Publikationen

Hypo Börsenblick

19.05.2022
Schnelle Normalisierung der EZB-Politik?

Beinahe täglich melden sich führende EZB-Vertreter zu Wort, um den Märkten gegenüber Handlungsbereitschaft angesichts hoher Inflation zu signalisieren und wohl auch um, sich in Erinnerung zu rufen. Gestern war die Reihe an den Vertretern Spanien (Pablo Hernandez de Cos) und Finnlands (Olli Rehn). Beide sprachen sich für eine Normalisierung der Geldpolitik aus. De Cos verwies darauf, dass die Geldpolitik angesichts der Inflationsrisiken wieder in Einklang mit dem "natürlichen Zins" gebracht werden müsse. Sein Kollege Rehn mahnte an, die Zinsen möglichst zügig aus dem negativen Terrain zu führen und die Geldpolitik "zu normalisieren". Damit stimmen sie in den inzwischen recht lauten Chor derjenigen ein, die eine Zinserhöhung der EZB im Juli mehr als nur andeuten.

Der Datenkalender bietet heute einen kleinen Strauß an Daten vor allem aus den USA. Der Philly Fed, der Konjunkturindex für die Fed-Region Philadelphia, also einer Region im Nordosten der USA, dürfte im Mai von 17,6 auf 17,0 leicht zurückgegangen sein. Interessant wird vor dem Hintergrund der Inflationsdebatte zudem sein, wie der Prices Paid Index sich entwickelt hat. Außerdem werden aus den USA Zahlen zum Immobilienmarkt (Existing Home Sales) vorgelegt. Das LBBW-Research erwartet einen Rückgang der Immobilienverkäufe von 5,77 auf 5,60 Mio. Einheiten (hochgerechnet auf das Gesamtjahr).

18.05.2022
Lohn-Preis-Spirale sorgt für Alpträume

Der britische Arbeitsmarkt brummt, und das obwohl die UK-Wirtschaft zuletzt ins Stocken geraten ist. Die Arbeitslosenquote fiel von 4,1 % im vierten Quartal 2021 auf 3,7 % im ersten Quartal 2022 und verzeichnete damit ihr niedrigstes Niveau seit 48 Jahren. Zudem überstieg erstmals seit Beginn der Datenerhebung, die Zahl der offenen Stellen die Zahl der Arbeitslosen. Die Zahl der Beschäftigten kletterte im April um 121 Tausend auf einen Rekordstand von 29,5 Millionen. Angesichts dessen wundert es nicht, dass auch die Lohnentwicklung steil nach oben weist. Die wöchentlichen Durchschnittslöhne schnellten im März 2022, auch dank üppiger Sonderzahlungen, um knapp 10 % gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr empor. Nach Abzug der Inflation verblieb zwar noch ein Reallohnanstieg in Höhe von 3,5 %. Im April dürften die Lohnzuwächse jedoch gänzlich von der Inflation aufgefressen worden sein, da die britischen Versorger ihre Tarife für Haushaltsenergie um gut die Hälfte erhöht haben. Nach unserer Prognose werden die Konsumentenpreise im Vereinigten Königreich im April 2022 um 9,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum in die Höhe geschossen sein, nach einer entsprechenden Veränderungsrate von 7,0 % im März.

Die US-Einzelhandelsumsätze legten im April 2022 entsprechend er Konsensprognose um 0,9 % gegenüber dem Vormonat zu. Die amtlichen Statistiker in Washington revidierten jedoch die Steigerungsrate für März von ursprünglich gemeldeten 0,5 % auf 1,4 % nach oben. Diese hohen Wachstumsraten im US-Einzelhandel können nach Ansicht der LBBW nicht nur auf die Preissteigerungen zurückzuführen sein, auch in realer Rechnung dürfte ein erklecklicher Zuwachs verbleiben. Spekulationen auf eine bevorstehende US-Rezession haben einen Dämpfer bekommen. Vor diesem Hintergrund legten gestern US-Aktien zu. Hoffnungen auf ein Ende von Null-Covid in der VR China waren eine zusätzliche Stütze des Aktienmarktes.

17.05.2022
Weltwirtschaft: Intakte Abwärtsspirale

Der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent, aktuell bei knapp 115 US-Dollar, erklomm gestern ein neues Acht-Wochen-Hoch. Für die Zeit seit Jahresanfang steht ein Plus um fast die Hälfte auf der Tafel. Anlass für die jüngsten Preisschübe: die Angst vor einer Verknappung dieses Energieträgers, speziell für den Fall, dass die Staaten des Westens ihr sechstes Sanktionspaket in kurzer Folge gegen Russland durchdrücken, inklusive eines Ölboykotts. Die Angebotsknappheiten auf den Weltmärkten sind mittlerweile Legion. Sie gehen weit über den Rohstoffsektor hinaus. Weitere Nahrung erhielt die Furcht vor einem nachlassenden Angebot auf allen Produktionsstufen gestern durch neue Konjunkturzahlen aus China (wir haben hierüber gestern berichtet). Die Einzelhandelsumsätze sanken im April um bemerkenswerte 11,1% Jahr über Jahr: das stärkste Minus seit März 2020. Derweil schrumpfte die Industrieproduktion Jahr über Jahr um 2,9%. Die Schlagworte im Falle Chinas lauten "Null-Covid-Strategie" und "Massen-Lockdowns": Regionen, die für rund ein Fünftel der chinesischen Wirtschaftsleistung stehen, arbeiten derzeit unter Corona-Bedingungen. Bis Juni kaum Besserung. Die Weltwirtschaft leidet. Beweis gefällig? Der Empire-State Manufacturing Index für den Staat New York verzeichnete im Mai zum dritten Mal dieses Jahr einen Rücksetzer. Nach einem Rückgang um, sage und schreibe, 36,2 Punkte landete das Konjunkturbarometer per Mai tief im Roten Bereich: 11,6 Punkte. Neuaufträge und Auslieferungen stürzten am stärksten ab.

Zweifellos: Die Konjunkturdaten aus China und den Vereinigten Staaten dokumentieren eine Schwäche der jeweiligen gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Die Janusköpfigkeit dieser Daten bedeutet indes für die Weltwirtschaft auch eine anhaltende Angebotsschwäche. Dies scheint die Märkte aktuell mehr zu bewegen, inklusive der damit einhergehenden Inflationsgefahren. Der S&P 500 hat sich gestern per Handelsschluss gerade noch oberhalb der Marke von 4.000 Punkten gehalten. Derweil ist der DAX wieder unter die Marke von 14.000 Punkten gefallen. Heute stehen für April die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion aus den Vereinigten Staaten auf dem Datenkalender. Speziell für die Industrieproduktion sind die Analysten der LBBW vergleichsweise negativ gestimmt.

16.05.2022
Bitcoin stabilisiert sich

Aufregung im Kryptomarkt ist nun wirklich nichts Neues. Dennoch gibt es ein Paar Ereignisse zu berichten. Die gute Nachricht: Übers Wochenende hat sich kein weiterer Abgrund aufgetan - abzulesen daran, dass sich die wichtigste Kryptowährung Bitcoin oberhalb der Marke von 30.000 US-Dollar stabilisiert hat. In der Vorwoche stand das ganze Krypto-Segment unter enormem Druck, Bitcoin hatte zwischenzeitlich seit dem Hoch vom November 2021 über 55% an Wert verloren. Der Ausverkauf fand auf breiter Front statt, und all die liebgewonnenen Narrative der Krypto-Szene (Krypto als "digitales Gold", Diversifikationsinstrument, Inflationsschutz, "Wertspeicher") hatten sich als Leerformeln entpuppt. Möglicherweise werden wir in diesen Tagen Zeuge, wie eine der größten Spekulationsblasen aller Zeiten platzt. Der Hintergrund dieser Entwicklung liegt im Kollaps des drittgrößten sogenannten "Stablecoins" TerraUSD, welcher für einen veritablen Vertrauensverlust sorgte. Ein solcher Stablecoin, der quasi als Pokerchip im bislang unregulierten Krypto-Casino dient, sollte eigentlich eng um den Gegenwert von einem US-Dollar schwanken. TerraUSD wurde aber quasi über Nacht beinahe wertlos und erwies sich damit alles andere als "stable". Zwischenzeitlich versuchte die Quasi-Terra-Zentralbank, die "Luna Foundation Guard", zu retten was zu retten ist, indem sie ihre Dollar- bzw. Bitcoin-Reserven verkaufte, was jedoch nicht ausreichte, um die Dollar-Bindung zu halten. Wie geht es weiter? Kurzfristig dürfte der Krypto-Sektor weiter leiden. Weitere Zweitrunden- und Kaskaden-Effekte sind zu erwarten. Dies kann nämlich der "Lehman-Moment" der Krypto-Szene sein, da Terra ein wichtiger Marktspieler für Fonds war. Der Sektor ist aber noch zu klein, um wirkliche Probleme für die Finanzstabilität auszulösen. So hoffen wir jedenfalls. Zudem haben Banken i. d. R. kein Krypto in ihren Bilanzen. Der Krypto-Sektor beeinflusst hingegen die Aktienmärkte, wie in der Vorwoche zu spüren war: Denn eine Reihe von "High-Growth"-Aktien im Spektrum der US-Technologiebörse Nasdaq bewegt sich auch im Krypto-Universum. Aus diesen Interdependenzen resultieren laut IWF systemische Risiken.

Makroseitig enttäuschen heute Morgen die Produktions- und Einzelhandelsdaten aus China. Letztere brachen im April um 11,1 % im Vergleich zum Vorjahr ein, der größte Rückgang seit März 2020. Auch die Industrieproduktion (-2,9 %) fiel schwächer als erwartet aus. Bis das Reich der Mitte wieder zum normalen Leben zurückkehrt, wird es noch eine Weile dauern. Bis zum 21. Mai sollen die derzeitigen Einschränkungen noch bleiben, dann soll die schrittweise Normalisierung erfolgen.

13.05.2022
US-Dollar nimmt historische Marke ins Visier

Es scheint als hätten sich die Märkte vorerst gefangen. Der gestrige Handelsbeginn war geprägt von einer Flucht der Akteure in sichere Anlagen. Die europäischen Aktienindizes notierten über 2 % im Minus und die Staatsanleiherenditen gaben deutlich nach. An Gründen für Pessimismus mangelt es dieser Tage nach wie vor nicht. Die Corona-Lage in China ist weiterhin äußerst fragil. In Stadtbezirken Shanghais, die als frei von Infektionen ausgewiesen waren, wurden neue Corona-Fälle gemeldet, was Sorgen vor anhaltenden Einschränkungen für die Wirtschaft schürte. Die Hauptstadt Peking meldete am Donnerstag einen leichten Anstieg der dortigen Neuinfektionen auf 50 Fälle. Nach dem von der Ukraine am Dienstag vermeldeten Stopp des Gastransits durch eine wichtige Pipeline fiel der Fluss russischen Gases durch die Ukraine nach Mitteleuropa gestern noch einmal geringer aus als am Mittwoch. Der Terminkurs für Gas legte gestern in der Spitze von 95 auf 115 US-Dollar je MWh zu, beruhigte sich dann aber wieder und ging mit 105 US-Dollar aus dem Handel. Die Aktienindizes taten es ihm gleich - sie konnten zum Nachmittag einen Gutteil ihrer Verluste wieder aufholen. Die Staatsanleiherenditen folgten dem gestern noch nicht, heute früh notiert die Rendite für US-Treasuries 10-jähriger Laufzeit aber rund 4 Basispunkte höher als zum gestrigen Handelsschluss. Die US-Aktienindizes bewegten sich gestern per Saldo kaum. Der japanische NIKKEI notiert heute früh über 2 % im Plus. Das Treiben an den Finanzmärkten gleicht damit weiterhin einem Wechselspiel aus Hoffen und Bangen. Zum heutigen Handelsstart in Europa zeichnen sich ebenfalls höhere Kurse ab.

Das Zünglein im Makrogeschehen ist dieser Tage der US-Dollar. Dieser profitierte von der Nervosität der Marktteilnehmer und erreichte Kurse von unter 1,04 US-Dollar je Euro. Die kräftige Tagesbewegung dürfte nicht zuletzt auch von markttechnischen Einflüssen getrieben worden sein. Seit dem 27. April krebste der EURUSD-Kurs im Wesentlichen zwischen 1,05 und 1,06 US-Dollar je Euro. Das energische Verlassen dieses Seitwärtsbandes dürfte weitere Anschluss-Orders nach sich gezogen haben. Da half es dem Euro auch nicht, dass sich mit dem slowakischen EZB-Vertreter Peter Kazimir ein weiterer Befürworter einer Leitzinserhöhung im Juli gemeldet hat. Spätestens seit den deutlichen Signalen von EZB-Chefin Christine Lagarde am 11. Mai dürfte ein solcher Schritt als Marktkonsens gelten. Wir erwarten vorerst ein Fortbestehen der Dollar-Stärke.

12.05.2022
Höhepunkt der US-Inflation scheint erreicht

Der gestern veröffentlichte US-Verbraucherpreisindex scheint vorläufig einen Höhepunkt zu markieren. Die Frage lautet: Ist der Zenit erreicht? Nach Ansicht der LBBW scheint dies der Fall zu sein. Ihrer Ansicht nach spricht hierfür, dass der Anteil der Kleinunternehmen, welche gemäß der NFIB-Erhebung ihre Verkaufspreise erhöht haben, im April leicht zurückgegangen ist. Zudem war die monatliche Veränderungsrate des Konsumentenpreisindex für Güter (ohne Energie, Nahrungsmittel und Gebrauchtwagen) zuletzt rückläufig und zeigt somit ein leichtes Nachlassen des unterliegenden Preisauftriebs an. Der Nachrichtenfluss zur Inflation stoppte nicht nur die Erholung an den US-Aktienmärkten, sondern ließ auch den Bitcoin-Kurs erstmals seit Juli 2021 unter die 30.000 USD-Marke abrutschen. Heute erwarten uns aus den USA die Produzentenpreise für April. Der Preisdruck lag zuletzt bei 1,4% ggü. dem Vormonat (und +11,2% ggü. Vorjahresmonat). Im April dürfte er laut der Konsensprognose (+0,5% MoM bzw. 10,7% YoY) - ähnlich wie die Inflation - leicht nachgelassen haben.

Das Makroblatt hat heute die Konjunkturentwicklung in UK im Fokus. Heute werden die vorläufigen BIP-Daten für Q1 2022 aus dem Vereinigten Königreich veröffentlicht. Die britische Wirtschaft sollte sich nach der Konsensprognose mit einem Plus von 9% ggü. dem Vorjahresquartal robust entwickelt haben (+1% QoQ). Die Konjunkturentwicklung steht derzeit im Spannungsverhältnis einer sich erholenden Industrie gemessen am Einkaufsmanagerindex und einem gesunkenen Verbrauchervertrauen gemessen am GfK-Konsumklimaindex.

11.05.2022
US-Inflation vor dem Wendepunkt?

Die Konjunkturerwartung bei unseren deutschen Nachbarn scheint sich aufzuhellen. So kletterte der ZEW-Index von -41,0 Punkten im April auf -34,3 Punkte im Mai. Dieser leichte Anstieg ist jedoch unserer Einschätzung nach nicht die Wende zum Besseren. Wenn die Talsohle nach Meinung der Experten erreicht ist, schießt der ZEW-Index meist steil nach oben. Derzeit ist die allgemeine Unsicherheit aber zu hoch. Zum Ukraine-Krieg gesellt sich die trabende Inflation sowie die damit einhergehende Unsicherheit, wie die Notenbanker im Frankfurter Skytower darauf reagieren werden. Die chinesische Zero-Covid-Politik, mit ihrem Potential den Welthandel zu schädigen, kommt noch erschwerend hinzu. Da reicht der gestrige Mini-Anstieg des ZEW-Index nicht aus, um hoffnungsfroh zu werden. In den Vereinigten Staaten stagnierte der Stimmungsindikator des Verbandes der Kleinunternehmen (NFIB) im April, nach drei Rückgängen in Folge, bei 93,2 Punkten. Damit bleibt die Stimmung der US-Kleinunternehmen eingetrübt, die hohen Einstandspreise und die fehlenden Arbeitskräfte drücken auf die Stimmung. In dieser Gemengelage blieb der Kurs des Euro gegenüber dem US-Dollar unverändert bei etwas über 1,05

Heute Nachmittag wird der Konsumentenpreisindex der USA für den Monat April veröffentlicht. Gemäß der Einschätzung der LBBW dürften fallende Gebrauchtwagenpreise und stagnierende Benzinpreise für etwas Entlastung an der Preisfront gesorgt haben. Demzufolge sollte der US-Konsumentenpreisindex nach Einschätzung der LBBW im April in saisonbereinigter Rechnung um lediglich 0,3 % gegenüber dem Vormonat angestiegen sein. Trifft diese Einschätzung zu, dann wird die Veränderungsrate des US-Konsumentenpreisindex gegenüber dem Vorjahresmonat von 8,5 % im März 2022 auf 8,2 % im April 2022 zurückgehen. Dies wirft die spannende Frage auf: Haben wir bei der US-Inflation den Hochpunkt gesehen? Das LBBW-Research rechnet genau damit. Damit im Einklang steht, dass der Anteil der Kleinunternehmen, welche gemäß der NFIB-Erhebung ihre Verkaufspreise erhöht haben, im April leicht zurückgegangen ist. Zudem ist die monatliche Veränderungsrate des Konsumentenpreisindex ohne Energie, Nahrungsmittel und Gebrauchtwagen seit drei Monaten rückläufig und zeigt somit ein Nachlassen des unterliegenden Preisauftriebs an. Eine Verschärfung der Lieferkettenproblematik infolge der "Lockdowns" in einigen Millionenstädten der VR China sowie ein wiederholtes Emporschießen der Energie- und Nahrungsmittelpreise aufgrund einer Eskalation der Russland-Krise stellen jedoch erhebliche Risiken für die LBBW-Inflationsprognose dar. Davon abgesehen würde das Durchschreiten des oberen Wendepunktes bei der Inflation nicht bedeuten, dass die US-Notenbank von ihren avisierten Leitzinserhöhungen größeren Ausmaßes Abstand nehmen wird. Dafür wird die Inflation - nicht zuletzt wegen der angespannten Lage am US-Arbeitsmarkt - viel zu hoch bleiben. Der Präsident der Federal Reserve Bank of New York, John Williams, sagte gestern im Nachgang seiner Rede in Eltville am Rhein, dass Leitzinserhöhungen um jeweils 50 BP auf den nächsten beiden Sitzungen des Offenmarktausschusses Sinn machten.

10.05.2022
"Tag des Sieges" ohne weitere Eskalation

Dem Sieg über Nazi-Deutschland im Jahre 1945 wurde gestern, am "Tag des Sieges" mit Pauken und Trompeten, aber ohne Flugzeuge gedacht. Präsident Putin nutzte seine Rede dafür, den Angriff auf das Nachbarland als präventiven Schritt darzustellen. Der Westen habe sich auf eine Invasion Russlands, einschließlich der Krim, vorbereitet. Putin rief weder offiziell den Krieg in der Ukraine aus, noch verkündete er wie befürchtet eine allgemeine Mobilmachung. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wiederum verbat sich eine "Aneignung" des Sieges über Deutschland im Zweiten Weltkrieg durch Russland. Das von der EU angestrebte Öl-Embargo gegen Russland ist indes nach wie vor nicht in trockenen Tüchern. Vor allem das stark von russischen Rohstoffen abhängige Ungarn lehnt das geplante Embargo ab. Von der Parade einmal abgesehen sind es auch weiterhin die Konjunktursorgen, die die Märkte bewegen. So schauen die Investoren derzeit  mit wenig Zuversicht auf die Konjunktur im Euroraum. Dies ergab der Sentix-Konjunkturindex, der gestern veröffentlicht wurde. Der Gesamtindex sank zum dritten Mal in Folge auf nun -22,6 Punkte. Dies entspricht dem tiefsten Stand seit Juni 2020. Die befragten Investoren beurteilen sowohl die Lage als auch die Erwartungen schlechter als vor einem Monat. Die Erwartungen fielen sogar auf den tiefsten Stand seit Dezember 2008. Für Deutschland sanken die Erwartungen sogar auf ein Allzeittief.

Insgesamt darf die Stimmung an den Kapitalmärkten so oder so als schlecht bezeichnet werden. Hintergründe sind, neben Konjunktursorgen, Zinsängste und der belastende Ukraine-Krieg. Die Aktienmärkte notierten gestern dies- wie jenseits des Atlantiks im Minus. Der US-Dollar legte weiter zu. Gegenüber dem Japanischen Yen erreichte der Greenback den höchsten Stand seit dem Jahr 2002. An den Rentenmärkten stiegen die Renditen für deutsche und US-Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit weiter an. Die US-Renditen stiegen auf 3,20% und damit auf den höchsten Stand seit über drei Jahren. Die 10-jährigen Bundrenditen erreichten bei knapp 1,19% gar den höchsten Stand seit dem Jahr 2014.

09.05.2022
G7 verhängt Bann gegen russisches Öl

Der Zinsschritt der US-Notenbank erhöht den Handlungsdruck der EZB gewaltig. Die jüngsten öffentlichen Aussagen von EZB-Vize Luis de Guindos sowie den beiden Direktoriumsmitgliedern Isabel Schnabel und Francois Villeroy de Galhau lassen jedoch vermuten, dass man im Eurotower nun endlich ebenfalls gewillt ist, gegen die Inflation anzukämpfen. Entsprechend stiegen die Anleiherenditen diesseits wie jenseits des Atlantiks zuletzt weiter an. Während bei zehnjährigen US-Treasuries mit einer Rendite von 3,13% nun längst die Drei vor dem Komma steht, ist es bei zehnjährigen Bundesanleihen mit 1,14% die Eins. Die stark steigenden Renditen knabbern dabei immer mehr an dem, lange Zeit im Vordergrund stehenden, TINA-Narrativ.

Leider reißt die Serie schlechter Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft infolge des Kriegs in der Ukraine nicht, weshalb auch am Freitag von der Makroagenda schlechte Nachrichten vom Export, den Einzelhandelsumsätzen sowie den Industrieaufträgen kamen. Nun brach im März nun auch die Industrieproduktion ein. Und dies mit einem Minus von 3,9% gegenüber Februar sogar viermal so stark wie von den Ökonomen im Vorfeld im Konsens erwartet. Einen noch stärkeren Rückgang hatte es zuletzt zu Beginn der Corona-Krise im April 2020 gegeben. Nach fünf Anstiegen in Folge erfuhr die Industrieproduktion somit einen herben Dämpfer.

06.05.2022
Weitere Notenbanken folgen der Fed

Sie machte den Anfang, weitere sollen folgen: Nach der Zinserhöhung der FED hat auch die Bank of England (BoE) auf ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, zum vierten Mal in Folge ihren Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf 1,00% anzuheben. Nach Einschätzung der LBBW wird die BoE ihren Leitzins bis Jahresende auf 2,00% heraufschleusen. Auch die tschechische Nationalbank hat an der Zinsschraube gedreht. Von heute an liegt der Leitzins bei 5,75% und damit so hoch wie zuletzt 1999. Die polnische Notenbank erhöhte ihren Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 5,25%.

Die Industrieproduktion in Deutschland ist im März um 3,90% geschrumpft. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Coronavirus-Krise im April 2020 und liegt weit unter den Marktprognosen von 1,00%. Viele Unternehmen haben immer noch Probleme ihre Aufträge zu bearbeiten, da die Lieferketten aufgrund der anhaltenden Pandemieeinschränkungen und des Krieges in der Ukraine unterbrochen sind. Um 14:30 Uhr folgen die Aprilzahlen zur Lage am US-Arbeitsmarkt. Das LBBW-Research geht davon aus, dass sich das Beschäftigungswachstum weiter fortgesetzt hat und erwarten eine Zunahme von 500 Tsd. Stellen. Die Arbeitslosenquote dürfte leicht gesunken sein, und zwar auf 3,50%. Aufgrund der großen Zahl an offenen Stellen erwarten die LBBW-Analysten, dass der Lohndruck weiter anhalten sollte.

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Hierbei handelt es lediglich um allgemeine Marktinformationen. Diese wurden von der Hypo Vorarlberg erstellt und beruhen auf allgemein zugänglichen öffentlichen Informationen, welche die Hypo Vorarlberg als zuverlässig erachtet. Die in dieser Publikation enthaltenen Empfehlungen sind nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt worden und unterliegen auch nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

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