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Hypo Börsenblick

04.03.2024
Ruhiger Start in eine vollgepackte Woche

Seit geraumer Zeit sieht die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) eine Fülle von Faktoren, die eigentlich für eine Kontraktion der US-Wirtschaft sprechen. Die Anleiherenditen in Europa und den USA vollzogen am vergangenen Donnerstag und Freitag eine kleine Achterbahnfahrt. In dieser Woche sind Wirtschaftsdaten aus mehreren Ländern und Aktualisierungen bei den US-Präsidentschaftswahlen zu erwarten.

Zu den Faktoren, die für eine Kontraktion der US-Wirtschaft sprechen laut der LBBW, zählen der zurückliegende Zinsanstieg, die gut gefüllten Läger sowie eine absehbar weniger expansive Fiskalpolitik. Dennoch entwickelte sich die Konjunktur in den USA bislang recht robust. Nach vorn blickend muss die LBBW anerkennen, dass die haussierenden Aktien und steigenden Hauspreise das Nettovermögen der US-Bürger erhöhen und deren Konsumlaune stimulieren dürften. Die LBBW trägt die Rechnung, indem sie zwar weiterhin von einer Abschwächung der US-Konjunktur ausgeht. Eine Rezession erwartet die LBBW nun aber nicht mehr und haben ihre Prognose für das BIP-Wachstum im laufenden Jahr von 1,0 % auf 2,0 % erhöht. Vor diesem Hintergrund und angesichts der jüngsten Inflationsentwicklung hat die LBBW auch ihre Prognose für die US-Inflation 2024 von 2,5 % auf 3,0 % angehoben. Die LBBW geht gleichwohl nur von einer Verzögerung des Inflationsrückgangs aus und nicht von einer Trendwende.

Am Ende notierten die Anleiherenditen in Europa und den USA niedriger als noch zur Wochenmitte. Dabei kann die LBBW die jeweiligen Wendungen nur bedingt nachvollziehen. Die am Freitag veröffentlichten Inflationsdaten für den Euroraum zeigten zwar einen Rückgang der Inflationsrate. Der Rückgang war aber geringer als von Ökonomen erwartet worden war. Die Anleiherenditen fielen im Nachgang der Veröffentlichung dennoch. Ohne weitere Nachrichten kletterten sie am Nachmittag wieder nach oben, nur um dann in Reaktion auf einen enttäuschenden ISM-Einkaufsmanagerindex wieder abzustürzen. Der Konjunkturindikator für das Verarbeitende in den USA verzeichnete einen Rücksetzer von 49,1 auf 47,8 Punkte. Erwartet worden war ein weiterer geringfügiger Anstieg. Auch wenn in diesem Fall die Richtung der Marktbewegung zur Nachricht passt - die Schärfe des Renditerückgangs überrascht uns. Der Markt wirkt nervös und scheint - für den Moment - eine Neigung hin zu sinkenden Renditen aufzuweisen. Die Aktienmärkte freute es - falls es für gute Stimmung überhaupt eines Anlasses bedurfte. Die neue Handelswoche bietet derweil genug handfeste Impulse.

Der heutige Montag ist noch arm an marktbewegenden Daten. Allerdings ergänzte der US Supreme Court gestern in einem ungewöhnlichen Schritt seinen Terminkalender und kündigte für heute die Bekanntgabe eines Urteils an. Dies sorgte für Spekulationen, es könnte sich um die Entscheidung des Obersten Gerichts zur Wahlzulassung von Donald Trump handeln. Der morgige Dienstag wartet mit dem Beginn des chinesischen Nationalkongresses, den Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor in Europa und den USA sowie mit dem sogenannten "Super Tuesday" bei den Vorwahlen im US-Präsidentschaftswahlkampf auf. In insgesamt 15 Bundesstaaten finden morgen Vorwahlen von Demokraten und/oder Republikanern statt. Am Mittwoch wird Fed-Chef Jerome Powell seinen halbjährlichen Rechenschaftsbericht vor dem Kongress ablegen. Am Donnerstag steht der nächste EZB-Zinsentscheid an, und am Freitag bildet der US-Arbeitsmarktbericht für Februar den Abschluss einer ereignisreichen Woche. Daneben geht auch die Berichtssaison der Unternehmen weiter - allerdings mit deutlich geringerer Schlagzahl als zuletzt.

01.03.2024
Inflation, CO2-Zertifikate und die Volkswirtschaft

Gestern teilte Destatis die Inflationsrate in Deutschland im Februar nach der ersten Schätzung mit. Der Preis für CO2-Zertifikate fiel in der vergangenen Woche, aber hat sich gestern von diesem Tiefstand erholt. Heute stehen verschiedene volkswirtschaftliche Zahlen aus mehreren Ländern auf der Tagesordnung.

Die Inflationsrate in Deutschland laut Destatis lag im Februar bei 2,5 %. Im Januar lag die Rate noch bei 2,9 %, im Dezember 2023 bei 3,7 % sowie im November 2023 bei 3,2 %. Dennoch ist eine Zinssenkung vorerst keine Option. Im Vorfeld der Veröffentlichung der Inflationsdaten betonte EZB-Vizepräsident de Guindos, dass die EZB die Zinsen senken werde, wenn die Daten eine rückläufige Inflation bestätigen würden. Sein Kollege, EZB-Ratsmitglied und Chef der Bundesbank Joachim Nagel, warnte vor zu frühen Zinssenkungen und betonte dabei den Mangel an verlässlichen Daten, die signalisieren, dass die Inflation 2025 das Ziel von 2 % erreichen wird. Diese Kontroverse zeigt das Dilemma, in welchem der EZB-Rat steckt. Die Richtung im Kampf gegen die Inflation stimmt seit Monaten. Zugleich hält sich aber die Sorge, dass sie wieder aufflammen könnte. In diesem Fall würden sich Zinssenkungen als verfrüht erweisen und den EZB-Rat womöglich zur Umkehr zwingen. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erwartet unverändert eine Leitzinssenkung nicht vor Juni dieses Jahres.

Zu Beginn des Jahres notierten die CO2-Zertifikate knapp unter der Marke von 77 Euro pro Tonne. Eine große Anzahl von Analysten und Marktbeobachtern waren sich damals einig, dass sich der CO2-Zertifikatspreis wohl in einer Einbahnstraße befindet. Der warme, windige und nasse Winter hat dieser Annahme allerdings einen Strich unter die Rechnung gemacht. Der Preis fiel in der vergangenen Woche unter die Marke von 50 Euro. Das entspricht einem Preisverfall von gut 35 % und ist zugleich die tiefste Preisnotiz seit Mai 2021. Zum gestrigen Handelsschluss hat sich der CO2-Zertifikatspreis aber wieder deutlich von seinem Tiefstand erholt. Er beendete die Handelssitzung bei 54,16 Euro pro Tonne. Für steigende Preise in den kommenden Monaten sprechen eine erwartete Konjunkturerholung, die mögliche Ausweitung des Zertifikatehandels auf weitere Sektoren und ab 2027 eine stärkere Reduzierung des Zertifikateangebots.

Bereits heute früh stand in China der Caixin Einkaufsmanagerindex der Hersteller auf der Agenda. Nach 50,8 Zähler im Vormonat stieg der Index im Februar auf 50,9 Punkte, getragen von einem zweiten monatlichen Anstieg der Neuexporte in Folge. Um 9:30 Uhr erwarten wir den PMI für die Schweiz und um 11:00 Uhr folgt die Vorabschätzung der Inflationsrate für den Euroraum. Nach 2,8 % im Vormonat gehen wir von einem Rückgang auf 2,5 % aus. Die Kerninflationsrate für Februar erwartet die LBBW bei 3,0 % nach 3,3 % im Vormonat. Um 16:00 Uhr runden die US-Bauausgaben für Januar, der ISM Einkaufsmangerindex für das Verarbeitende Gewerbe für Februar und die finalen Daten des US-Verbrauchervertrauens der Uni-Michigan für Februar den Datenkranz ab.

29.02.2024
Boeing, Bitcoin und Basiseffekte

Wieder ein neues Rekordhoch beim DAX: Erstmals überwand der Index die Marke von 17.600 Punkten. Im Schatten der von KI getragenen Hausse an den Aktienmärkten glänzt derzeit Bitcoin. Heute um 14:00 Uhr stehen die Inflationsdaten für Deutschland auf der Agenda.

Tagesgewinner gestern war Airbus: Reuters veröffentlichte Berichte, wonach American Airlines vor der Platzierung einer größeren Order steht. Knapp 100 Flugzeuge sollen demnach bestellt werden, wobei Airbus ein etwas größeres Stück vom Orderkuchen erhalten dürfte als der amerikanische Kontrahent Boeing. Aus dem DAX legte gestern kein Unternehmen Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr vor, dafür ein ehemaliges DAX-Mitglied, das inzwischen dem MDAX angehört. Lanxess verbuchte in der Bilanz Sonderabschreibungen auf Firmenwerte von über eine halben Milliarde Euro. Die Aktie rutschte um mehr als 3 % ab.

Die Mutter aller Kryptowährungen Bitcoin legte im laufenden Jahr um über 40 % zu und überwand gestern die Marke von 60.000 US-Dollar. Damit gerät auch das Allzeithoch vom November 2021 bei 69.000 US-Dollar in Reichweite. Bitcoin erhielt durch die Zulassung von ETFs in den USA im Januar dieses Jahres einen neuen Schub: Dadurch kam die Cyberdevise endgültig im Mainstream an. US-Anleger können nun einfach an der Performance von Bitcoin partizipieren. Sie benötigen nur ein Konto bei einer Bank, um den ETF eines Fondshauses für ihr Depot erwerben zu können. Von Verwahrstellen und sonstigen beteiligten Finanzdienstleistern gar nicht zu reden. Ob das im Sinne des (unbekannten) Erfinders war? Dezentralisierung und Demokratisierung der Finanzmärkte sieht anders aus. Derweil geht die Hausse weiter, solange sie von frischem Anlagegeld befeuert wird und diese Nachfrage das Angebot (neu geschürfte Coins und Verkäufe) übersteigt.


Im Januar hatte der Preisdruck in Deutschland zwar nachgelassen, die Abschwächung blieb jedoch erstmals seit mehreren Monaten hinter den Erwartungen zurück. Für Februar stehen die Zeichen nach der Meinung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auf einen fortgesetzten Abwärtstrend. Die LBBW geht angesichts von Basiseffekten davon aus, dass das Tempo der Desinflation wieder etwas zulegen sollte. Konkret erwarten sie ein Rückgang der jährlichen Inflationsrate von 2,9 % im Januar auf 2,6 % im Februar. Auch die Kernrate dürfte rückläufig sein. Sorgen, dass sich die EZB-Zinswende (weit) ins zweite Halbjahr hinein verschiebt, dürften damit beschwichtigt werden. Eine halbe Stunde später wird in den USA der PCE-Deflator veröffentlicht. Dies ist das von den Währungshütern der US-Notenbank favorisierte Maß für die Entwicklung der Verbraucherpreise.

28.02.2024
Microsoft und Mistral, US-Makrodaten, DAX-Kursindex

Die europäischen Regulierungsbehörden könnten eine geplante Partnerschaft zwischen Microsoft und dem französischen Unternehmen Mistral untersuchen. Anstatt die lange Zeit befürchteten Abdriftens in die Rezession zeigten sich die US-Makrodaten zuletzt regelmäßig robust, außer gestern. Gestern schaffte es allerdings der deutsche Markt nachzuziehen und ebenfalls ein neues Allzeithoch zu markieren - und zwar ein wirkliches!

Mistral wurde im vergangenen Jahr gegründet und gilt als eines der größten KI-Unternehmen Europas, das Hunderte von Millionen Euro bei einer Bewertung von 2 Milliarden US-Dollar aufgenommen hat. Microsoft schlägt vor, 15 Millionen Euro in Mistral zu investieren und Cloud-Computing zur Skalierung der Algorithmen von Mistral bereitzustellen. Die Dienste von Mistral würden auch auf der Azure-Cloud-Plattform angeboten werden. Die Aufsichtsbehörden in den USA und in Europa untersuchen bereits die Beziehung zwischen Microsoft und OpenAI, nachdem Microsoft 13 Milliarden US-Dollar in das Unternehmen investiert und einen Sitz ohne Stimmrecht im Verwaltungsrat erhalten hat. In den Augen von Gegnern könnten solche Deals zu einem erstickten Wettbewerb im Bereich der KI führen.


Die gestern veröffentlichten Zahlen zu den Auftragseingängen bei langlebigen Wirtschaftsgütern sprechen nun allerdings eine völlig andere Sprache. Trotz gesenkter Basis - der ursprünglich für Dezember 2023 vermeldete Wert wurde um 0,3 % nach unten revidiert - enttäuschten die Januar-Zahlen auf ganzer Linie. Und dies, obwohl die Prognose mit einem Rückgang um 4,5 % ohnehin schon mehr als pessimistisch ausfiel. Tatsächlich lagen die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA im Januar 2024 nämlich sogar um satte 6,1 % unterhalb des Dezember-Niveaus. Und auch beim vom Conference Board erhobenen US-Konsumentenvertrauen hagelte es gestern eine herbe Enttäuschung. Für Januar wurde der ursprünglich mit 114,8 Punkten angegebene Indikatorwert auf 110,9 Zähler abwärts revidiert. Für Februar waren es dann sogar nur noch 106,7 Punkte. Damit wurden die Konsenserwartungen in Höhe von 115,0 Zählern massiv verfehlt. Den Aktienmarkt tat dies jedoch keinen Abbruch.
 

Tatsächlich erreichte der DAX-Performanceindex zuletzt zwar schon einige neue Allzeithochs in kurzer Folge. Weil dieser Index wegen der in ihn reinvestierten Dividenden aber auch dann steigt, wenn die Kurse konstant bleiben oder sogar etwas sinken würden, taugt er nicht als Vergleichsmaßstab. Passend ist stattdessen der deutlich weniger bekannte DAX-Kursindex, bei dem der Dividendeneffekt ebenso außen vor bleibt, wie bei anderen Marktbarometer wie der S&P 500 und Nikkei 225. Bislang notierte der DAX-Kursindex noch unterhalb seines Allzeithoch von 6.873,08 Punkte, welches er Anfang 2022 markiert hatte. Mit dem gestrigen Sprung auf 6.924,31 Zähler lässt sich nun mit Fug und Recht aber auch für den deutschen Markt behaupten, dass er eine neue Bestmarke erzielt habe.

27.02.2024
Katarisches Erdgas, US-Verarbeitungsindustrie

Katar baut seine Erdgasförderung aus. Der von der Federal Reserve Bank of Dallas erhobene Index für die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe ihres Distriktes stieg im Februar. Das US-Wirtschaftsministerium wird heute Nachmittag den Auftragseingang Januar für dauerhafte Güter im Verarbeitenden Gewerbe veröffentlichen.

Katar hat seine Absicht bekannt gegeben, die Förderung aus dem größten Erdgasfeld der Welt zu erweitern. Dadurch wird die Produktionskapazität Katars für verflüssigtes Erdgas (LNG) bis 2030 auf 142 Millionen Tonnen pro Jahr steigen. Katar ist bereits jetzt neben den USA, Australien und Russland einer der größten LNG-Produzenten der Welt. China, Japan und Südkorea waren bisher die Hauptabnehmer von katarischem LNG. Seit dem Beginn des Konflikts in der Ukraine haben jedoch auch europäische Länder ihre Nachfrage nach katarischem Erdgas erhöht. Im vergangenen Jahr unterzeichnete Katar LNG-Verträge mit der chinesischen Sinopec, der französischen Total, der britischen Shell und der italienischen Eni.

 

Der von der Federal Reserve Bank of Dallas erhobene Index für die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe ihres Distriktes kletterte von -27,4 Punkten im Januar auf -11,3 Punkte im Februar. Da zuvor auch die regionalen Notenbanken New York und Philadelphia über eine Aufhellung der Stimmung in ihren Distrikt berichteten, nährt die Meldung aus Dallas die Spekulation, dass der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe im Februar seine Expansionsschwelle von 50 Punkten überwinden wird. Die seit langer prophezeiter Rezession der US-Wirtschaft lässt demnach weiter auf sich warten.

 

Nach der Prognose der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) werden die US-Auftragseingänge um 3,0 % gegenüber dem Vormonat fallen. Diese pessimistische Prognose gründet auf die Auftragsentwicklung beim Flugzeughersteller Boeing. Das im US-Bundesstaat Virginia beheimatete Unternehmen konnte nach dem Auftreten von Qualitätsproblemen im Januar lediglich drei Bestellungen für Großraumflugzeuge verzeichnen. Dies vergleicht sich mit einem Auftragseingang für 371 Großraumflugzeige im Dezember.

26.02.2024
Bewertungs-Frage, ifo-Geschäftsklima und die kommende Woche

In der vergangenen Woche haben die Aktienmärkte in mehreren Ländern neue Höchststände erreicht. Da stellt sich die Frage, ob wir uns in einer Blase befinden, insbesondere in Bezug auf künstliche Intelligenz (KI). In der deutschen Wirtschaft hat sich die Stimmung in den Chefetagen im Februar leicht aufgehellt, wie aus dem Ifo-Geschäftsklima hervorgeht. In dieser Woche stehen hierzulande die Quartalsberichte einiger Unternehmen sowie Konjunkturdaten an.

Die vergangene Woche war von Rekordhochs geprägt. S&P 500, DAX und Nikkei 225 erreichten neue Allzeithochs. Zwar gibt es einige Merkmale, die für eine Blasenbildung sprechen, wie etwa die Konzentration auf wenige Titel. Auch die Bewertung ist historisch hoch, was die längerfristige Aktienmarktperformance dämpft. Im Gegensatz zu früheren Phasen werden heute jedoch überdurchschnittlich gute Gewinnentwicklungen goutiert, und keine Luftschlösser wie etwa zur Dot-Com-Blase. Dennoch könnte es ratsam sein, bei diesem Thema, wie bei allen Themen, die mit Investitionen auf den Finanzmärkten zu tun haben, mit Vorsicht zu handeln.
 
Das Ifo-Geschäftsklima stieg von 85,2 Zählern im Januar auf 85,5 Punkte im Februar. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage wie im Januar (86,9 Punkte). Ihre Erwartungen (84,1) für die kommenden Monate sind etwas besser als im Vormonat (83,5). Vermutlich hat Deutschland konjunkturell den Boden erreicht und die Wirtschaftsleistung dürfte im ersten Quartal ungefähr auf der Stelle treten. Damit es aufwärts geht, müssten sich die Erwartungen in den kommenden Monaten weitaus deutlicher aufhellen. Abwärtsrisiken bleiben weiterhin bestehen: insbesondere die geopolitische Lage in der Ukraine und im Nahen Osten, die weitere Entwicklung der chinesischen Konjunktur, sowie die US-Präsidentschaftswahlen. Zu letzterem Thema gab es am Wochenende eine neue Entwicklung, als der ehemalige US-Präsident Trump die Vorwahlen der Republikaner in South Carolina gewann.
 
Diese Woche legen Beiersdorf, Daimler Truck, Deutsche Telekom und MTU ihre Zahlen vor. Im Scheinwerferlicht stehen diese Woche auch Konjunkturdaten. Aus Deutschland (29.2.) und dem Euroraum (1.3.) könnten die Konsumentenpreisdaten für Februar voraussichtlich den Desinflationstrend bestätigen. Die Kernrate dürfte dank negativer Basiseffekte ebenfalls weiter sinken. Auch die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe rücken in den Blickpunkt. Sowohl in China (Caixin) als auch in den USA (ISM) werden am Freitag Daten vorgelegt. In den USA ist nach dem starken Vormonatswert wieder ein Überwinden der Expansionsschwelle möglich.

23.02.2024
Börsen-Euphorie, Rückgang beim Gold, ifo-Index

Der Hype um Nvidia und die künstliche Intelligenz hat die Börsen in Europa, Japan und den USA beflügelt. Unerwartet hohe Inflationsraten in den USA haben dafür gesorgt, dass der Goldpreis Mitte Februar zum ersten Mal seit Mitte Dezember 2023 wieder unter die Marke von 2.000 US-Dollar fiel. Von konjunktureller Seite aus dürften heute die Veröffentlichung der jüngsten EZB-Umfrage zu den Inflationserwartungen der Verbraucher und der ifo-Index (jeweils um 10:00 Uhr) interessant werden.

 

Die Quartalsbilanz und die Geschäftsaussichten des Chip-Produzenten Nvidia übertrafen selbst hohe Erwartungen. Die Aktie von Nvidia legte gestern um gut 16 % zu. Der Marktwert des Halbleiter-Spezialisten stieg damit an nur einem Tag um rund 277 Mrd. US-Dollar und nähert sich der Marke von 2 Billionen US-Dollar. Mit der euphorischen Stimmung der Anleger kletterte der Dax gestern um 1,5 % auf 17.370 Punkte und erreichte einen weiteren historischen Höchststand. Auch die Börsen in Paris und Amsterdam meldeten Bestmarken - ebenso wie der Dow Jones Index und der S&P 500 in den USA sowie der Nikkei-Index in Japan.


Höhere Inflationsraten in den USA machen es wahrscheinlicher, dass die Notenbanken sich mit Zinssenkungen doch etwas mehr Zeit lassen. Entsprechend könnten die Opportunitätskosten beim Kauf von Gold doch noch für eine längere Zeit auf einem relativ hohen Niveau bleiben. Dennoch: Die US-Inflation wird wohl nach 4,1 % im Vorjahr auf 2,5 % in diesem Jahr absinken. Sehr gute Argumente also für die US-Notenbank, die Leitzinsen doch abzusenken. Bis Ende 2024 dürfte es daher mit den Fed Funds recht deutlich nach unten gehen. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) geht von Zinssenkungen um insgesamt 125 Basispunkte aus. Das bedeutet dann aber auch wieder Rückenwind für Gold. Zum Jahresende sollte die Feinunze bei 2.100 US-Dollar stehen.


Die unliebsame Überraschung durch die jüngsten Inflationsdaten aus den USA hat vermutlich die Sensibilität für Aufwärtsrisiken bei der Teuerung erhöht. Bis dato zeigen die langfristigen marktbasierten Inflationserwartungen im Euroraum indes nur zögerliche Tendenzen, sich von ihrem Zweijahrestief nach oben zu lösen. Wenn man die Ergebnisse der ZEW-Umfrage als Grundlage nimmt, sollte der ifo-Index die jüngste Abwärtstendenz beenden. Klare Anzeichen einer positiven Trendumkehr erwartet die LBBW aber nicht, so dass die effektiven Auswirkungen am Markt wohl begrenzt bleiben. Der ifo-Index dürfte im Februar nur leicht um 0,3 Punkte auf 85,5 zulegen. Die Erwartungen werden voraussichtlich um 0,5 Punkte auf 84,0 steigen, während die LBBW für die Lage einen unveränderten Wert von 87,0 Punkten erwartet.

22.02.2024
Zusammenspiel zwischen Ost und West

Die wirtschaftliche Schwäche in einigen Ländern des Fernen Ostens zeigt Auswirkungen auf den Westen, im Guten wie im Schlechten. Im Gefolge einer schwächeren als bisher verstandenen japanischen Wirtschaft ist die deutsche Wirtschaft zur drittgrößten Wirtschaft der Welt aufgestiegen. Die schwache chinesische Wirtschaft bedroht jedoch die Rentabilität der britischen Bank HSBC, die China zu einem ihrer größten Märkte zählt. Für die übrige britische Wirtschaft rechnet die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bis Juni mit einer Zinssenkung.

In Japan hat sich die Stimmung der Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes gemäß einer Erhebung der Nachrichtenagentur Reuters im Februar abermals verschlechtert. Erstmals seit zehn Monaten übertrifft die Anzahl der Pessimisten wieder die Anzahl der Optimisten. Im Dienstleistungssektor überwiegt zwar noch die Anzahl der Optimisten, aber auch hier war eine Eintrübung der Stimmung zu beklagen. Die japanische Wirtschaft ist im Schlussquartal 2023 überraschend in eine Rezession abgeglitten. Die Wirtschaftsleistung ging mit einer Veränderungsrate von 0,1 % gegenüber dem Vorquartal zurück, nach einem Minus von 0,8 % im dritten Quartal 2023. Vor diesem Hintergrund spricht die japanische Regierung nun davon, dass die Wirtschaft eine Pause eingelegt habe. Zuvor hieß es noch, die Erholung setze sich mit moderatem Tempo fort. Nach der Prognose der LBBW wird die gesamtwirtschaftliche Leistung im laufenden Jahr lediglich mit einer Rate von 0,6 % zulegen. Gleichwohl wird die japanische Zentralbank nach der Einschätzung der LBBW ihre Politik der Negativzinsen in der ersten Hälfte dieses Jahres aufgeben. Da die Abkehr von den Negativzinsen jedoch bislang ausgeblieben ist, verlor der Yen gegenüber dem Euro an Wert. Dies hatte zur Folge gehabt, dass Deutschland nach den USA und China wieder zur drittgrößten Wirtschaftsnation aufgestiegen ist, und dies trotz der anhaltenden Stagnation der deutschen Wirtschaftsleistung.

 

An den Aktienmärkten zeigt sich gestern und heute Morgen ein Zusammenspiel zwischen Ost und West. Das Aktienbarometer Nikkei 225 in Japan kratzt an seinen Allzeithoch. Dies ist zum Teil eine Folge des US-Konzernes Nvidia veröffentlichten Top-Zahlen, welche auch für japanische Tech-Aktien Fantasie entfachten. Eine andere Geschichte ereignete sich auf den britischen Finanzmärkten, wo gestern die Kurse der HSBC-Aktien im Londoner Handel um knapp 9 % gegenüber dem Eröffnungskurs fielen. Dies ist das Ergebnis der schwächer als erwartet Q4-Ergebnisse der Bank. Eine Abschreibung auf eine Investition in China trug wesentlich zu dieser schwachen Performance bei.

Swati Dhingra, Mitglied des Geldpolitischen Rates der Bank of England (BoE), warnte gestern davor, eine Leitzinssenkung solange zu verschieben, bis auch nachlaufende Indikatoren einen starken Fall des inländischen Preisaufwärtsdruck anzeigten. Eine derartige Strategie ginge mit Kosten einher, nämlich dem Ausbleiben einer Verbesserung des Lebensstandards und dem Risiko geringerer Produktionskapazitäten. Die als Taube geltende Geldpolitikerin empfahl die Beobachtung der Entwicklung der Produzentenpreise. Deren Entwicklung lasse in Zukunft niedrige Inflationsraten auch auf Ebene der Endverbraucher erwarten. Swati Dhingra votierte bereits auf der jüngsten Sitzung des Geldpolitischen Rates für eine Leitzinssenkung. Damit stand die Volkswirtschaftsprofessorin jedoch allein auf weiter Flur. Die anderen Ratsmitglieder stimmten entweder für eine Beibehaltung oder eine Anhebung des Leitzinses. Die Bank of England wird nach der Prognose der LBBW auf ihrer Sitzung im Juni dieses Jahres eine Zinssenkungsphase einläuten.
 

21.02.2024
Immobilien im Fokus

Der "Rat der Immobilienweisen" zeichnete in seinem gestern veröffentlichten Frühjahrsgutachten ein pessimistisches Bild für den Wohnungsneubau in Deutschland. Dies dürfte jedoch nicht auf Deutschland beschränkt sein, wie aus einem Bericht der Forschungsgruppe Euroconstruct hervorget, der ein schwaches Wachstum in ganz Europa prognostiziert. Heute aus den USA wird die Quartalszahlen von Nvidia und das Protokoll der US-Notenbank zum jüngsten Zinsentscheid erwartet. Aus Deutschland wird die Bundesregierung ihren Jahreswirtschaftsbericht veröffentlichen.

Der "Rat der Immobilienweisen" rechnet für das kommende Jahr nur noch mit 150.000 fertiggestellten neuen Wohnungen. Zum Vergleich: In den Jahren 2019 bis 2022 pendelten die Fertigstellungen um die Marke von 300.000. Steigende Fertigstellungen werde es vermutlich erst nach dem Jahr 2026 geben. Die Marke von 300.000 werde wohl auf absehbare Zeit nicht mehr erreicht - vom Ziel der Bundesregierung von 400.000 ganz zu schweigen. Es finden sich aber auch optimistische Töne in dem Gutachten. Für Gewerbeimmobilien sind die notwendigen Preisanpassungen nach Einschätzung der Immobilienweisen weitgehend abgeschlossen. Sie begründen dies mit den zum Jahresende 2023 gesunkenen Kapitalmarktzinsen. Für 2024 erwarten sie nur noch geringe Renditeanstiege bei den Immobilien. Zudem sei aufgrund der Stabilisierung der Marktrahmenparameter im laufenden Jahr mit einer langsamen Belebung an den Investmentmärkten zu rechnen.

Die Probleme stark gestiegener Baukosten bei gleichzeitig gesunkener Erschwinglichkeit infolge des Zinsanstiegs sind nicht auf den Neubau in Deutschland beschränkt, sie dürften in vielen Ländern Europas die Bauaktivität sinken lassen. Das ist die Prognose der Forschergruppe Euroconstruct, der auch das deutsche ifo-Institut angehört. Gleichwohl geht Euroconstruct davon aus, dass der Rückgang der Wohnungsfertigstellungen in Deutschland besonders ausgeprägt sein werde. Die Forscher rechnen für Deutschland mit einem Minus von 35 % im Jahr 2026 gegenüber 2023. Für alle 19 untersuchten Länder insgesamt gehen sie nur von einem Rückgang von 13 % aus.

An den US-Aktienmärkten überwogen gestern die Gewinnmitnahmen im Vorfeld der heute zur Veröffentlichung anstehenden Quartalszahlen von Nvidia. Vor allem die Titel der NASDAQ verbuchten Verluste. Doch auch heute werden die Märkte noch ohne die mit Spannung erwarteten Zahlen den Handelstag verbringen müssen: Nvidia wird erst nach Börsenschluss berichten. Abgesehen vom Tech-Giganten haben die Teilnehmer an den Finanzmärkten die künftige Leitzinspolitik der großen Notenbanken weiter fest im Blick. Das Protokoll der US-Notenbank zum jüngsten Zinsentscheid wird heute um 20 Uhr MEZ veröffentlicht.

Auch heute berät der Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern über das Wachstumschancengesetz, das unter anderem kleine Firmen und den Bausektor entlasten soll. Unternehmensverbände appellierten eindringlich an die beteiligten Parteien, sich zusammenzuraufen. Zudem wird am Nachmittag die Bundesregierung ihren Jahreswirtschaftsbericht veröffentlichen. Wirtschaftsminister Habeck bestätigte bereits Gerüchte, dass die BIP-Prognose für 2024 von 1,3 % auf 0,2 % gesenkt werde.

20.02.2024
Rallye der Aktien

Der DAX konnte sich oberhalb der in der Vorwoche erreichten 17.000-Punkte-Marke stabilisieren. Favorisiert wurden einmal mehr Rüstungswerte, da der Tagesgewinner im DAX Rheinmetall war. Heute kommt aus den USA der Index der Frühindikatoren sowie die Berichte mehrerer großer Unternehmen. Nach der einwöchigen Pause zum Neujahrsfest hatte Chinas Börse gestern zugelegt.

Zur Wochenmitte werden der Fed und die EZB ihre Sitzungsprotokolle veröffentlichen und deshalb haben sich die Anleger in Zurückhaltung geübt. Schnelle Zinssenkungen sind wohl vom Tisch, weshalb die Marktteilnehmer das hohe Kursniveau mit wachsendem Unbehagen sehen. Die jüngste Sentix-Umfrage förderte eine auffällig neutrale Einschätzung zu Tage, d.h. viele Anleger wollen sich weder in die eine noch die andere Richtung positionieren. Gerade aus einer solchen, durch allseitige Unschlüssigkeit gekennzeichneten Konstellation heraus entstehen oft größere Kursbewegungen. Noch nährt aber die Hausse sich selbst. Deutschlands Leitindex konnte sich oberhalb der in der Vorwoche erreichten 17.000-Punkte-Marke stabilisieren. Den letzten Schub hatten wohl Short-Eindeckungen vor dem Eurex-Verfallstermin am Freitag gebracht.

Der Tagesgewinner im DAX war Rheinmetall. Solche Rüstungswerte profitierten von der Ankündigung Ursula von der Leyens, im Falle einer Wiederwahl an die EU-Spitze einen Kommissar für Verteidigung zu berufen, der sich um die Koordination der europäischen Rüstungsindustrie kümmern soll. Dies wäre eine Reaktion auf den aktuellen Konflikt in der Ukraine.
 

Der Index der Frühindikatoren kommt heute aus den USA. Dessen Neuigkeitswert ist allerdings gering, denn der Indikator wird aus einer Reihe schon veröffentlichter Zahlen errechnet. Interessanter ist die Berichtssaison. Heute legen Air Liquide, Walmart und Home Depot Geschäftszahlen vor. Für eine abschließende Beurteilung ist es noch etwas zu früh. Es fällt aber auf, dass die Index-Gewinnschätzungen für das Jahr 2024 seit dem Herbst 2023 kräftig ins Rutschen gekommen sind. In Europa ist diese Tendenz noch ausgeprägter als in den USA, und sie hat sich bisher ungebremst fortgesetzt. Auf Basis des S&P 500 brachten hingegen positive Gewinnüberraschungen seit Beginn der Berichtssaison eine Stabilisierung. Dennoch gilt: Konnten die Unternehmen steigende Einkaufspreise anfangs vollständig weitergeben, spüren sie nun zunehmenden Lohndruck und sinkende Nachfrage seitens der inflationsgeplagten Verbraucher. Das bedeutet Druck auf die Margen.

 

In China senkte unterdessen die Notenbank den fünfjährigen Leitzins, den einjährigen Satz ließ sie allerdings unverändert. Ein solches Signal war allerdings erwartet worden. Nach der einwöchigen Pause zum Neujahrsfest hatte Chinas Börse gestern zugelegt, heute gab es in Shanghai minimale Verluste.
 

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Disclaimer: Hierbei handelt es lediglich um allgemeine Marktinformationen. Diese wurden von der Hypo Vorarlberg erstellt und beruhen auf allgemein zugänglichen öffentlichen Informationen, welche die Hypo Vorarlberg als zuverlässig erachtet. Die in dieser Publikation enthaltenen Empfehlungen sind nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt worden und unterliegen auch nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

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