Länder haben sich gestern auf einen Notfallplan für diesen Winter geeinigt. Der Gasverbrauch soll im Zeitraum von 1. August 2022 bis 31. März 2023 um mindestens 15% reduziert werden. Der Referenzwert ist hierbei der durchschnittliche Gasverbrauch zwischen dem 1. August und dem 31. März in den fünf vorangegangenen Jahren. Allerdings sieht der Kompromiss zahlreiche Ausnahmen vor, z.B. für Länder in Insellage. Das "Highlight des Tages" ist heute zweifelsohne die Bekanntgabe des Zinsentscheides der US-Notenbank. Neben der US-Berichtssaison und den Gas- und Rezessionssorgen richteten Anleger ihre Blicke bereits gestern auf dieses Ereignis. Die Aktienindizes sowohl dies- als auch jenseits des Atlantiks notierten zum Börsenschluss im Minus. Die Federal Reserve wird wohl zum vierten Mal in Folge ihr Tagesgeldzielband anheben. Die Analysten der LBBW rechnen mit einer Erhöhung um 75 Basispunkte. Angesichts der für Juni erneut höher als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten ist aber auch eine noch stärkere Anhebung um 100 Basispunkte denkbar. Ausschlaggebend für die Reaktion der Finanzmärkte auf den Zinsentscheid dürfte zudem sein, welche Guidance die Währungshüter für die Sitzung im September geben werden. Andere Datenveröffentlichungen wie die Auftragseingänge langlebiger Güter in den USA dürften angesichts der Fed-Sitzung heute in den Hintergrund treten.
 

26.07.2022
Handelstag zwischen ifo und Fed

Gazprom hat gestern angekündigt, die Gasmenge in Richtung Deutschland durch die Pipeline Nord Stream 1 auf 20 Prozent des Üblichen zu reduzieren - ein schlechtes Omen für den nächsten Winter. Schon länger ist geplant, dass sich heute die für Energie zuständigen Ministerinnen und Minister der EU-Staaten zu einer Sondersitzung in Brüssel treffen, um sich auf ein gemeinsames Vorgehen für den Fall einer Gasnotlage zu verständigen. Die EU-Kommission fordert von allen Mitgliedsländern beim Gasverbrauch Einsparungen von jeweils 15 Prozent, zunächst auf freiwilliger Basis, später ggf. verpflichtend. Am heutigen Nachmittag, europäischer Zeit, legt der Internationale Währungsfonds eine aktualisierte Vorausschau für die Weltwirtschaft vor. Befürchtet wird, so ist durchgesickert, dass viele Länder kurzfristig in eine Rezession stürzen werden, sollte im Zuge des Krieges in der Ukraine die Energieversorgung weiter leiden. Bei alledem ist die Weltwirtschaft schon jetzt auf dem Weg in eine Rezession. Bei rund um den Globus derart starken Anstiegen der Produzentenpreise wie gesehen ist für den Unternehmenssektor eine Schrumpfung nahezu unausweichlich, in Europa nicht anders als in Übersee. Nicht von ungefähr meldete das ifo-Institut gestern, dass der ifo-Geschäftsklimaindex im Juli stark eingebrochen sei, und zwar von revidiert 92,2 Punkten im Monat zuvor auf lediglich noch 88,6 Zähler. Düsterer war die Stimmung vormals zuletzt im Juni 2020, zu Corona-Hochzeiten. Auch die Privaten Haushalte hat die Wirtschaftsentwicklung jüngst bis ins Mark erschüttert. Nicht nur verstörende Nachrichten vom Krieg in der Ukraine, sondern auch eine bislang nicht nachlassende Inflation bringen die Menschen dazu, ihr Geld zusammenzuhalten, statt es mit vollen Händen auszugeben. In diesem Zusammenhang werden heute neue aufschlussreiche Daten veröffentlicht. Das Conference Board wird den Juli-Wert für seinen Index des US-Konsumentenvertrauens vorstellen. Noch vor einem Jahr kratzte die Zeitreihe an der Marke von 130 Indexpunkten. Für die heutige Verlautbarung erwartet das LBBW Research gerade einmal noch 94 Zähler, zweieinhalb Punkte unterhalb des Expertenkonsens. Das Tief aus Corona-Zeiten bei knapp 85 Zählern kommt in Sichtweite. Trotz all diesem Ungemach dürfte die US-Notenbank morgen weiter an der Zinsschraube drehen, und zwar heftig! Insofern mag der heutige Handelstag an den Finanzmärkten lediglich ein "müder Aufgalopp" werden für einen "heißen Ritt" morgen.
 

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Disclaimer: Hierbei handelt es lediglich um allgemeine Marktinformationen. Diese wurden von der Hypo Vorarlberg erstellt und beruhen auf allgemein zugänglichen öffentlichen Informationen, welche die Hypo Vorarlberg als zuverlässig erachtet. Die in dieser Publikation enthaltenen Empfehlungen sind nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt worden und unterliegen auch nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

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