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Industrie nach Rohstoff-Preisboom unter Druck?

Die stark steigenden Rohstoffpreise beunruhigen die Märkte, da sie die Inflationsangst der Anleger schüren. Jedoch ist abzusehen, dass sich diese Teuerungswelle mittel- bis langfristig nicht fortsetzen wird. Auf die Industrie dürften sich die stark gestiegenen Rohstoffpreise kurzfristig nicht negativ auswirken. Analysten der LBBW sehen sogar eher eine Margenverbesserung.

Rasanter Anstieg der Rohstoffpreise


Der Anstieg der Rohstoffpreise beunruhigt die Märkte. Der Bloomberg Commodity Index hat zuletzt ein Achtjahreshoch erreicht und notiert bereits deutlich über 450 Punkten. Seit Jahresanfang legte der Index mittlerweile um rund 20 % zu. Die Preissteigerungen betreffen quasi alle Segmente. Während die Notierungen der Edelmetalle vor allem zu Beginn der Corona-Krise gestiegen sind, zogen zuletzt vor allem die Preise von Agrarrohstoffen sowie Basismetallen kräftig an. Energierohstoffe hinken dem Gesamtmarkt noch hinterher; der Sektorindex notiert seit Anfang 2020 bei einem Plus von knapp über 24 %. während der Ölpreis sich im laufenden Jahr um mehr als ein Drittel verteuert hat. Bei den Basismetallen haussierten vor allem Kupfer und Alu, die seit Anfang 2020 jeweils mit ca. 60 % und knapp 40 % im Plus liegen. Jedoch ist die Preisentwicklung mittlerweile nicht mehr so homogen wie noch vor einigen Monaten. Bei Zink (+33 %) und Nickel (+30 %) hat die Dynamik zuletzt deutlich nachgelassen, während Blei (+15 %) sogar
deutlich dem Markt hinterherhinkt. Der Metallpreisindex der LME befindet sich auf dem höchsten Stand seit etwa zehn Jahren. Insbesondere die starke Nachfrage aus China spielt hierbei eine große Rolle.

Wird sich die rasante Teuerung bei den Rohstoffen fortsetzen?


Zunächst einmal ist zu konstatieren, dass die London Metal Exchange-Lagerbestände (LME) der Basismetalle in den vergangenen zwölf Monaten bis auf Kupfer und Zinn deutlich zugenommen haben. Die Sorgen um eine Knappheit bei Basismetallen dürften daher wohl etwas übertrieben sein. Auf Sicht der nächsten zwei bis drei Jahre ist ein Seitwärts- bis Abwärtstrend bei den Basismetallen, nach Einschätzung der LBBW, deshalb wahrscheinlich. Auch für den Ölpreis erwarten die Analysten keine Fortsetzung des aktuellen Trends. Von Mai bis Juli 2021 will die OPEC+ den Output aber wieder spürbar erhöhen, damit dürfte der Ölpreisanstieg vorerst beendet sein. Zudem dürfte die US-Ölproduktion wieder steigen, was den Ölmarkt zusätzlich unter Druck bringen sollte.

Konjunkturoptimismus nimmt zu

Neben Knappheitszeichen in einigen Rohstoffmärkten dürfte der Hauptgrund für die Rohstoffpreiserhöhungen der wachsende Optimismus bezüglich globaler Nachfragesteigerungen sein. So hat der IWF kürzlich die Wachstumsprognosen kräftig angehoben und erwartet für die Weltwirtschaft für das Jahr 2021 ein Plus von 6,0 % und für das Jahr 2022 einen Zuwachs von 4,4 %.

In Kürze

  • Der Ölpreis dürfte seinen Preistrend nicht fortsetzen.
  • Die Dynamik der Inflation wird im kommenden Jahr abnehmen.
  • Die Wachstumsprognosen des IWF wurden erneut nach oben korrigiert.

Wird die große Inflation kommen?

Der Inflationsanstieg sollte im kommenden Jahr nicht an Fahrt gewinnen, weder diesseits noch jenseits des Atlantiks. Wobei die LBBW dennoch kurzfristige Ausschläge für denkbar hält. Die Zentralbanken werden nach ihrer Einschätzung auch solch kurzfristige Entwicklungen weiter dulden. Für die USA sieht es danach aus, als würde sich die Inflation angesichts der dortigen Geld-, Fiskal- und Lohnpolitik dauerhaft auf erhöhtem Niveau einpendeln. Wir rechnen für 2021 mit 3,5 % und für 2022 mit 3,0 %. In Europa erwarten wir für 2021 eine Inflationsrate von 1,8 %. Da ein Teil des Inflationsanstiegs durch einmalige Effekte wie Steuererhöhungen in Deutschland oder auch durch Basiseffekte zu erklären ist, dürften dort ab dem kommenden Jahr die Inflationsraten wieder deutlich auf 1,5 % fallen.

Je nach Sektor sind unterschiedliche Preisauswirkungen möglich

Im Maschinenbau ist der Einfluss der Metallpreise aufgrund der geringen Fertigungstiefe eher gering. Im Automobilsektor hingegen übertragen die Hersteller die Preise aufgrund von Materialknappheit allerdings schon auf ihre Kunden. Auch in der Chemiebranche ist eine Belastung der Margen aufgrund anhaltend guter Nachfrage und relativ geringen Lagerbeständen bei den Kunden ebenfalls möglich.