Publikationen

Hypo Börsenblick

07.12.2022
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

In den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe konnte Deutschland im Oktober um 0,8 % und Österreich 0,9 % zum September ansteigen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz deutet dies als Hinweis, dass die Rezession in Deutschland schwächer ausfallen könnte als allgemein befürchtet und die Analysten der LBBW halten an ihrer Prognose, dass die deutsche Wirtschaftsleistung im nächsten Jahr um 1,5 % schrumpfen wird, fest.

Das Bundesverfassungsgericht gilt als letzte Bastion in der Verteidigung der nationalen Souveränität Deutschlands. Gestern hat Karlsruhe jedoch den sogenannten "EU-Wiederaufbaufonds" durchgewinkt. Damit stellt sich das Gericht dezidiert nicht gegen eine Emission von EU-Anleihen. Die Richter sehen keinen Verstoß gegen die Souveränität Deutschlands. Zur Begründung verweisen sie auf den Ausnahmecharakter der Maßnahme. Dem BVergG-Entscheid zeitlich vorgelagert hatte der Bundesrechnungshof Risiken für den Bundeshaushalt aufgezeigt und den "Wiederaufbaufonds" faktisch als eine Vergemeinschaftung von Schulden und Haftung bezeichnet. Das US-Defizit im Außenhandel ist von 74,1 Mrd. US-Dollar im September auf 78,2 Mrd. US-Dollar im Oktober geklettert. Damit ist bereits absehbar, dass im Schlußquartal 2022 die Entwicklung des Außenbeitrages das gesamtwirtschaftliche Wachstum in den Vereinigten Staaten nennenswert belasten dürfte.

06.12.2022
Stimmung - eine Frage der Perspektive

Der von Sentix veröffentlichte Stimmungsbarometer verzeichnete im Dezember seinen zweiten Anstieg in Folge. Hoffnung machten das milde Winterwetter und ausreichend Gas in den Speichern. Hinzu kommt, dass die Inflation ihren Höhepunkt möglicherweise hinter sich hat.

Die deutsche Industrie ist im November wieder geschrumpft, was die finalen Werte für die Einkaufsmanagerindizes des Dienstleistungssektors zeigen. Der Euroraum liegt ebenso noch unter der Marke von 50, welche gemäß Konstruktion des Indikators die Schwelle zwischen Wachstum und Schrumpfung anzeigen soll. Die Auftragseingänge legten in den USA spürbar zu und der Einkaufmanagerindex kletterte für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe von 54,5 auf 56,5 Punkte. Die Deutsche Börse gab gestern Abend ihre Indexanpassungen bekannt. Erwartungsgemäß wird die Porsche AG am 19. Dezember in den DAX einziehen. Puma muss dafür weichen. Heute früh um 8:00 Uhr erwartet die LBBW die Daten zu den Auftragseingängen des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland. Abgesehen von der US-Handelsbilanz stehen daneben heute vor allem politische Ereignisse auf der Agenda. In den USA findet die Stichwahl um den Senatorenplatz im Bundesstaat Georgia statt.

05.12.2022
Fed wird Straffungskampagne fortsetzen

Der US-Arbeitsmarkt konnte im November 263.000 neue Jobs verzeichnen. Durch den überraschend starken Stellenaufbau und die Lohnerhöhungen wurden viele Anleger in der Meinung bestärkt, dass das Zinsanhebungstempo gedämpft wird. Die Nachfrage nach Arbeitskräften übersteigt aktuell das Angebot an verfügbarem Personal bei weitem, was wahrscheinlich mit einer weiteren Zinserhöhung Mitte des Monats versucht wird auszugleichen. Marktteilnehmer sehen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 91%, dass die US-Notenbank die Zinsen am 14.12 um 50 Basispunkte anheben wird.

Die lange angekündigten EU-Sanktionen gegen Russland sind in Kraft getreten – ein weiterer Eingriff in den Markt. Es wurde sich auf eine Preisobergrenze von 60 USD pro Barrel für russische Ölexporte geeinigt. Die Hoffnung ist, dass die Preisobergrenze zu einer Entspannung an den Energiemärkten führt, Drittländer entlastet werden und Russland nicht mehr von den Preisanstiegen des Öls profitieren kann. Russland soll sich dieses Jahr schon 100 Öltanker zugelegt haben, um mögliche Sanktionen zu umgehen.

02.12.2022
Denk ich an Europa in der Nacht...

...bin ich um meinen Schlaf gebracht. EU-Rats-Chef Charles Michel bittet um faire Wettbewerbsbedingungen in Peking. China aber will allein zu seinen Bedingungen an der internationalen Ordnung mitwirken und Peking verbittet sich jeder Einmischung. Der französische Präsident drückt seine Unzufriedenheit mit dem US-Inflation Reduction Act aus. Dieses Projekt, das für die Abfederung sozialer Härten sowie Umbau in Richtung Klimafreundlichkeit sein sollte, ist nichts anderes als ein Subventionspaket. Die US-Wasserstoffstrategie wird incentiviert und legt einen Grundstein für die Technologieführerschaft der Herstellung von grünem Wasserstoff. Bei einem Kauf eines E-Autos aus US-Produktion erhält jeder US-Bürger 7.500 US-Dollar. Damit versucht die US-Regierung europäische und amerikanische Firmen von Europa in die USA zu locken. Das nennt man knallharte Industriepolitik.

Um 14:30 Uhr wird der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht für November veröffentlicht. Dieser dürfte eine Verlangsamung des US-Jobaufbaus zeigen und das Narrativ einer langsameren Fed-Gangart für die nächsten Zinserhöhungen stützen.

01.12.2022
Anleger reagieren auf Powell zu euphorisch

Nachdem in Deutschland und Österreich bereits rückläufige Teurungsraten gemeldet wurden, signalisieren nun auch die gestrigen Zahlen für den gesamten Euroraum einen Inflationsrückgang. Laut den Analysten der LBBW dürfte dies aber noch lange kein Grund zur Freude sein. Durch die hohen Produzentenpreise vermuten sie, dass die Hersteller weiterhin diese Kosten an den Verbraucher weitergeben werden. Selbst wenn die Verbraucherpreisinflation im Oktober bereits ihren Höhepunkt erreicht haben könnte und die Inflationsrate nachhaltig nach unten drehen sollte, würde sie immer noch deutlich über dem Inflationsziel der EZB von 2% liegen.

Der chinesische Caixin-Index hat heute die Verbesserung des PMI um 0,2 Zähler zum letzten Monat vermeldet. Damit liegt er immer noch knapp unter 50, jedoch bewegt er sich in die richtige Richtung. Der ISM-Index steht heute um 16 Uhr auf der Agenda. Fed-Chef Powell hat mit seiner gestrigen Rede die Aktienmärkte zum Haussieren gebracht. Die Fed will tatsächlich ihr Zinstempo verlangsamen und damit ist wohl nicht mehr mit einem Zinsschritt von 75 Basispunkten zu rechnen. Laut der Landesbank Baden-Württemberg werden wohl nur noch 50-Punkte-Schritte folgen. Powell betonte jedoch, dass die Leitzinsen in der Spitze wohl über das avisierte Niveau von 4,6% angehoben werden müssen. Der DAX hat den gestrigen Handelstag mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent beendet. Der deutsche Leitindex kann im November somit einen Gewinn von rund 8,6 Prozent verbuchen.

30.11.2022
Inflationsrate sinkt - bleibt aber zweistellig

Die Inflation hat in Deutschland im November überraschend auf geschätzte 10,0 % nachgelassen. In Österreich ebenso auf 10,6 %. Im Oktober lag die Inflationsrate für Deutschland bei 10,4 % und für Österreich bei 11,0 %. Während in den USA nach Schätzung einiger Ökonomen der Inflationsgipfel überschritten wurde, erwartet die LBBW den „Inflationspeak“ im Frühjahr des kommenden Jahres. Deren Teuerung im November dürfte aber eine Diskussion über die Höhe des nächsten Zinsschrittes bieten.

Da die Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr zu einer für uns „Winter-WM“ wurde, könnte der DAX erstmalig seit 1962 ein positives Ergebnis erzielen. In Peking sank der Dienstleistungsbarometer im November von 48,7 auf 46,7 Punkte. Der Gesamtindex rutschte dann auch ebenso deutlich von 49,0 auf 47,1 Punkte ab. Um 9:55 Uhr werden die neusten Daten für den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht.

29.11.2022
Ende der Zero-Covid-Strategie?

Aufgrund der Zero-Covid-Strategie und den größten Demonstrationen der Demokratiebewegung 1989 in China, starteten die Aktienmärkte gestern mit Verlusten in die neue Woche. China schlägt sich aktuell mit 30.000 Neuinfektionen herum, das ist für ca. 1,4 Mrd. Einwohner keine große Zahl, aber ein Dorn im Auge bei einer Zero-Covid-Strategie. Einige Behörden Chinas teilten mit, vereinzelt leichte Lockerungen vollziehen zu wollen. Die chinesischen Aktienmärkte reagierten auf die Gerüchte und die Abnahme der Proteste heute Morgen mit deutlichen Kursgewinnen.

Heute wird eine Rede von EZB Vize-Präsident de Guindos stattfinden, von der die LBBW neue Hinweise für die weitere ZEB-Zinspolitik erwartet und es steht die Veröffentlichung des EWU-Wirtschaftsvertrauens auf dem Datenkalender.

28.11.2022
ESG-Neuemissionen bei Corporates gefragt

Der Rekordwert von mehr als 40.000 Corona-Neuinfektionen in China belastet die Märkte stark. Derzeit sorgen in China viele Proteste gegen die Null-Covid-Politik für Aufsehen. In Asien schlossen die Aktienbörsen heute früh ebenso schwächer ab. In den USA sorgte der Thanksgiving-Feiertag vergangenen Freitag für einen ruhigen Wochenausklang an den Kapitalmärkten.

Einen regelrechten Einbruch gab es heuer beim Neuemissionsvolumen von EUR Unternehmensanleihen um 40%. Im Gegensatz dazu lief es für das ESG-Segment der EUR-Unternehmensanleihen deutlich besser. Der im ESG-Rekordjahr 2021 erreichte Anteil von 26% kletterte in diesem Jahr auf ein neues Rekordhoch von 35%. Auf den US-Immobilienmarkt (Di, Mi, Do) folgen die Einkaufsmanagerindizes aus China und den USA (Do). Am Freitag steht der US-Arbeitsmarktbericht zur Veröffentlichung an. Außerdem wird sich die EZB einige Male zu Wort melden.

25.11.2022
Von Truthähnen und anderem Federvieh

Nach Veröffentlichung des Protokolls der jüngsten Fed-Sitzung bleibt die LBBW weiterhin bei ihrer gestrigen Erwartung. Keine „Jumbo“-Zinsschritte von 75 Basispunkten wahrscheinlich, eher wird es sich um eine Anhebung von 50 Basispunkten handeln. Damit würde die Geldpolitik zumindest weniger restriktiv, als vor einiger Zeit angenommen.

Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich nach Meldungen des, in München sitzenden, ifo-Instituts im November unerwartet deutlich verbessert. Dieser stieg auf 86,3 Zähler. Auf dem Kryptomarkt ging es nach der Pleite des zweitgrößten Brokers FTX die letzten Wochen steil bergab. Es kommen immer mehr belastende Details ans Licht, die den Gründer Bankman-Fried immer weiter in die Enge drängen. Er hat sich bei seinen Mitarbeitern entschuldigt und mit mangelhaftem Wissen bezüglich des Hebels begründet. Ob hierfür gestohlene Kundenguthaben verwendet wurden, muss noch genauestens aufgearbeitet werden. Wegen des Thanksgiving-Wochenendes öffnet die Wallstreet heute nur halbtags.

24.11.2022
Fed signalisiert geringeres Tempo

Die Talfahrt der deutschen Wirtschaft hat sich im November wegen des nachlassenden Preisdrucks abgeschwächt. Die Einkaufsmanagerindex überraschte mit 46,7 Punkten für Deutschland, 47,3 Zähler für den Euroraum und ist im Vergleich zum Vormonatswert gestiegen, jedoch ist der Wert immer noch weit von der Expansionsschwelle von 50 entfernt. Die Daten geben aber Hoffnung auf eine Abschwächung. Ebenso wurden gestern Einblicke in die Konjunkturentwicklung jenseits des Atlantiks gewährt. Die veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes fielen.

Die US-Börsen zeigen die letzten Tage einen Aufwärtstrend und es deutet sich im Zinszyklus der Notenbank Federal Reserve eine langsamere Vorgehensweise an. Die Analysten der LBBW gehen beim nächsten Zinsentscheid im Dezember von einer Erhöhung um nur noch 50 Basispunkte aus. Anders hingegen sieht es bei der Reserve Bank of New Zealand aus, die gestern ihren Leitzins um rekordhohe 75 Basispunkte auf 4,25 % anhob und noch weitere Zinserhöhungen in Aussicht stellen. Seit Sommer 2021 bedeutet das ein Anstieg von 400 Basispunkten.

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Disclaimer: Hierbei handelt es lediglich um allgemeine Marktinformationen. Diese wurden von der Hypo Vorarlberg erstellt und beruhen auf allgemein zugänglichen öffentlichen Informationen, welche die Hypo Vorarlberg als zuverlässig erachtet. Die in dieser Publikation enthaltenen Empfehlungen sind nicht unter Einhaltung der Rechtsvorschriften zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen erstellt worden und unterliegen auch nicht dem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

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